Das „authentischste“ Historienspiel aller Zeiten?! Die gewaltige Schräglage von „Kingdom Come: Deliverance“

Der 13. Februar lässt das Herz von Historygamer*innen und Mittelalterfans höher schlagen. Heute in einem Monat erscheint das vermeintlich „realistischste“ Historienspiel, das jemals über digitale Bildschirme flimmerte. Doch das Spiel hat ein massives Problem: seine „Macher“.

Die „realistischste“ Mittelaltersimulation ever!!!1!elf

Seit dem Start der Crowdfunding-Kampagne 2014 wird Kingdom Come: Deliverance von Fans und Gamingpresse als authentischstes Historygame seit Langem, wenn nicht überhaupt, gefeiert. Wie Skyrim, nur schöner und ohne Drachen. Mit dem realistischsten Kampfsystem, das ein Spiel jemals hatte. [1] Die Spielfigur muss essen, trinken und schlafen und wird bei häufiger Nutzung der Schnellspeicherfunktion betrunken. Eine „realistische Mittelalter-Simulation“, die gar „schöner als die Realität“ sei. [2] Das Spiel ist angeblich sogar „So Historically Accurate Historians Are Consulting The Dev Team“ [3]. Und auch die Entwickler*innen halten sich mit derartigen Zuschreibungen natürlich nicht zurück. Auf der Homepage des Spiels wird „Realism“ als wichtigstes Gamefeature genannt.

Zugegeben: Das Spiel sieht dank der CryEngine wirklich schick aus. Die komplexe Interaktionsmechanik des Spiels, auf deren Grundlage KI-Charaktere auf Entscheidungen des Spielers und Situationen in der Spielwelt reagieren scheint wegweisend zu sein. Vor allem, dass Fantasy-Elemente gänzlich fehlen, reizt auch mich. Realistisch ist es deswegen aber noch lange nicht.

Der irrige Traum von historischer Wahrhaftigkeit

Ich kann bei diesem Authentizitäts-Taumel nur den Kopf schütteln. Vor allem, weil er in der Regel fernab aller geschichtswissenschaftlichen Forschungsergebnisse oder -diskussionen verläuft, sondern sich stattdessen auf verbreitete Vorstellungen von Geschichte stützt, die als absolute Wahrheit gesetzt werden. Debatten um die Authentizität der Geschichtsdarstellung in digitalen Spielen, Filmen oder anderen Medien führen darum häufig unmittelbar zu energisch geführten Identitätsdebatten. [4] Multiperspektivität und Widersprüche werden von den Teilnehmer*innen schnell als Angriff auf die eigene nationale, sexuelle, ethnische oder sonst irgendeine Identität gewertet.

Interessanterweise ist dieses Phänomen bei Kingdom Come: Deliverance so deutlich wie selten an ganz prominenter Stelle zu beobachten. Doch dazu kommen wir noch.

Sorry für den Immersionskiller, aber die Vorstellung, dass Schwertkämpfe im hochmittelalterlichen Böhmen oder sonst wo nach den Regeln des Talhoffer Fechtbuches, einem Handbuch der Fechtkunst, ausgetragen wurden, ist doch reichlich amüsant. Dass Veränderung des Geländes (Schrumpfung) für kürzere Wege von Dorf zu Dorf vorgenommen wurden, ein Großteil der dargestellten historischen Gebäude gar nicht und über die Feldzüge Sigismunds nach Böhmen kaum etwas überliefert ist, das dürfte bekannt sein. Aber das ist okay. Denn in Wahrheit will kein Mensch ein realistisches Spiel spielen! Es würde schlicht keinen Spaß machen. [5] Es muss sich nur gut anfühlen, glaubhaft sein. So muss auch Tobias Stolz-Zwilling, der PR-Manager von Warhorse Studios, feststellen: „Man wird niemals ein absolut realistisches Spiel machen können. Es ist nicht einmal eine mittelalterliche Simulation. Es ist ’nur ein Spiel‘ und wir verstehen das.“ [6]

Eines ist klar: Jedes Werk (so auch jedes Spiel) sagt nichts über die historische Wirklichkeit aus, die es abzubilden behauptet, aber alles darüber, wie seine Autor*innen oder Entwickler*innen diese sehen – oder sehen wollen.

