Humanitäre Hilfe in Spielen – die überfällige Erweiterung des Horizonts

Opfer von Krieg und Gewalt spielen in Computerspielen bisher kaum eine Rolle. Pixelleichen liegen zwar in der Landschaft herum und lassen sich in Schlachtberichten statistisch erfassen oder treiben den Rekrutenpool nach unten, aber eine wirkliche Auseinandersetzung mit den Auswirkungen des Krieges vor allem auf die Zivilbevölkerung gibt es selten. Doch das scheint sich langsam zu ändern. Ein Hoffnungsschimmer.

Ich habe schon an anderer Stelle darüber geschrieben, dass es mittlerweile das eine oder andere Spiel gibt, das sich der Problematik widmet und dass sich daraus eine Tendenz zu entwickeln scheint, die ich insbesondere aus einer Perspektive der Menschlichkeit, aber auch hinsichtlich des didaktischen Potenzials von digitalen Spielen sehr begrüße. Vor einigen Tagen hat nun Bohemia Interactive, das Entwickler*innenstudio der Armed Assault-Reihe eine Erweiterung (DLC) für ihren aktuellen Titel ArmA 3 angekündigt und wurde dafür sogar vom Roten Kreuz gelobt (ein teil der Erträge des DLCs sollen an das ICRC gespendet werden):

Was den Laws of War DLC so besonders macht? Damit integrieren die tschechischen Entwickler*innen humanitäre Hilfe, Entwicklungshilfe, Hilfsgüter, Krankenhäuser, Krankenwagen, das Räumen von Minenfeldern und die Genfer Konventionen in ihren Militärsimulator. Die Genfer Konventionen. In einen Militärsimulator, ein Kriegsspiel. Dass das überhaupt erwähnt werden muss, ist allein so traurig wie kurios…

Bohemia Interactive geht mit diesem neuen Inhalt jedoch einen wichtigen, wenn auch überfälligen (und sehr ausbaufähigen) Schritt in die richtige Richtung und wir können nur hoffen, dass die angedeutete Tendenz im Game Development sich fortsetzt. Menschenrechte und humanitäre Krisen sowie die Auswirkungen des Krieges sind mir in Spielen so dezidiert bisher nur in Spec Ops: The Line oder This War of Mine, bezüglich der Thematik Flucht und Vertreibung und in der Einzelspielerkampagne des Echtzeitstrategietitels Joint Task Force begegnet.

Kennt ihr weitere Spiele, in denen Humanitäre Hilfe und die Folgen von Krieg und Gewalt thematisiert werden? Über Hinweise würde ich mich freuen!

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Beitragsbild: Emergency food, drinking water and shelter to help people displaced in Rakhine State, western Burma. by DFID cc-by-sa-2.0

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1 Kommentar zu „Humanitäre Hilfe in Spielen – die überfällige Erweiterung des Horizonts“

  1. Jeder Videospielveteran erkennt schon am ersten Satz, dass Sie wohl wenige Spiele kennen. Opfer von Gewalt und Krieg werden schon sehr lange thematisiert. Oft schon in alten Rollenspielen, Textadventures und Simulationen. Es gibt sogar Spiele, die nur darauf ausgelegt sind, die letzten Überlebenden zu retten. Wieviel Elend sieht man nicht in der Elder-Scrolls-Reihe, den Fallout- und Wasteland-Spielen. In der Metro-Reihe, Wolfenstein, und sogar Battlefield 1 startet mit der Sinnlosigkeit des Krieges. In Divinity, der Witcher-Reihe, und sogar im Handyspiel Fallout Shelter muss man das Überleben von Überlebenden sichern.
    Ich habe schon viele Spiele gesehen, in denen die Opfer mehr als nur Statisten sind. Allein die ganzen Simulationen
    Und das in einem Medium, das eigentlich für Spaß und Unterhaltung erschaffen wurde.

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