Das „authentischste“ Historienspiel aller Zeiten?! Die gewaltige Schräglage von „Kingdom Come: Deliverance“

Der 13. Februar lässt das Herz von Historygamer*innen und Mittelalterfans höher schlagen. Heute in einem Monat erscheint das vermeintlich „realistischste“ Historienspiel, das jemals über digitale Bildschirme flimmerte. Doch das Spiel hat ein massives Problem: seine „Macher“.

Die „realistischste“ Mittelaltersimulation ever!!!1!elf

Seit dem Start der Crowdfunding-Kampagne 2014 wird Kingdom Come: Deliverance von Fans und Gamingpresse als authentischstes Historygame seit Langem, wenn nicht überhaupt, gefeiert. Wie Skyrim, nur schöner und ohne Drachen. Mit dem realistischsten Kampfsystem, das ein Spiel jemals hatte. [1] Die Spielfigur muss essen, trinken und schlafen und wird bei häufiger Nutzung der Schnellspeicherfunktion betrunken. Eine „realistische Mittelalter-Simulation“, die gar „schöner als die Realität“ sei. [2] Das Spiel ist angeblich sogar „So Historically Accurate Historians Are Consulting The Dev Team“ [3]. Und auch die Entwickler*innen halten sich mit derartigen Zuschreibungen natürlich nicht zurück. Auf der Homepage des Spiels wird „Realism“ als wichtigstes Gamefeature genannt.

Zugegeben: Das Spiel sieht dank der CryEngine wirklich schick aus. Die komplexe Interaktionsmechanik des Spiels, auf deren Grundlage KI-Charaktere auf Entscheidungen des Spielers und Situationen in der Spielwelt reagieren scheint wegweisend zu sein. Vor allem, dass Fantasy-Elemente gänzlich fehlen, reizt auch mich. Realistisch ist es deswegen aber noch lange nicht.

Der irrige Traum von historischer Wahrhaftigkeit

Ich kann bei diesem Authentizitäts-Taumel nur den Kopf schütteln. Vor allem, weil er in der Regel fernab aller geschichtswissenschaftlichen Forschungsergebnisse oder -diskussionen verläuft, sondern sich stattdessen auf verbreitete Vorstellungen von Geschichte stützt, die als absolute Wahrheit gesetzt werden. Debatten um die Authentizität der Geschichtsdarstellung in digitalen Spielen, Filmen oder anderen Medien führen darum häufig unmittelbar zu energisch geführten Identitätsdebatten. [4] Multiperspektivität und Widersprüche werden von den Teilnehmer*innen schnell als Angriff auf die eigene nationale, sexuelle, ethnische oder sonst irgendeine Identität gewertet.

Interessanterweise ist dieses Phänomen bei Kingdom Come: Deliverance so deutlich wie selten an ganz prominenter Stelle zu beobachten. Doch dazu kommen wir noch.

Sorry für den Immersionskiller, aber die Vorstellung, dass Schwertkämpfe im hochmittelalterlichen Böhmen oder sonst wo nach den Regeln des Talhoffer Fechtbuches, einem Handbuch der Fechtkunst, ausgetragen wurden, ist doch reichlich amüsant. Dass Veränderung des Geländes (Schrumpfung) für kürzere Wege von Dorf zu Dorf vorgenommen wurden, ein Großteil der dargestellten historischen Gebäude gar nicht und über die Feldzüge Sigismunds nach Böhmen kaum etwas überliefert ist, das dürfte bekannt sein. Aber das ist okay. Denn in Wahrheit will kein Mensch ein realistisches Spiel spielen! Es würde schlicht keinen Spaß machen. [5] Es muss sich nur gut anfühlen, glaubhaft sein. So muss auch Tobias Stolz-Zwilling, der PR-Manager von Warhorse Studios, feststellen: „Man wird niemals ein absolut realistisches Spiel machen können. Es ist nicht einmal eine mittelalterliche Simulation. Es ist ’nur ein Spiel‘ und wir verstehen das.“ [6]

Eines ist klar: Jedes Werk (so auch jedes Spiel) sagt nichts über die historische Wirklichkeit aus, die es abzubilden behauptet, aber alles darüber, wie seine Autor*innen oder Entwickler*innen diese sehen – oder sehen wollen.

Er(n)ste Bedenken und das Schweigen der Gamingpresse

Daniel Vávra bei Game Two auf der gamescon 2017 (YouTube)

Alles beginnt mit Daniel Vávra. Als Entwickler war er an der Produktion von Mafia: The City of Lost Heaven und Mafia II beteiligt. 2011 gründete er Warhorse Studios, wo er seither als Lead Designer an Kingdom Come: Deliverance arbeitet. Doch Vávra ist eine zwielichtige Erscheinung.

Im deutschsprachigen Raum gab es erstmals im Kontext der Gamescom 2017, als der Entwickler bei einem Gespräch mit Game Two (ein YouTube-Format von funk, also in Trägerschaft von ARD und ZDF, in dem u.a. die Rocket Beans als Redakteur*innen auftreten) ein T-Shirt der Band „Burzum“ trug, eine sehr begrenzte Debatte über dessen politische Einstellungen. [7] In Reaktion auf die Hinweise der Zuschauer*innen prüfte funk dann Vávras Twitter Account, entschied sich jedoch dafür, das Video unverändert online zu belassen: „Damit ergreifen wir weder Partei für Daniel Vávra geschweige denn für Burzum. Aber der Sachverhalt ist zu komplex, um basierend auf etwaiger Antipathie ein Spielestudio mit unserem Boykott zu strafen. Das obligt dann den Käuferinnen und Käufern.“ [8]

Tja, leider doch. Ich komme später wieder darauf zurück.

Geschichtsdeutung als nationales Vorrecht

Eine intensivere Recherche wäre sinnvoll gewesen. Wobei diese eigentlich gar nicht nötig ist. Die Suchmaschinen bewerfen eine*n quasi mit eindeutigen „Hinweisen“. Schauen wir uns ein Mal systematisch um.

Auf Vávras YouTube-Account wird schnell klar, wo die Präferenzen des Entwicklers liegen: Ihm gefallen hauptsächlich abstruse Metal-Videos, noch abstrusere historische Verschwörungstheorien über „unterirdische Zivilisationen“, sowie Videos, in denen Verstöße gegen Genderrichtlinien gefeiert werden oder „white supremacy“ als Mythos bezeichnet und als gesellschaftliches Phänomen in Abrede gestellt wird.

Und auch bei Twitter scheint die ideologische Prägung Vávras immer wieder durch. Offenbar hat funk sich nicht die Mühe gemacht, hier genauer hinzuschauen. 2015 beispielsweise reagierte Vávra auf ein Witcher 3 Review von Arthur Gies auf Polygon, in dem jener konstatierte: „in my 70+ hours spent within it, I don’t recall a single non-white humanoid anywhere — not in Skellige, Novograd, Oxenfurt or anywhere else. Once I realized this I couldn’t stop looking for any example of a person of color anywhere, and I never found it, unless you count naked monster women sitting at the feet of a boss like a slightly more awkward tribute to a Frank Frazetta painting“. [9] Vávra empörte sich, ob Europäer*innen denn kein Recht auf ihre eigene Geschichte hätten.

Bereits in dieser Frage impliziert der Entwickler ein eurozentristisches und gleichsam rassistisches, weil exklusiv „weiß“ gedachtes Geschichtsbild. Im Laufe der Diskussion brachte er diese Überzeugung immer deutlicher zum Ausdruck:

Schließlich begründete er seine Position mit einer nationalistischen Haltung mit anti-imperialistischem Reflex. Er sei schließlich in der fraglichen Region geboren, darum wisse er über die Geschichte der Region, die er als seine Geschichte zu empfinden scheint, doch mehr als irgendwelche dahergelaufenen Historiker*innen. Die Deutungshoheit über Geschichte wird in seiner Vorstellung zum Geburtsrecht. Entgegen allen historischen Befunden.