Er(n)ste Bedenken und das Schweigen der Gamingpresse

Daniel Vávra bei Game Two auf der gamescon 2017 (YouTube)

Alles beginnt mit Daniel Vávra. Als Entwickler war er an der Produktion von Mafia: The City of Lost Heaven und Mafia II beteiligt. 2011 gründete er Warhorse Studios, wo er seither als Lead Designer an Kingdom Come: Deliverance arbeitet. Doch Vávra ist eine zwielichtige Erscheinung.

Im deutschsprachigen Raum gab es erstmals im Kontext der Gamescom 2017, als der Entwickler bei einem Gespräch mit Game Two (ein YouTube-Format von funk, also in Trägerschaft von ARD und ZDF, in dem u.a. die Rocket Beans als Redakteur*innen auftreten) ein T-Shirt der Band „Burzum“ trug, eine sehr begrenzte Debatte über dessen politische Einstellungen. [7] In Reaktion auf die Hinweise der Zuschauer*innen prüfte funk dann Vávras Twitter Account, entschied sich jedoch dafür, das Video unverändert online zu belassen: „Damit ergreifen wir weder Partei für Daniel Vávra geschweige denn für Burzum. Aber der Sachverhalt ist zu komplex, um basierend auf etwaiger Antipathie ein Spielestudio mit unserem Boykott zu strafen. Das obligt dann den Käuferinnen und Käufern.“ [8]

Tja, leider doch. Ich komme später wieder darauf zurück.

Geschichtsdeutung als nationales Vorrecht

Eine intensivere Recherche wäre sinnvoll gewesen. Wobei diese eigentlich gar nicht nötig ist. Die Suchmaschinen bewerfen eine*n quasi mit eindeutigen „Hinweisen“. Schauen wir uns ein Mal systematisch um.

Auf Vávras YouTube-Account wird schnell klar, wo die Präferenzen des Entwicklers liegen: Ihm gefallen hauptsächlich abstruse Metal-Videos, noch abstrusere historische Verschwörungstheorien über „unterirdische Zivilisationen“, sowie Videos, in denen Verstöße gegen Genderrichtlinien gefeiert werden oder „white supremacy“ als Mythos bezeichnet und als gesellschaftliches Phänomen in Abrede gestellt wird.

Und auch bei Twitter scheint die ideologische Prägung Vávras immer wieder durch. Offenbar hat funk sich nicht die Mühe gemacht, hier genauer hinzuschauen. 2015 beispielsweise reagierte Vávra auf ein Witcher 3 Review von Arthur Gies auf Polygon, in dem jener konstatierte: „in my 70+ hours spent within it, I don’t recall a single non-white humanoid anywhere — not in Skellige, Novograd, Oxenfurt or anywhere else. Once I realized this I couldn’t stop looking for any example of a person of color anywhere, and I never found it, unless you count naked monster women sitting at the feet of a boss like a slightly more awkward tribute to a Frank Frazetta painting“. [9] Vávra empörte sich, ob Europäer*innen denn kein Recht auf ihre eigene Geschichte hätten.

Bereits in dieser Frage impliziert der Entwickler ein eurozentristisches und gleichsam rassistisches, weil exklusiv „weiß“ gedachtes Geschichtsbild. Im Laufe der Diskussion brachte er diese Überzeugung immer deutlicher zum Ausdruck:

Schließlich begründete er seine Position mit einer nationalistischen Haltung mit anti-imperialistischem Reflex. Er sei schließlich in der fraglichen Region geboren, darum wisse er über die Geschichte der Region, die er als seine Geschichte zu empfinden scheint, doch mehr als irgendwelche dahergelaufenen Historiker*innen. Die Deutungshoheit über Geschichte wird in seiner Vorstellung zum Geburtsrecht. Entgegen allen historischen Befunden.