Schon früher war Vávra durch rassistische Ausfälle aufgefallen. Das tumblr-Blog People of Color in Medieval European Art History, das von einer Geschichtsaktivistin betrieben wird, die sich zum Ziel gesetzt hat, dem verbreiteten Bild vom „weißen Mittelalter“ mit wissenschaftlichen Fakten entgegen zu treten, hatte sich mit dem Umstand beschäftigt, dass es in Kingdom Come: Deliverance keine nicht-weißen Menschen geben wird. [10] Diese Beiträge haben eine gewisse Aufmerksamkeit erhalten, nachdem The Daily Dot [11], Kotaku [12] und vor kurzem PacificStandard [13] berichteten.

Vávras Reaktion:

Von GamerGate…

Aufmerksamkeit erntete People of Color in Medieval European Art History aber vor allem von einer Seite: Das Postfach der Historikerin wurde von Hassmails geflutet. Die selbsternannte „Bewegung“ GamerGate stand mit Fackeln und Forken vor der Tür und rannte Sturm gegen die so genannten „Social Justice Warriors“ („SJW“). GamerGate, das sind jene, die sich zu einem Kreuzzug gegen die von ihnen als links-elitär begriffene Spielepresse verschworen haben. Unter Adaption nationalsozialistischer Symbolik und Rhetorik streiten sie gegen Gutmenschentum und Lügenpresse und dafür, in Ruhe den sexistischen, rassistischen, ableistischen und anderen diskriminierenden Darstellungen in digitalen Spielen frönen zu können. Sie sind das PEGIDA der Gaming-Community und spammen unliebsame Berichte mit Hasskommentaren.

Daniel Vávra ist einer von ihnen. Und das sagt er auch ganz öffentlich. In den verschiedenen Interviews, die er GamerGate nahen Blogs wie TechRaptor [14] oder The escapist, aber auch der rechtspopulistischen Medienplattform Breitbart gegeben hat, relativiert er ganz freimütig Sexismus, Rassismus und andere Diskriminierungsformen und vollzieht eine Täter-Opfer-Umkehr, indem er sich und seine künstlerische Freiheit und Redefreiheit als durch den Mainstreamjournalismus bedrängt inszeniert:

Over the last decade, media were taken over by people who think that their ideals, opinions and way of life are superior to others and so they have the mission to tell others how to live, what to think and what to do. Those people have learned that there is a very easy way of manipulating others with guilt and fake goodwill. They will tell you that you should be ashamed, because you are privileged. You are white, you are healthy, you are rich and it’s your fault that there are others who are not as lucky as you. So you must redeem those crimes by doing what those social justice warriors think will please those who are not privileged enough. And if you don’t, they will jump on you and give you a hard time. Nobody wants to be called sexist, misogynistic, rape culture supporter, and everybody kind of agrees that it’s great to help people who were not as lucky as them, so for some time this works.

The problem is that this is not enough. At the same time, these people persuade those that are not so lucky that they are victims. They make enemies out of people.“ [15]

Anlässlich eines Vortrags der Historikerin Victoria Cooper, die eine Dissertation zu „Fantasies of the North: Medievalism and Identity in Skyrim“ [16] vorgelegt hat, und darauf hinweist, dass rechte Aktivist*innen zunehmend historische Felder mit nationalen und rassischen Konstruktionen besetzen und reproduzieren [17] – sprach Vávra mit Breitbart über Kingdom Come: Deliverance: „I am making a game about the history of my country… all of a sudden there are people telling me that I should not make it as it really was, or how I as an author feel it should be, but as it should have been according to their political views.“ Hinsichtlich der bösen Mainstreammedien aka. Lügenpresse freut er sich ganz im Sinne GamerGates darüber, dass „people just found that they are often being manipulated by the media and they also found how to avoid this. Social media like Reddit, YouTube, or various ranking sites are changing the way we get trustworthy information. People are starting to believe collective wisdom of other users more than media, and if media will not change, they will get obsolete very soon.“ [18]

Auch Ondrej Malota, ebenfalls Entwickler bei Warhorse Studios, hat sich im subreddit KotakuInAction als Unterstützer von GamerGate geoutet. [19] Ein*e Schelm*in, welche*r denkt, es könne sich um ein strukturelles Problem bei Warhorse Studios handeln. Auch wenn das wohl nicht auf alle Mitglieder zutrifft. Vielleicht alles nur arme kleine beleidigte Jungs, denen niemand wirklich zuhört, was sie Tolles zu sagen haben, die selber aber auch keiner*m zuhören mögen, die*der diese Ideen hinterfragt. [20]

Kingdom Come: Deliverance wird von GamerGate übrigens auch für seine revisionistische Maskulinität gefeiert: „It is definitely a game for men, about men, set in a time where men were men were men and women appreciated them.“ Schließlich kann Mann in die Rolle eines „hero with options for seducing the local girls“ schlüpfen. [21] Und tatsächlich wird es – entgegen einem früheren Ziel der Kickstarter-Kampagne – nicht die Möglichkeit geben, eine*n nicht-männlichen Charakter*in als Hauptfigur in Kingdom Come: Deliverance zu spielen. Schließlich spielt es ja im Mittelalter, der guten alten Zeit, in der Männer noch Männer sein konnten und sie keine*r ihres patriarchalischen savoir-vivre zu schelten wagte.

… und Neo-Nazis

Zurück zu dem besagten T-Shirt. „Burzum“ ist der Projektname des norwegischen Solo-Metal-Musikers Varg Vikernes, einem Neonazi, der 14 Jahre wegen Mordes und wiederholter Brandstiftung (brannte drei Kirchen nieder) im Gefängnis saß und noch heute über seinen YouTube-Kanal eine paganistisch und nationalsozialistisch inspirierte Blut-und-Boden-Ideologie verbreitet.

Und somit fügt sich ein Bild zusammen, das abgrundtief blicken lässt. Schließlich bewirbt Vávra durch das Tragen des „Burzum“-Shirts (mindestens) Vikernes‘ Liedtexte, wohl aber auch das, wofür Vikernes als Person steht. Hier müssen sich Gamescom und funk eindeutig vorwerfen lassen, tatenlos zugesehen und rechtem Gedankengut (wenn auch indirekt) unkommentiert eine Plattform geboten zu haben. Statt einer kritischen Auseinandersetzung erntete Kingdom Come: Deliverance obendrein noch den Best PC Game Award der Gamescom 2017… [22]

Das alles zu übersehen, gelingt wohl nur, wenn mensch sich die Augen zuhält, wie die Person in der ikonischen Conceptart, die ich oben als Beitragsbild verwende. Warum die Presse und vor allem der Gamingjournalismus bisher kein Wort über diese Verstrickungen der Entwickler*innen von Warhorse Studios verliert, ist mir völlig unverständlich.

Alles „nur ein Spiel“

Warum schweigt die Spielepresse? Ist es Angst vor den GamerGate-Kreuzritter*innen? Ist es die ökonomische Notwendigkeit, ein gehyptes Spiel ebenfalls zu hypen? Oder ist es die mir unbegreifliche Vorstellung, dass die politische Haltung der Entwickler*innen sich nicht in deren Spiel niederschlagen würde?! Doch, das tut sie. Vávra hat es ja immer wieder selbst gesagt, mit jeder Äußerung, mit der er „begründete“, warum es keine nicht-weißen Personen in Kingdom Come: Deliverance geben wird. Ein Spiel ist eben nicht „nur ein Spiel“! Daniel Vávra ist ein Rassist und Sexist mit revisionistischen Geschichtsvorstellungen – und diese Vorstellungen finden Eingang in sein Spiel. Kingdom Come: Deliverance stellt das Mittelalter so dar, wie Vávra es für authentisch hält.