Schon früher war Vávra durch rassistische Ausfälle aufgefallen. Das tumblr-Blog People of Color in Medieval European Art History, das von einer Geschichtsaktivistin betrieben wird, die sich zum Ziel gesetzt hat, dem verbreiteten Bild vom „weißen Mittelalter“ mit wissenschaftlichen Fakten entgegen zu treten, hatte sich mit dem Umstand beschäftigt, dass es in Kingdom Come: Deliverance keine nicht-weißen Menschen geben wird. [10] Diese Beiträge haben eine gewisse Aufmerksamkeit erhalten, nachdem The Daily Dot [11], Kotaku [12] und vor kurzem PacificStandard [13] berichteten.

Vávras Reaktion:

Von GamerGate…

Aufmerksamkeit erntete People of Color in Medieval European Art History aber vor allem von einer Seite: Das Postfach der Historikerin wurde von Hassmails geflutet. Die selbsternannte „Bewegung“ GamerGate stand mit Fackeln und Forken vor der Tür und rannte Sturm gegen die so genannten „Social Justice Warriors“ („SJW“). GamerGate, das sind jene, die sich zu einem Kreuzzug gegen die von ihnen als links-elitär begriffene Spielepresse verschworen haben. Unter Adaption nationalsozialistischer Symbolik und Rhetorik streiten sie gegen Gutmenschentum und Lügenpresse und dafür, in Ruhe den sexistischen, rassistischen, ableistischen und anderen diskriminierenden Darstellungen in digitalen Spielen frönen zu können. Sie sind das PEGIDA der Gaming-Community und spammen unliebsame Berichte mit Hasskommentaren.

Daniel Vávra ist einer von ihnen. Und das sagt er auch ganz öffentlich. In den verschiedenen Interviews, die er GamerGate nahen Blogs wie TechRaptor [14] oder The escapist, aber auch der rechtspopulistischen Medienplattform Breitbart gegeben hat, relativiert er ganz freimütig Sexismus, Rassismus und andere Diskriminierungsformen und vollzieht eine Täter-Opfer-Umkehr, indem er sich und seine künstlerische Freiheit und Redefreiheit als durch den Mainstreamjournalismus bedrängt inszeniert:

Over the last decade, media were taken over by people who think that their ideals, opinions and way of life are superior to others and so they have the mission to tell others how to live, what to think and what to do. Those people have learned that there is a very easy way of manipulating others with guilt and fake goodwill. They will tell you that you should be ashamed, because you are privileged. You are white, you are healthy, you are rich and it’s your fault that there are others who are not as lucky as you. So you must redeem those crimes by doing what those social justice warriors think will please those who are not privileged enough. And if you don’t, they will jump on you and give you a hard time. Nobody wants to be called sexist, misogynistic, rape culture supporter, and everybody kind of agrees that it’s great to help people who were not as lucky as them, so for some time this works.

The problem is that this is not enough. At the same time, these people persuade those that are not so lucky that they are victims. They make enemies out of people.“ [15]

Anlässlich eines Vortrags der Historikerin Victoria Cooper, die eine Dissertation zu „Fantasies of the North: Medievalism and Identity in Skyrim“ [16] vorgelegt hat, und darauf hinweist, dass rechte Aktivist*innen zunehmend historische Felder mit nationalen und rassischen Konstruktionen besetzen und reproduzieren [17] – sprach Vávra mit Breitbart über Kingdom Come: Deliverance: „I am making a game about the history of my country… all of a sudden there are people telling me that I should not make it as it really was, or how I as an author feel it should be, but as it should have been according to their political views.“ Hinsichtlich der bösen Mainstreammedien aka. Lügenpresse freut er sich ganz im Sinne GamerGates darüber, dass „people just found that they are often being manipulated by the media and they also found how to avoid this. Social media like Reddit, YouTube, or various ranking sites are changing the way we get trustworthy information. People are starting to believe collective wisdom of other users more than media, and if media will not change, they will get obsolete very soon.“ [18]

Auch Ondrej Malota, ebenfalls Entwickler bei Warhorse Studios, hat sich im subreddit KotakuInAction als Unterstützer von GamerGate geoutet. [19] Ein*e Schelm*in, welche*r denkt, es könne sich um ein strukturelles Problem bei Warhorse Studios handeln. Auch wenn das wohl nicht auf alle Mitglieder zutrifft. Vielleicht alles nur arme kleine beleidigte Jungs, denen niemand wirklich zuhört, was sie Tolles zu sagen haben, die selber aber auch keiner*m zuhören mögen, die*der diese Ideen hinterfragt. [20]

Kingdom Come: Deliverance wird von GamerGate übrigens auch für seine revisionistische Maskulinität gefeiert: „It is definitely a game for men, about men, set in a time where men were men were men and women appreciated them.“ Schließlich kann Mann in die Rolle eines „hero with options for seducing the local girls“ schlüpfen. [21] Und tatsächlich wird es – entgegen einem früheren Ziel der Kickstarter-Kampagne – nicht die Möglichkeit geben, eine*n nicht-männlichen Charakter*in als Hauptfigur in Kingdom Come: Deliverance zu spielen. Schließlich spielt es ja im Mittelalter, der guten alten Zeit, in der Männer noch Männer sein konnten und sie keine*r ihres patriarchalischen savoir-vivre zu schelten wagte.

… und Neo-Nazis

Zurück zu dem besagten T-Shirt. „Burzum“ ist der Projektname des norwegischen Solo-Metal-Musikers Varg Vikernes, einem Neonazi, der 14 Jahre wegen Mordes und wiederholter Brandstiftung (brannte drei Kirchen nieder) im Gefängnis saß und noch heute über seinen YouTube-Kanal eine paganistisch und nationalsozialistisch inspirierte Blut-und-Boden-Ideologie verbreitet.

Und somit fügt sich ein Bild zusammen, das abgrundtief blicken lässt. Schließlich bewirbt Vávra durch das Tragen des „Burzum“-Shirts (mindestens) Vikernes‘ Liedtexte, wohl aber auch das, wofür Vikernes als Person steht. Hier müssen sich Gamescom und funk eindeutig vorwerfen lassen, tatenlos zugesehen und rechtem Gedankengut (wenn auch indirekt) unkommentiert eine Plattform geboten zu haben. Statt einer kritischen Auseinandersetzung erntete Kingdom Come: Deliverance obendrein noch den Best PC Game Award der Gamescom 2017… [22]

Das alles zu übersehen, gelingt wohl nur, wenn mensch sich die Augen zuhält, wie die Person in der ikonischen Conceptart, die ich oben als Beitragsbild verwende. Warum die Presse und vor allem der Gamingjournalismus bisher kein Wort über diese Verstrickungen der Entwickler*innen von Warhorse Studios verliert, ist mir völlig unverständlich.

Alles „nur ein Spiel“

Warum schweigt die Spielepresse? Ist es Angst vor den GamerGate-Kreuzritter*innen? Ist es die ökonomische Notwendigkeit, ein gehyptes Spiel ebenfalls zu hypen? Oder ist es die mir unbegreifliche Vorstellung, dass die politische Haltung der Entwickler*innen sich nicht in deren Spiel niederschlagen würde?! Doch, das tut sie. Vávra hat es ja immer wieder selbst gesagt, mit jeder Äußerung, mit der er „begründete“, warum es keine nicht-weißen Personen in Kingdom Come: Deliverance geben wird. Ein Spiel ist eben nicht „nur ein Spiel“! Daniel Vávra ist ein Rassist und Sexist mit revisionistischen Geschichtsvorstellungen – und diese Vorstellungen finden Eingang in sein Spiel. Kingdom Come: Deliverance stellt das Mittelalter so dar, wie Vávra es für authentisch hält.