Die Historikerin, die hinter People of Color in Medieval European Art History steht, bringt das Verhältnis zwischen geschichtswissenschaftlichen Erkenntnissen und unreflektierten „Durchschnittsgamer*innen“ auf den Punkt:

None of this is relevant to the point that creators are responsible for what they have created. Game developers are accountable for their choice of setting, what their characters look like, and how they choose to tell a story.

The bottom line is that education is not a cure for racism. Individuals choose what stories they think are interesting, that they believe are worth telling, that are a reflection of themselves and how they see others. It doesn’t matter what I post here when the reader has already made up their mind. People will easily ignore facts and evidence when it opposes their fundamental belief systems.

And society will applaud this when it adheres to the status quo. The belief that ‚there were no people of color back then‘ is so entrenched in Western culture that any assumption that supports it will stand on that premise to the casual onlooker. Based as it is in white entitlement and white supremacy, it will stand against any mountain of evidence to the contrary if the reader is emotionally invested in maintaining those systems.“ [23]

Ich wünsche mir, dass Spielejournalist*innen sich weniger von vermeintlich authentischen Geschichtsdarstellungen in digitalen Spielen blenden ließen und kritischer auf die Darstellung von Geschichte in Spielen schauten, vor allem aber auch die Entwickler*innen kritischer unter die Lupe nähmen, einfach guten Journalismus machten. Denn Spiele sind keine unpolitischen Wohlfühlzonen, wie es die Aktivist*innen von GamerGate gerne hätte, sondern Abbild ihrer Entwickler*innen.

Und schade – Kingdom Come: Deliverance hätte so gut werden können. Aber wohl nur ohne Daniel Vávra als Chefentwickler.

__________________________

Alle Hervorhebungen (fett) in Zitaten stammen von mir.

[1] Vgl. bspw. Halley, Dimitry: Kingdom Come: Deliverance – 5 Dinge, die es von anderen Rollenspielen unterscheidet, Gamestar, 01.12.2017 <http://www.gamestar.de/artikel/kingdom-come-deliverance-5-dinge-die-es-von-anderen-rollenspielen-unterscheidet,3322978.html>.

[2] Philipp, Andreas: Kingdom Come: Deliverance. Schöner als die Realität?, Gameswelt, 08.03.2016 <http://www.gameswelt.de/kingdom-come-deliverance/special/schoener-als-die-realitaet,254237>, abgerufen am 11.01.2018.

[3] Peppiatt, Dom: Kingdom Come: Deliverance Is So Historically Accurate Historians Are Consulting The Dev Team, XBOX Achiements, 01.12.2016 <https://www.xboxachievements.com/news/news-25767-Kingdom-Come–Deliverance-Is-So-Historically-Accurate-Historians-Are-Consulting-The-Dev-Team.html>, abgerufen am 11.01.2018.

[4] Vgl. Pfister, Eugen: „Wie es wirklich war.“ – Wider die Authentizitätsdebatte im digitalen Spiel, AKGWDS, 18.05.2017 <http://gespielt.hypotheses.org/1334>, abgerufen am 11.01.2018.

[5] Vgl. Sigl, Rainer: Quickscope: Das Realismus-Problem – Wir wollen gar keine realistischen Spiele!, Gamestar, 01.12.2017 <http://www.gamestar.de/artikel/quickscope-das-realismus-problem-wir-wollen-gar-keine-realistischen-spiele,3323007.html>, abgerufen am 11.01.2018.

[6] Färberböck, Peter: Interview mit Warhorse Studios zu Kingdom Come: Deliverance – Deutsche Version, Adventure Corner, 18.10.2016 <http://www.adventurecorner.de/pages/617/interview-mit-warhorse-studios-zu-kingdom-come-deliverance-deutsche-version>, abgerufen am 11.01.2018.

[7] Game Two #35 | gamescom 2017 – Die Highlights der Messe, YouTube, 26.08.2017 <https://youtu.be/6ePCqQgcKoE?t=5m19s>.

[8] Der zuständige Redakteur herrfabu im Forum von RocketBeans.TV, 30.08.2017 <https://forum.rocketbeans.tv/t/game-two-35-25-08-2017/26737/85>, abgerufen am 11.01.2018.

[9] Gies, Arthur: The Witcher 3: Wild Hunt Review: Off The Path, Polygon, 13.05.2015 <https://www.polygon.com/2015/5/13/8533059/the-witcher-3-review-wild-hunt-PC-PS4-Xbox-one>, abgerufen am 11.01.2018.

[10] Vgl. Beiträge auf People of Color in European Art History die mit „Kingdom Come. Deliverance“ getaggt sind, medievalpoc.tumblr.com, <http://medievalpoc.tumblr.com/tagged/Kingdom-Come%3ADeliverance/chrono>, abgerufen am 11.01.2018.

[11] Vgl. Baker-Whitelaw, Gavia: Is a medieval video game historically accurate without people of color?, The Daily Dot, 05.02.2014 <http://www.dailydot.com/gaming/reddit-tumblr-medieval-video-game-poc/>, abgerufen am 11.01.2018.

[12] Vgl. Plunkett, Luke: Idiots Fight To Keep A Medieval Game White, Kotaku, 05.20.2014<https://kotaku.com/idiots-fight-to-keep-a-medieval-game-white-1516970808>, abgerufen am 11.01.2018.

[13] Vgl. Perry, David M.: Yes, there were People of Color in Pre-Modern Europe, A conversation with @MedievalPOC, an activist using social media to change how we see color in the past, PacificStandard, 29.12.2017 <https://psmag.com/education/yes-there-were-poc-in-medieval-europe>, abgerufen am 11.01.2018.

[14] Vgl. Otton, Andrew: An interview with Daniel Vavra: GamerGate and the gaming industry, TechRaptor.net, 12.09.2014 <https://techraptor.net/content/interview-daniel-vavra>, abgerufen am 11.01.2018.

[15] Daniel Vavra GamerGate Interview, the escapist, 10.10.2014 <http://www.escapistmagazine.com/articles/view/video-games/gamergate-interviews/12400-Daniel-Vavra-GamerGate-Interview>, abgerufen am 11.01.2018.

[16] Cooper, Victoria E.: Fantasies of the North: Medievalism and Identity in Skyrim, PhD thesis, University of Leeds 2016 <http://etheses.whiterose.ac.uk/16875/>, abgerufen am 11.01.2018.

[17] Vgl. Mrozek, Bodo: Unter falscher Flagge. Rechte “Identitäre” setzen auf Antiken-Pop. Die Geschichte ihrer Symbole dürfte ihnen kaum gefallen, PopHistory, 20.12.2017 <http://pophistory.hypotheses.org/2561>, abgerufen am 11.01.2018; Devega, Chauncey: Alt-right catches knight fever — but medieval scholars strike back, salon, 12.01.2017 <https://www.salon.com/2017/11/30/alt-right-catches-knight-fever-but-medieval-scholars-strike-back/>, abgerufen am 11.01.2018.

[18] Shimshock, Rob: Developer Speaks Out over Claim ‘Historical Accuracy’ Pushes White Supremacy in Games, Breitbart, 28.07.2015 <http://www.breitbart.com/big-hollywood/2015/07/28/developer-speaks-out-over-claim-historical-accuracy-pushes-white-supremacy-in-games/>, abgerufen am 11.01.2018.

[19] User MAATOHA: A thank you from a gamedev, reddit.com, 18.03.2015 <https://www.reddit.com/r/KotakuInAction/comments/2ziice/a_thank_you_from_a_gamedev/>, abgerufen am 11.01.2018.

[20] Vgl. Totilo, Stephen: My E3 Meeting With A Pro-GamerGate Developer, Kotaku, 07.02.2015 <https://kotaku.com/my-e3-meeting-with-a-pro-gamergate-developer-1715511964>, abgerufen am 11.01.2018.

[21] Quatermain, Allan: Will Kingdom Come: Deliverance Be The Most Masculine Game In 2015?, Reaxxion, 22.12.2014 <http://www.reaxxion.com/3294/will-kingdom-come-deliverance-be-the-most-masculine-game-in-2015>, abgerufen am 11.01.2018.

[22] Vgl. Pressemitteilung Nr. 30: gamescom 2017 – Gewinner gamescom Award , gamescom.de, 24.08.2017 <http://www.press1.de/wrapper.cgi/www.press1.de/files/kmeigen_kmpresse_1503596395.pdf>, abgerufen am 11.01.2018.

[23] People of Color in European Art History: Kingdom Come and Related Debacles: Epilogue, medievalpoc.tumblr.com, 2016 <http://medievalpoc.tumblr.com/post/112158952123/kingdom-come-and-related-debacles-epilogue>, abgerufen am 11.01.2018.

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94 Kommentare zu „Das „authentischste“ Historienspiel aller Zeiten?! Die gewaltige Schräglage von „Kingdom Come: Deliverance““

  1. Hallo Jan,

    ehrlich gesagt verstehe ich die Aufregung nicht. Der Hauptkritikpunkt scheint mir die PoC-Sache zu sein.
    Definitiv gab es mehrere Bewegungen nicht-indoeuropäischer Völker in Europa: Hunnen, Juden, Araber, Magyaren/Ungarn, Mongolen, Kumanen/Kiptschaken, Türken, …
    Mir stellt sich hier schon die Frage, ob Roxolanen, Hunnen und Skythen, oder auch Perser und Inder zu „PoC“ dazuzählen? Es handelt sich um Indoeuropäer [was strenggenommen natürlich eine linguistische Kategorie ist].
    Letzten Endes ist es wohl eine Frage der Perspektive: Einem Germanen oder Briten mögen die römischen Invasoren eher dunkelhäutig erschienen sein, ich würde sie aber nicht so bezeichnen.
    Nun ja, bei der ersten Aufzählung kommen wir vielleicht auf einen gemeinsamen Nenner, dass es sich hierbei zweifelsfrei um „PoC“ handelt?

    Ich habe das Spiel nur angespielt, aber Tatsache ist, dass die Ungarn in KC:D prominent erwähnt werden und Juden zumindest in der Enzyklopädie. Die Kumanen kommen „in Fleisch und Blut“ vor. Wo also ist jetzt genau das Problem? Die Mongolen z.B. kamen nach meiner Recherche nicht nach Böhmen (in Mähren waren sie nur kurz, sie verließen es 1242 wieder) und ihr Reich befand sich 1400 in Auflösung. Mit einer Stärke von ca. 200.000 Mann (um 1200) für ein Gebiet von China bis Osteuropa konnten sie bevölkerungstechnisch und kulturell flächendeckend wohl nicht viel verändern. (Zum Vergleich: „Deutschland“ allein hatte 1200 ca. 8 Millionen Einwohner!)
    medievalPoC meint ja Folgendes:
    „As for events and history involving Mongolian folks, well. The Battle of Legnica is obviously a thing that happened, Central Europe including Bohemia and what is now the Czech Republic were affected by the invasion. The descendents on [sic!] the Mongols in this area became known as the Crimean Tatars and more or less stayed put (this would be c. the 15th Century), and had mostly converted to Islam by that point.“

    Legnica (Liegnitz) liegt in Schlesien, nicht in Böhmen (zumindest nach heutigen Grenzen).
    Die Encyclopaedia Britannica sagt [1]: „Succeeding his father, Přemysl Otakar I, in 1230, Wenceslas prevented Mongol armies from attacking Bohemia (1241) but could not defend Moravia, …“
    Also bezieht sich „Bohemia … affected“ darauf, dass z.B. in Böhmen Truppen zur Verteidigung stationiert wurden? Vielleicht kleinere Scharmützel stattgefunden haben? Die zentrale Frage ist doch aber: Konnte man einen Mongolen in Böhmen zu Gesicht bekommen (1400, also 160 Jahre später!) oder nicht?
    Wie ich bereits schrieb, verließen die Mongolen sogar Mähren ein Jahr später, 1242 [kontrastiere „more or less stayed put…15 Century“] und scheinen auch nicht zurückgekommen zu sein. Ich gebe zu, dass ich zu faul bin, hier alle Quellen zu suchen.
    Meine Frage an Dich: Ist KC:D in Bezug auf die Mongolen historisch inkorrekt?

    Was andere Völker angeht: Sicherlich gab es mal den ein oder anderen „Mohr zu bestaunen“, aber eine größere Bewegung nach Böhmen hat meines Wissens nie stattgefunden. Die Römer hatten zwar Hilfstruppen aus vielen Völkern, doch hinter den Limes kamen sie immer nur sehr kurzzeitig. Ich wohne in Mainz und kenne mich aus mit denen auf der falschen Rheinseite, daher auch hier keine Quellenangabe 😉
    Die Wanderungsbewegungen ca. 250-500 n. Chr. waren ganz grob gesprochen von Nord nach Süd. Die Vandalen und Goten schafften es bis nach Nordafrika bzw. Kleinasien. Also die falsche Richtung.
    Was medievalPoC mit irgendwelchen Gemälden der Königin von Saba oder St. Mauritius beweisen will, ist mir schleierhaft. Die waren doch nie in Böhmen, waren dort aber dem Namen nach bekannt und wurden gemalt. Und wenn mal zwei Schwarze am Hof der Staufer waren, heißt das, dass in jedem zweiten Dorf Schwarze anzutreffen waren? Was sind das für Gedankengänge? Ich finde das Martin-Lawrence-Bild eigentlich sehr treffend und witzig gewählt, denn so wie er im Film bestaunt wird, stelle ich es mir auch in der echten Welt von damals vor. Und nein, ich habe nichts gegen Dunkelhäutige.
    Letzten Endes geht es hier doch um Wahrscheinlichkeiten. Wie hoch war die Wahrscheinlichkeit, im Frankenreich um 800 einen Elefanten zu treffen? Nicht null, denn Karl der Große bekam einen geschenkt. Und Otto III. bekam ein Kamel geschenkt. Kann man deshalb behaupten, es hätte in Mitteleuropa Elefanten und Kamele gegeben? Der Mathematiker mag hier „ja“ antworten, aber der Umgangssprache muss man halt ein paar Vereinfachungen zugestehen, sonst könnte man sich gar nicht mehr unterhalten.

    Jetzt kommt noch das Totschlagargument, weil es ja immer um „Wissenschaft“ geht: Da medievalPoC nicht dem Peer Review unterliegt, ist es wissenschaftlich nicht zitierfähig.

    Zu den Frauen.