Die Historikerin, die hinter People of Color in Medieval European Art History steht, bringt das Verhältnis zwischen geschichtswissenschaftlichen Erkenntnissen und unreflektierten „Durchschnittsgamer*innen“ auf den Punkt:

None of this is relevant to the point that creators are responsible for what they have created. Game developers are accountable for their choice of setting, what their characters look like, and how they choose to tell a story.

The bottom line is that education is not a cure for racism. Individuals choose what stories they think are interesting, that they believe are worth telling, that are a reflection of themselves and how they see others. It doesn’t matter what I post here when the reader has already made up their mind. People will easily ignore facts and evidence when it opposes their fundamental belief systems.

And society will applaud this when it adheres to the status quo. The belief that ‚there were no people of color back then‘ is so entrenched in Western culture that any assumption that supports it will stand on that premise to the casual onlooker. Based as it is in white entitlement and white supremacy, it will stand against any mountain of evidence to the contrary if the reader is emotionally invested in maintaining those systems.“ [23]

Ich wünsche mir, dass Spielejournalist*innen sich weniger von vermeintlich authentischen Geschichtsdarstellungen in digitalen Spielen blenden ließen und kritischer auf die Darstellung von Geschichte in Spielen schauten, vor allem aber auch die Entwickler*innen kritischer unter die Lupe nähmen, einfach guten Journalismus machten. Denn Spiele sind keine unpolitischen Wohlfühlzonen, wie es die Aktivist*innen von GamerGate gerne hätte, sondern Abbild ihrer Entwickler*innen.

Und schade – Kingdom Come: Deliverance hätte so gut werden können. Aber wohl nur ohne Daniel Vávra als Chefentwickler.

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Alle Hervorhebungen (fett) in Zitaten stammen von mir.

[1] Vgl. bspw. Halley, Dimitry: Kingdom Come: Deliverance – 5 Dinge, die es von anderen Rollenspielen unterscheidet, Gamestar, 01.12.2017 <http://www.gamestar.de/artikel/kingdom-come-deliverance-5-dinge-die-es-von-anderen-rollenspielen-unterscheidet,3322978.html>.

[2] Philipp, Andreas: Kingdom Come: Deliverance. Schöner als die Realität?, Gameswelt, 08.03.2016 <http://www.gameswelt.de/kingdom-come-deliverance/special/schoener-als-die-realitaet,254237>, abgerufen am 11.01.2018.

[3] Peppiatt, Dom: Kingdom Come: Deliverance Is So Historically Accurate Historians Are Consulting The Dev Team, XBOX Achiements, 01.12.2016 <https://www.xboxachievements.com/news/news-25767-Kingdom-Come–Deliverance-Is-So-Historically-Accurate-Historians-Are-Consulting-The-Dev-Team.html>, abgerufen am 11.01.2018.

[4] Vgl. Pfister, Eugen: „Wie es wirklich war.“ – Wider die Authentizitätsdebatte im digitalen Spiel, AKGWDS, 18.05.2017 <http://gespielt.hypotheses.org/1334>, abgerufen am 11.01.2018.

[5] Vgl. Sigl, Rainer: Quickscope: Das Realismus-Problem – Wir wollen gar keine realistischen Spiele!, Gamestar, 01.12.2017 <http://www.gamestar.de/artikel/quickscope-das-realismus-problem-wir-wollen-gar-keine-realistischen-spiele,3323007.html>, abgerufen am 11.01.2018.