    Es gab durchaus Frauen, die zur Waffe griffen (meine Frau wäre auch so eine Kandidatin). Aber hier gilt: eine Jeanne d’Arc „macht noch keinen Sommer“. Zwar nahmen Frauen, zumeist adlige, z.B. am 2. Kreuzzug (1147-1149) teil — zumindest teilweise kämpfend, wie arabische Geschichtsschreiber berichten — doch wurde dies von Papst Clemens III. verboten. Wer sich in der Bibel auskennt (was ich als guter Atheist natürlich tue), weiß, dass Frauen das Tragen von Männerkleidung/Rüstung dort nicht erlaubt ist. Ich gebe zu, dass ich das mit den Frauen im 2. Kreuzzug vorher nicht wusste und sich durch meine Recherche mein Weltbild etwas geändert hat.
    Das beste Argument gegen die regelmäßige Teilnahme von Frauen in Kriegen damals ist folgendes: Salopp formuliert waren Frauen, vor allem die nichtadligen, einfach viel zu beschäftigt damit, Kinder zu bekommen (und zu versorgen). Im Mittelalter bekam eine Frau im Schnitt sechs Kinder.

    Nun zu Vávras T-Shirt:
    Sicherlich sollte man sich überlegen, ob man ein solches T-Shirt anziehen sollte. Ich würde es vermutlich nicht tun. (Ist Burzum nicht „Dunkelheit“ in der Sprache von Mordor? Ich könnte mir vorstellen, dass ich als Tolkien-Fan das T-Shirt deswegen getragen hätte, ohne von der Band gehört zu haben.)
    „Schließlich bewirbt Vávra durch das Tragen des „Burzum“-Shirts (mindestens) Vikernes‘ Liedtexte, wohl aber auch das, wofür Vikernes als Person steht.“
    Nicht unbedingt. Meiner Frau z.B. sind Liedtexte sehr wichtig, während ich fast ausschließlich auf die Melodie achte. Ich will die musikalische Qualität von Burzum hier nicht beurteilen. Aber nur weil Wagner Antisemit war, muss man nicht seine Musik verbannen. Und selbst wenn seine Texte menschenverachtend wären, fände ich die Melodien trotzdem gut und würde sie unter der Dusche trällern. Noten sind unpolitisch.

    Wenn ich an dieser Stelle mal kurz gegen „die Linken“ austeilen darf: Als der Flüchtling Diaa aus der umstrittenen KiKa-Doku die Facebook-Seite des Salafisten Vogel geliked hat, haben „linke“ Zeitungen nicht darüber berichtet, z.B. Bild und welt online hingegen schon. Auch wenn Diaa natürlich Gelegenheit zur Verteidigung (hier: wollte angeblich an Gewinnspiel teilnehmen) gegeben werden muss, finde ich es problematisch, wenn man auf dem einen Auge blind ist, aber beim politischen Feind (wie Vávra) die Unschuldsvermutung sofort fallenlässt und verurteilt.

    Zu guter Letzt:

    „Vielleicht alles nur arme kleine beleidigte Jungs, denen niemand wirklich zuhört, was sie Tolles zu sagen haben, die selber aber auch keiner*m zuhören mögen, die*der diese Ideen hinterfragt. [20]“

    Eine ad-hominem-Attacke gegen sämtliche Mitarbeiter, oh weh. Bei so einem Diskussionsstil muss man sich nicht wundern, wenn die andere Seite auf Durchzug schaltet. Da hilft das ‚vielleicht‘ auch nicht mehr viel.
    Nebenbei bemerkt ist dies ein Grundproblem der „Linken“: wer eine abweichende Meinung hat, ist automatisch ungebildet, von Demagogen fehlgeleitet, unfähig zu reflektieren, oder einfach ungeliebt, wie in einem bekannten Ärzte-Song. Ich fürchte, man macht es sich so zu einfach.

    Ich hoffe, ich konnte Dir etwas verständlicher machen, warum ich eher auf der Seite der Menschen stehe, die sich Böhmen 1400 „weiß“ vorstellen.

    Viele Grüße
    Markus Blumenstock

    [1]
    https://www.britannica.com/biography/Wenceslas-I-king-of-Bohemia

  2. Hm…… warum muss ich denn bitte dringlichst überall nichtkaukasische Charaktere in Spielen
    einfügen?

    Nehmen wir mal Mass Effect als Beispiel… In einem SF-Setting, das in einer Zeit Spielt, in der es keine Nationalstaaten mehr, sondern nur noch die Erde gibt. Hier hätte ich deinen Vorwurf verstanden. Hier hätte ich mich sehr gewundert in so einem entwurf der Zukunft KEINEN asiatischen oder afrikanischen zu sehen.(Das würde einen gewissen Spielraum für Spekulatius lassen). Das wäre quasi jetzt deine Kerbe, wo du mit deiner Kritik reinhauen wolltest.
    Wenn ich das also recht verstehe nervt dich das Setting(ist das einzige, das noch bleibt) und du wirfst Daniel Vavra vor, dass er ein Mitteralterliches Non-Phantasy-Setting gewählt hat?(Betonung auf Non-Phantasy)
    Sowas hat aber dann auch en lehrwert, wenn man plötzlich einen Kontrast zu unserer gesellschaftlichen Entwicklung sieht.

    Gegenfrage, gibt es denn historische hinweise darauf, dass es eine (vermute am wahrscheinlichsten, weil Christen) äthiopische Gemeinde im Böhmen des 15. Jahrhunderts gab?
    Oder gibt es denn Belege für die Präsenz der Tataren oder der Goldenen Horde in Böhmen? Wenn ja, wären die für die Story von Kingdom Come wichtig gewesen? Ich vermute mal, es wäre ja nicht ganz opti, die Goldene Horde als den Feind dar zu stellen oder?

    Zu guter letzt kann ich nur nachschieben, dieser Martin Lawrence Meme von Vavra war genau die richtige Antwort auf die unbegründete Kritik.

    Hoffe du wirst mir auf meine Fragen antworten, falls nicht ist auch nicht schlimm. Aber du solltst dir bewusst sein, dass ich mir dann denke, dass du dir keine weiteren Gedanken gemacht hast und ich dann auch denke dass dein beitrag eher Populismus und Stimmungsmache ist. Gegen was oder wen, sein mal dahin gestellt.

    MFG der Gerhard.

  3. Sie benutzen lauter Assoziationen als Beleg für die reaktionäre Gesinnung von Daniel Vávra, die sich einzeln betrachtet alle als substanzlos präsentieren.
    Was hat denn ein geliktes Youtube-Video über Ausserirdische Zivilisationen für eine Aussagekraft hinsichtlich rechter Gesinnung? Die Thematik führt in Kreise rechter Verschwörungstheoretiker, was allerdings keinenfalls belegt, dass alle Fans dieses Videos ebenfalls solchen Kreisen angehören. Darüber hinaus ist ein „like“ nur ein sehr bedingtes Bekenntnis zu den Video Inhalten.
    Oder ein T-Shirt einer umstrittenen Band zu tragen. Das beweist in keiner Weise, dass der Träger sich mit rechten Ideologien identifiziert und das insbesondere in der Metalszene, die eine riesige Debatte über Gewalt, Symbolik, Okkultismus ect. inne hat.
    Ich möchte nicht jede Einzelne Behauptung auseinander nehmen, aber insgesamt zeichnet sich leider das Bild, dass man es hier mit dem plumpen Versuch zu tun hat, bewaffnet mit Gender- und Sozial-wissenschaftssezierbesteck die Macher von Kingdom Come: Deliverance zu diskreditieren. Hierbei wird sogar eine Studentin, die allen ernstes im Bereich Geschichtsforschung über Skyrim promoviert als Gegenposition bemüht. Ist das nicht ein bisschen dünn im Vergleich zu der Recherche Arbeit die in Kingdom Come steckt?