[6] Färberböck, Peter: Interview mit Warhorse Studios zu Kingdom Come: Deliverance – Deutsche Version, Adventure Corner, 18.10.2016 <http://www.adventurecorner.de/pages/617/interview-mit-warhorse-studios-zu-kingdom-come-deliverance-deutsche-version>, abgerufen am 11.01.2018.

[7] Game Two #35 | gamescom 2017 – Die Highlights der Messe, YouTube, 26.08.2017 <https://youtu.be/6ePCqQgcKoE?t=5m19s>.

[8] Der zuständige Redakteur herrfabu im Forum von RocketBeans.TV, 30.08.2017 <https://forum.rocketbeans.tv/t/game-two-35-25-08-2017/26737/85>, abgerufen am 11.01.2018.

[9] Gies, Arthur: The Witcher 3: Wild Hunt Review: Off The Path, Polygon, 13.05.2015 <https://www.polygon.com/2015/5/13/8533059/the-witcher-3-review-wild-hunt-PC-PS4-Xbox-one>, abgerufen am 11.01.2018.

[10] Vgl. Beiträge auf People of Color in European Art History die mit „Kingdom Come. Deliverance“ getaggt sind, medievalpoc.tumblr.com, <http://medievalpoc.tumblr.com/tagged/Kingdom-Come%3ADeliverance/chrono>, abgerufen am 11.01.2018.

[11] Vgl. Baker-Whitelaw, Gavia: Is a medieval video game historically accurate without people of color?, The Daily Dot, 05.02.2014 <http://www.dailydot.com/gaming/reddit-tumblr-medieval-video-game-poc/>, abgerufen am 11.01.2018.

[12] Vgl. Plunkett, Luke: Idiots Fight To Keep A Medieval Game White, Kotaku, 05.20.2014<https://kotaku.com/idiots-fight-to-keep-a-medieval-game-white-1516970808>, abgerufen am 11.01.2018.

[13] Vgl. Perry, David M.: Yes, there were People of Color in Pre-Modern Europe, A conversation with @MedievalPOC, an activist using social media to change how we see color in the past, PacificStandard, 29.12.2017 <https://psmag.com/education/yes-there-were-poc-in-medieval-europe>, abgerufen am 11.01.2018.

[14] Vgl. Otton, Andrew: An interview with Daniel Vavra: GamerGate and the gaming industry, TechRaptor.net, 12.09.2014 <https://techraptor.net/content/interview-daniel-vavra>, abgerufen am 11.01.2018.

[15] Daniel Vavra GamerGate Interview, the escapist, 10.10.2014 <http://www.escapistmagazine.com/articles/view/video-games/gamergate-interviews/12400-Daniel-Vavra-GamerGate-Interview>, abgerufen am 11.01.2018.

[16] Cooper, Victoria E.: Fantasies of the North: Medievalism and Identity in Skyrim, PhD thesis, University of Leeds 2016 <http://etheses.whiterose.ac.uk/16875/>, abgerufen am 11.01.2018.

[17] Vgl. Mrozek, Bodo: Unter falscher Flagge. Rechte “Identitäre” setzen auf Antiken-Pop. Die Geschichte ihrer Symbole dürfte ihnen kaum gefallen, PopHistory, 20.12.2017 <http://pophistory.hypotheses.org/2561>, abgerufen am 11.01.2018; Devega, Chauncey: Alt-right catches knight fever — but medieval scholars strike back, salon, 12.01.2017 <https://www.salon.com/2017/11/30/alt-right-catches-knight-fever-but-medieval-scholars-strike-back/>, abgerufen am 11.01.2018.

[18] Shimshock, Rob: Developer Speaks Out over Claim ‘Historical Accuracy’ Pushes White Supremacy in Games, Breitbart, 28.07.2015 <http://www.breitbart.com/big-hollywood/2015/07/28/developer-speaks-out-over-claim-historical-accuracy-pushes-white-supremacy-in-games/>, abgerufen am 11.01.2018.