    Man kann sehr wohl kritisch über die Darstellung historischer Ereignisse im Spiel reden, diese Kritik bleibt aber hier auch aus. Stattdessen wird der mangelnde Bezug zu modernen Themen herausgestrichen. Dazu soll gesagt sein, dass die Charaktere im Spiel aus ihrer Zeit heraus agieren und nicht Repräsentanten eines kritisch links liberalen Intellektuellen im mittelalterlichen Gewand sind. Das wird einem leider oft in historischen Filmen wie der Wanderhure untergejubelt, in denen alle Hauptcharaktere im Grunde genommen moderne Einstellungen haben und gegen die mittelalterlichen Wertvorstellungen kämpfen, denen sie sich nicht verbunden fühlen. Realistische und ernstzunehmende Darstellung? Fehlanzeige. In die gleiche Sparte fällt auch das „white painting“ in amerikanischen Produktionen, wo schon mal John Wayne als Dschinghis Khan oder kürzlich Christian Bale als Moses gecastet werden. Genauso wie diese kaukasischen Besetzungen die Rollen ins Lächerliche ziehen, sehe ich den Auftritt von Frauenrechtlern oder Vertretern religiöser Toleranz im Spätmittelalter.

  4. […] Die Diskussion um die Abbildung historischer Settings in digitalen Spielen verdichtete sich im Februar 2018 um das im spätmittelalterlichen Böhmen angesiedelte Rollenspiel „Kingdom Come: Deliverance“. Angekündigt als das „authentischste Historienspiel aller Zeiten“, wurde es genau an diesem Versprechen gemessen und der Frage nachgegangen, inwieweit ein mediales Werk überhaupt historisch korrekt sein kann oder stets das Bild des Entwicklerteams repräsentiere. […]

  5. Schade, dass Spiel wollte ich echt spielen, lasse ich jetzt lieber bleiben. Offensichtlich vertritt Vavra Ansichten, die einfach wiederlich sind. Burzum geht garnicht klar, an der Stelle ist direkt Ende! Varg hat mit der Popularität die er als Nazi und mit seinen Verbrechen erlangt hat, riesengroßen Schaden über die Matel-Gemeinde gebracht. Da gibts nix zu diskutieren, diese Fetzen trägt man nicht ohne die entsprechenden menschenfeindliche Einstellung. Die Story ist jedem älteren Fan auch bekannt.

    Aber das reicht ja nicht. Varva vertritt scheinbar die Ansichten der Alt-Right oder Identitäten Bewegung (Kubitschek und Spießgesellen), die Verbindungen der IB nach Tschechien bestehen. Kingdom come D. passt wie geschneidert da rein. Verteidiger des christlichen Abendlandes mit flammenden Hintergrund, natürlich alles nur ordentlich weiß. All dies sind zugegeben, nur Indizien, aber es ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild für den äußeren Betrachter. Twitter und Interviews mit Breitbart plus der Heroismus des weißen Mannes (zu Ungunsten der Frau) runden die Kanten ab.
    Wenn Politik keine Rolle spielen sollen in einem Spiel, dann ist dort Ende wo der Entwickler Burzum trägt, um es mal zu überspitzen. Das ist ein deutliches Zeichen für eine politische Ausrichtung (oder absolute „Unbekümmertheit“, aber nur wenn der Rattenschwanz an Rest hier nicht wäre) und die beeinflusst immer kreatives Schaffen.
    Danke für den guten Beitrag. Ich hätte mir noch mehr Infos zu der Initiative der PoC in Middelages gewünscht. Ich werde mich an der Stelle selbst schlauer machen.
    Lg Phil

    1. „Verteidiger des christlichen Abendlandes mit flammenden Hintergrund, natürlich alles nur ordentlich weiß.“
      Wie bitte? Die Christen schlagen sich hier ganz schön gegenseitig die Schädel ein. Hintergrund ist die Übernahme der böhmischen Krone durch Sigismund von Luxemburg.

  6. Ich wollte mal sehen, welcher Blog die bekannte Debatte ausgelöst haben soll. Und es ist erstaunlich, dass jemand, der so darauf erpicht ist, sich auf Fakten zu fokussieren, so vehement versucht, seine Vermutungen als solche zu präsentieren. Auf mich wirkt es tatsächlich so, als würde jemand mit allen Mitteln versuchen, nach Hinweisen zu suchen, die die eigene vorgefasste Meinung untermauern könnten. So wird häufig eine Debatte ausgelöst, die nicht rein auf Fakten fußt, sondern stark auf Vermutungen. Oder was genau hat es mit dem Thema zu tun, wenn jemand an eine sogenannte Verschwörungstheorie glaubt, außer man möchte diesen Menschen mit allen Mitteln negativ darstellen? Oder dass er abstruse Metalmusik hört? Na und? Solche „Fakten“, Herr Historiker, sind in meinen Augen eher Vermutungen und Schlussfolgerungen Ihrerseits.
    In meinen Augen zeigt mir das alles schon, dass es hier eher nicht um eine neutrale Darlegung von Fakten geht. Das reicht mir völlig, um zu erkennen, worauf sich die Debatte stützt. Ihr letzter Satz zeigt ja deutlich, worum es Ihnen eigentlich geht. Es ist etwas Persönliches. Da berufe ich mich lieber auf Quellen, die mich wirklich überzeugen.

  7. Gibt es irgendein Indiz dafür , das schwarze Menschen im Böhmen des 15 Jh. Gelebt haben und in die Normalbevölkerung integriert waren? Das es nicht absolut unmöglich ist das es das gab ist nicht mal im Ansatz ein wissenschaftlicher Beweis.

    Ferner denke ich nicht das sich irgendjemand dafür rechtfertigen muss ob er POC in ein Spiel integriert. Die Sozialstruktur in einer virtuellen Welt zu designen fällt unter die künstlerische Freiheit. Der Grund das ein Teil der Gaming Szene so austickt ist doch weil ihr eure linken Vorstellungen von diversity anderen aufdrängen wollt und der Nazi Vorwurf recht locker sitzt sobald man sich dem verweigert.

    Besonders primitiv ist das viele von euch in ihren Wahn mit nahezu jeder Darstellung von schwarzen unzufrieden seid. Schwarze Bösewicht sind rassistich, Schwarze Helden sind Onkel Tom Figuren. Schwarze Passanten sind marginalisiert. Ein schwarzer Schamane ist kulturelle Aneignung oder ein kulturelles Klischee.

    Programmiert dich einfach eure eigenen Spiele nach eurem Vorstellungen. Oh ich vergaß das haben Politologen, Soziologen, Ethnologen und Historiker ja nicht drauf.

    Übrigens ist die Tatsache das die Medien deine Sicht der Dinge und deine Kritik die sich letztendlich am zugegeben geschmacklosen Shirt eines von mehreren Entwicklern entlädt ein Lügenpresse vorwurf von Links?