[19] User MAATOHA: A thank you from a gamedev, reddit.com, 18.03.2015 <https://www.reddit.com/r/KotakuInAction/comments/2ziice/a_thank_you_from_a_gamedev/>, abgerufen am 11.01.2018.

[20] Vgl. Totilo, Stephen: My E3 Meeting With A Pro-GamerGate Developer, Kotaku, 07.02.2015 <https://kotaku.com/my-e3-meeting-with-a-pro-gamergate-developer-1715511964>, abgerufen am 11.01.2018.

[21] Quatermain, Allan: Will Kingdom Come: Deliverance Be The Most Masculine Game In 2015?, Reaxxion, 22.12.2014 <http://www.reaxxion.com/3294/will-kingdom-come-deliverance-be-the-most-masculine-game-in-2015>, abgerufen am 11.01.2018.

[22] Vgl. Pressemitteilung Nr. 30: gamescom 2017 – Gewinner gamescom Award , gamescom.de, 24.08.2017 <http://www.press1.de/wrapper.cgi/www.press1.de/files/kmeigen_kmpresse_1503596395.pdf>, abgerufen am 11.01.2018.

[23] People of Color in European Art History: Kingdom Come and Related Debacles: Epilogue, medievalpoc.tumblr.com, 2016 <http://medievalpoc.tumblr.com/post/112158952123/kingdom-come-and-related-debacles-epilogue>, abgerufen am 11.01.2018.

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29 Kommentare zu „Das „authentischste“ Historienspiel aller Zeiten?! Die gewaltige Schräglage von „Kingdom Come: Deliverance““

    1. Die Tatsache, dass Kingdom Come Delvierance eine „authentische Abbildung“ des europäischen Mittelalters zeigen will, fand ich schon immer etwas seltsam, habe sie aber stets beiseite geschoben, schließlich prägen auch heute noch viele Filme, Serien und andere Werke das Bild eines „weißen Europas“ im Mittelalter. Tatsächlich waren mir diese ganzen idelogisch geprägten Hintergründe der Entwickler vor dem Lesen deines Beitrags aber nicht bewusst. Zwar habe ich seit jeher ein gewisses Interesse an Kingdome Come Deliverance, die Entwicklung und Zusammenhänge verfolge ich allerdings eher sporadisch, auch weil ich mittlerweile bei Spielen, die für mich in irgendeiner Art und Weise interessant erscheinen, lieber „unbefleckt“ und ohne großes Wissen vorab herangehen will und daher im Vorfeld Diskussionen in Foren u.ä. eher meide. Daher Danke für die gute wie tief gehende Recherche!

      Nun vertrete ich eigentlich die Meinung, dass man Werk und Erschaffer voneinander trennen sollte, sofern man dies mit sich selbst vereinbaren kann, denn auch hinter anderen Spielen, Filmen, Serien, Musik etc. stecken durchaus zweifelhafte Gestalten, mit deren Ansichten ich alles andere als komform gehe. Ich konsumiere also durchaus auch andere Werke, von deren Erschaffern ich persönlich wenig halte, ja sie sogar für große Arschlöcher halte. Im vorliegenden Fall muss ich nun wirklich in mich gehen, denn die persönliche Haltung der Entwickler scheint das vom Spiel vermittelte Weltbild ja doch sehr zu prägen. Sollte ich Kingdom Come Delvierance spielen, so werde ich nun in jeden Fall sehr hellhörig sein.