  8. Ich verstehe und spreche ziemlich gut Deutsch, aber wenn ich schreibe, geht es sehr langsam, oder mit viele Fehler, also auf tschechisch schnell und ohne Fehler:) Meine Grosseltern noch doppelsprächig waren, ich bin zu faul 15 Jahre nach Abitur etwas kompliziertes auf Deutsch zu schreiben. Entschuldigung, use google translate please…
    Pane Heinemanne, děkuji za jistě upřímně myšlený rozbor vašich postojů k poněkud excentrickému šéfovi studia Warhorse Danielu Vávrovi. Mám ale takový pocit, že stojí o podobnou konfrontaci a vychutnává si její absurditu, je to součást jeho PR. Jinak ke hře samotné. Jsem varhanář a starám se v onom malebném koutu středních Čech u řeky Sázavy o varhany, ano Skalice, Rovné, Rataje, Talmberk, Úžice, Sázava jsou místa, kde to mám opravdu rád tak jsem se okamžitě vrhnul na sledování všech možných informací o hře. Hned v úvodní pasáži byla menší šarvátka na českoněmecké téma, která mi připadala poněkud křečovitá, ale budiž, celkem neškodný popis lidské blbosti. Počin studia Warhorse mne nadchnul, protože vidím, že oni v tom kraji cítí to samé co já, tedy historii dýchající z každého šutru, je to prostě hodně starý a opravdu český kraj, kde v každé vesnici je nějaká středověká památka, každá cesta je tu trasovaná už před stovkami let a krajina je velmi členitá a líbezná. Hra je umístěna do neklidného období, které bylo jen jakousi předehrou k daleko horší katastrofě, husitským válkám, Češi si v těchto válkách uškodili zhruba tak jako Němci v první polovině 20. století. Míra sebedestrukce a ideologického poblouznění byla neuvěřitelná. Tady je ale jen taková předehra v režii potomků Karla IV. Fakt, že války vedou hlavně muži a že boj je ve hře KCD důležitou složkou jaksi determinuje její svět. Proč ale vyzývat k jejímu bojkotu? Proč vylévat vaničku i s dítětěm? Proč chtít pluralismus světů v jedné hře? Mám nemít rád Richarda Wagnera, protože ignoruje slovanská božstva? Mám kritizovat Leoše Janáčka, že je v opeře Jenůfa životu nebezpečná zápletka? Mám se snažit vytvářet nějakého nového člověka silou? Co je to za blbosti, já prostě vídím dobro a zlo a příběhy, kde jeho aktéři prožívají těžká dilemata a dělají rozhodnutí vedoucí ke katastrofě, mají patřit do povědomí myslících lidí. Mám pocit, že i hra KCD učí člověka přemýšlet a je to dobře. Mám jen teď obavy, že teď v létě přijede do Posázaví milión hráčů KCD i s rodinami na výlet a ukradnou tomuto zapomenutému koutu středních Čech část jeho kouzla.
    Pokud jde o téma sexismu, lépe než kritizovat nějakou poměrně kvalitní zábavu v podobě počítačové hry, připadá mi daleko zajímavější rozebrat pro německého konzumenta příběh českého pohraničí po roce 1990. Tam se děly a dodnes dějí v menší míře věci, na které běžný český občan jen nevěřícně zíral a pak už se jen, jak je jeho dobrým zvykem, smál. Policie nezasahovala, protože byla doba svobody, nikdo přece nebude někoho buzerovat, že stojí u silnice, to tady bylo za vlády jedné strany. Poptávka ze strany německých mužů byla neuvěřitelná a různá individua, která se vyrojila kdoví odkud, rozjela svůj byznys. Byla na toto téma již vypracována v rámci současné hyperkorektnosti nějaká sociologickosexuologická monografie??? Ich danke allen freundlichen Lesern!

  9. […] Der überwältigende historische Eindruck solch lebensweltlich glaubhafter, automatisierter Umgebungen birgt gewiss auch Risiken. ->Jan Heineman löste durch einen detaillierten Blogbeitrag eine heftige spielekulturelle Kontroverse aus, weil er sich um den Einfluss des rechtnationalen Gedankengut von Lead Designer Daniel Vávra auf das Mittelalterbild des Spieles sorgte. Anders formuliert, sorgte er für ein reinigendes Gewitter, denn die bislang verbreitete Haltung von Spielejournalisten, digitale Spiele seien quasi ideologiefrei, offenbarte sich dadurch als unhaltbar. Im Kern ging es um die Frage, ob Vávra versuche, mit dem Mythos vom weißhäutigen europäischen Mittalter seine Vorstellungen eines tschechischen Nationalmythos zu befeuern. […]

  10. Gestatten Sie eine Frage: Wer und wo waren die farbigen Einwohner Böhmens, die in Kingdom Come nicht berücksichtigt sind? Ich bitte um klare Quellenangaben.

    Im übrigen. Der Entwickler des Spiels hat Ansichten und Meinungen. Die habe ich auch. Heißt das jetzt, dass ich nur dann etwas publizieren darf, wenn meine Ansichten und Meinungen Ihren Vorstellungen von dem entsprechen, was KORREKTE Ansichten und Meinungen sind?

    Noch eine Anmerkung zum Schluss. Vor vielen Jahren (vermutlich waren Sie da noch gar nicht geboren) habe ich im Radio eine Geschichte gehört, die sich leider nicht mehr nachprüfen lässt. Im mittleren 18. Jahrhundert (achtzehntes! Jahrhundert!) hatte ein Wiener Aristokrat einen schwarzen Diener, den er irgendwo im Ausland bei einer diplomatischen Mission geschenkt bekommen hatte. Der Diener war eine große Publikumsattraktion, und als er nach vielen Jahren starb, verfügte Kaiser Joseph II , dass er (der schwarze Diener) ausgestopft und in einem Raritätenkabinett ausgestellt werden sollte — was auch geschah. Erst Jahrzehnte später, als allmählich bekannt wurde, dass schwarze Menschen keine absolute Rarität sind, ließ das ausstellende Museum die Mumie diskret verschwinden

    1. Die Geschichte ist zu 95% war, Fakt ist das der „Hausneger“ im 18. Jahrhundert eine Modewelle unter den Aristokraten war und man solche als Kuriosum an vielen europäischen Höfen fand.

      Die Rolle des besagten Mannes ist aber komplizierter. Ich denke sie beziehen sich hier auf Angelo Soliman der keineswegs ein einfacher Diener war sondern, vor allem in Wien, einiges Ansehen genoss. Von Publikumsattraktion kann hier eigentlich nicht die Rede sein.

      Die „Ausstopfung“ geschah nicht deswegen weil der Kaiser ihn so sehr schätzte sondern weil er der Wiener High Society eins auswischen wollte. Aber hier bewegen wir uns im Fahrwasser der Spekulation. Kein Historiker kann mit Sicherheit sagen was sich der Kaiser damals wirklich bei der Nummer dachte.

      Was den Leichnam selbst betrifft: Der wurde nicht diskret entfernt sondern wurde Opfer eines Brandes. Soviel zum Genierer den wir damals hatten. Wenn der Brand nicht passiert wäre, wäre er wahrscheinlich dort gestanden bis irgendwann 1960. Da haben wir die phrenologische Abteilung dichtgemacht.

    2. Wie schon an anderer Stelle gesagt, es wird für beide Positionen schwerlich endgültige Beweise geben. Der Forschungsstand ist aber soweit, dass es durchaus möglich war, POC auch Abseits der Hauptstädte und Adelshöfe anzutreffen. Was ich in diesem Zusammenhang für sinnvoll gehalten hätte und auch künftig für sinnvoll halte, dass die Entwickler*innen, wenn sie sich für eine bestimmte Geschichtsinterpretation entscheiden, diese Entscheidung transparent machen und darauf hinweisen, dass es auch mögliche andere Deutungen gibt – anstatt vermeintliche historische Wahrheiten zu postulieren. Bei KCD wäre der Kodex ein geeigneter Ort dafür gewesen. Leider werden aber auch dort längst überholte Geschichtsstereotype des 18./19. Jhd. reproduziert, wenn man sich bspw. die Beschreibung der Rolle der Frau anschaut.

      Nein, aber auch Sie müssen sich kritisieren lassen. So wie auch ich mich hier kritisieren lasse. Wie soll eine plurale demokratische Zivilgesellschaft ohne Kritik funktionieren?

      Zur letzten Anmerkung: Der Forschungsstand ist mittlerweile etwas weiter.

  11. Man muss zunächst einmal Vavras Einstellungen, die im übrigen von der Gamingpresse durchauss seit Jahren diskutiert werden, wenn sich dazu Anlass bietet – einen Artikel von 2015 hast Du selbst verlinkt, von der Authentizität bzw. Repräsentativität der dargestellten Welt trennen. Dass das eine das andere beeinflusst haben kann, ist unbenommen, andererseits finden bekannterweise auch blinde Hühner Körner. Deswegen können wir uns die Darstellung durchaus auch getrennt anschauen.
    Und da ergibt sich ein ganz gravierendes Problem mit den verlinkten Webseiten – sie sind in weiten Teilen nicht minder selektiv und/oder verzerrend in ihrer Wahrnehmung bzw. Wiedergabe. Und das in einem Ausmaß, dass es zum Teil schon bedenklich ist, dass derartiges von Akademikern produziert wird.
    In einem Fall, wo es um die Darstellung von Farbigen durch böhmische Künstler geht, wird als Beleg die bildliche Darstellung einer Szene, die in Äthiopien angesiedelt ist, aufgeführt (Matthäus missoniert in Afrika). Was soll das belegen ausser, dass dem Künstler bekannt war, dass in Afrika Menschen dunkler Hautfarbe leben? Über die Bevölkerung Böhmens zu der Zeit sagt es reichlich wenig aus. Und das führt uns zu dem Problem der anderen Seiten: Hier wird ganz grundsätzliches Handwerkszeug der wissenschaftlichen Analyse, nämlich statistische Betrachtungen, komplett ausgeblendet. Gab es farbige Personen in Europa zu der Zeit? Ja, ohne Zweifel. Kann ich aus der Nichtdarstellung solcher Personen irgendwelche Rückschlüsse ziehen? Nur bedingt: Nämlich dann, wenn wir z.B. wissen, dass zum Hofstaat einer bestimmten Person eine Anzahl farbiger Personen gehörte, diese aber nicht dargestellt wurden. Denn dann ist das Verhältnis der Stichprobe zur Gesamtmenge evtl. so groß, dass man mit großer Wahrscheinlichkeit diese Menschen auch sehen müsste. Wenn ich aber eine zufällige Probe aus der Gesamtbevölkerung jener Zeit ziehe, dann wären Menschen mit auffälliger Hautfarbe vermutlich nur in einem kleinen Teil solcher Stichproben zu finden gewesen. Deswegen kann aus der Nichtdarstellung solcher Personen innerhalb einer bestimmten Stichprobe kein valider Rückschluss gezogen werden, ob hier bewusst ausgeschlossen wurde. Derartige Vorwürfe können sich rein auf die Aussagen Vavras stützen – der Vorwurf an das Spiel selbst ist eher ein Schrei nach ausgleichender Überrepräsentierung.

  12. Ich finde Ihren Artikel grotesk. Unabhängig davon ob Herr Vavra rechtradikal ist oder nicht, denn das können Sie genauso wenig beurteilen wie ich. Sie durchstöbern in stundenlanger Akribie seine Profile um ein Bild von ihm in der Öffentlichkeit zu zeichnen welches Ihnen genehm ist. Ist ihr Hass so groß? Und warum? Weil Sie denken das er ein Rassist ist? Das halte ich nebenbei gar nicht für ausgeschlossen aber solange ich das nicht mit Sicherheit weiß würde ich ihm das nicht ans Bein binden.

    Wenn Sie etwas gegen Rassismus tun wollen oder für ausgegrenzte Minderheiten: Betätigen Sie sich ehrenamtlich. Gehen Sie zur Diakonie und helfen Sie Flüchtlingen. Tun Sie lokalpolitisch etwas. Es gibt mehr als genug Möglichkeiten die Welt besser zu machen. Rassismus in einem Computerspiel zu bekämpfen ist ähnlich effizient wie zu versuchen den Welthunger in einer Civilization-Runde zu beseitigen.

    Aber in der echten Welt etwas zu tun ist sooo anstrengend stimmts? Ich bewundere Menschen die diesen Biss und dieses Engagement haben und damit wirklich bessere Menschen als ich sind. Ich habe für mich nie beansprucht ein moralisches Leuchtsignal zu sein. Ich würde aber nie auf andere Menschen zeigen und sagen: „Sie sind menschlicher Abschaum!“ Dieses Recht steht mir nicht zu. Ihnen im Übrigen auch nicht. Es ist einfach sich vom Sessel aus über Missstände (in Ihrem Fall eingebildete) zu empören und sich dann selber auf die Schulter zu klopfen was für ein edler, toller und weltoffener Mensch man doch ist.

    Mit was haben Sie eigentlich diesen Post verfasst? Besitzen Sie ein Smartphone und wenn ja von welchem Hersteller? Die meisten sind Sklavenbuden. Welche Kleidung tragen Sie? Finden Sie nicht auch dass das ganze ziemlich scheinheilig ist? Würden Sie an alle Produkte die selben hohen Maßstäbe anlegen wie an Computerspiele und Musik müssten Sie ihr Konsumverhalten mit ziemlicher Sicherheit radikal ändern. Wo arbeiten Sie? Wie sieht denn da die Bezahlungen von Frauen aus? Gehen Sie zu Ihren Vorgesetzten und kämpfen Sie dort für die Rechte der Frauen wenn Sie ihnen doch so wichtig sind! Essen Sie Fleisch? Wenn ja: Achten Sie darauf dass das Tier artgerecht gehalten wurde?

    Nur um es klar zu sagen: Ich werfe Ihnen ihr Konsumverhalten nicht vor. Mein Handy und mein Tablet ist von Apple, meine Klamotten wahrscheinlich zu 80% Kinderarbeit und an mich überteuert verkauft. Aber ich habe mir nie selber in die Tasche gelogen das ich ein ach so guter Mensch bin weil ich irgendwann einmal 5 Zeilen gegen Rassismus geschrieben habe.

    Abschließend möchte Ich Ihnen noch etwas ans Herz legen was Sie, trotz angeblichem Geschichtsstudium, anscheinend nicht behirnt haben: Das Mittelalter war rassistisch, sexistisch und einfach insgesamt keine besonders schöne Zeit. Der Großteil aller Historiker vertritt die Meinung das Frauen um 1400 rum hauptsächlich zum Kinder gebären da waren und es Schwarze hauptsächlich als gelegentliches Kuriosum am Hof eines exzentrischen Fürsten gab. Die restlichen Meinungen an die sie sich klammern wie ein Ertrinkender sind Schriften über Sonderfälle die man durchaus auch lesen sollte um ein umfassendes Bild zu bekommen. Aber sie spiegeln nicht den Regelfall wider. Das römische Reich war hier kulturell wesentlich weiter aber so wie ich die Vergangenheit nicht ändern kann, können Sie das auch nicht.

    Wir können daraus lernen und etwas tun damit dieses Gedankengut nicht wieder dominant wird. Aber diesen Kampf werden Sie nicht im Internet und schon gar nicht um ein Computerspiel gewinnen.

    1. Ich engagiere mich seit Jahren ehrenamtlich und lokalpolitisch und kritisiere viele der von Ihnen aufgeführten Umstände.
      Trotzdem oder gerade deswegen halte ich Ihre Argumentation für unsinnig.

      Sie sollten sich sich in Sachen Forschungsstand zum Mittelalter einmal auf den neusten Stand bringen.

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