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  1. […] Warum macht es nun mehr Sinn, von historischer Akkuratesse zu sprechen anstelle von der historischen Authentizität? Die akkurate Wiedergabe eines spezifischen Geschichtsbildes, sprich die Reproduktion von als “historisch wahr” etablierten Vorstellungen von Klasse, Ethnie, Gender, Nationalität, aber auch Raum und Zeit oder Körper und Geist, erzeugt durch die Anbindung an kollektive (Geschichts-)Erinnerungen den makabren Zombie-Elefanten Authentizität.
    Dieser Zugang zwingt uns zudem, die eigene Profession noch kritischer zu betrachten. Denn es sind die Forschungen unserer “Historikerahnen”, auf die sich diese Geschichtsbilder begründen. Im Falle der höchst problematischen nationalen Geschichtsschreibung ist das besonders deutlich. Denn wie in den bisherigen Diskussionen hervorgeht, steht Authentizität häufig in Verbindung mit der akkuraten Implementation von Nationalitätsvorstellungen. […]

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  2. Danke für den Artikel. In der deutschen Mainstream Spielepresse bekommt man ja wie immer nur branchenfreundliche Hochglanztrailer. Tja man will weder die Hersteller noch die doch angeblich „erwachsene“ Zielgruppe mit solchen Themen „vor den Kopf stoßen“ . Eine überreichende Suppe ist das. Ich werde Abstand nehmen und sowas keinesfalls unterstützen. Obwohl ich mich ursprünglich drauf gefreut hatte.
    Es wäre auch interessant wie das restliche Team dazu steht. Alles Mitläufer? Wenn nicht sollen die ihm einen Maulkorb verpassen und klarstellen das eine solche Ideologie nichts mit dem Spiel zu tun hat.
    Aber da wir nicht gerade in emanzipatorischen Zeiten leben und rechte Weltbilder populär sind würden sie sich dabei am ende noch eine wichtige Zielgruppe verprellen.

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  3. Hallo, ich bin ehrlich gesagt nicht sooo tief in der Thematik, aber mich würde tatsächlich mal die Faktenlage interessieren: Ich habe mal ein paar Links durchgeklickt, und bis auf die Aussage, dass auch böhmische Künstler im Mittelalter schon mal einen Schwarzen gemalt haben (z.B. die Königin von Saba) sehe ich da einfach keine historische Rechtfertigung. Oder habe ich was übersehen?
    Soll heißen: Natürlich wäre es möglich gewesen, Schwarze in die Story miteinzubeziehen oder eben auch einen weiblichen Helden. Aber nur, weil das eben nicht getan wird (mit der Realismus-Begründung) ist das doch meiner Meinung nach weder rassistisch noch sexistisch.

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  4. Ein nahezu uneingeschränkt guter Beitrag, danke dafür, das alles so gebündelt zu sehen.

    Nur den Absatz über Burzum würde ich … nicht so schreiben, weil er das etwas verdreht. Der Mord & die Kirchenbrände waren ja nicht nationalistisch motiviert. „Richtig“ rechts wurde Vikernes ja dann erst, wenn ich das alles richtig im Kopf habe, im Knast & dann kam sein Neo-Pagan-Geschwurbel dazu. WUsste gar nicht, dass er das auf yt immernoch raus lässt,d achte immer, er redet da über sein Pen ’n‘ Paper RPG. Die Musik ist jetzt auch nicht wirklich von der rechten Ideologie gefärbt, aber die Band gilt generell in der Metalszene als das, was man euphemisch „Grauzone“ nennt, also Bands, hinter denen rechte Leute stecken, aber das in der Musik nicht rauslassen.
    Das jetzt aber als Indiz ihm anzukreiden – in Polen trägt man auch gerne ganz andere Kaliber rechter (deutscher) Bands; Burzum kann man ja sogar auf amazon und normalen deutschen Mailorders bestellen … würde mich da eher auf die bestechende restliche Faktenlage stürzen.

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  5. In „Die Tore der Welt“ von Ken Follet findet 90% der Geshichte in England statt. Dort werden keine Schwarzen erwähnt und sind nicht teil der Handlung. In einem kurzen Abschnitt reißt die Hauptperson weit weg, trifft arabische Völker. Ist dieses Buch nun durch diesen Handlungsabschnitt akzeptabler geworden? Kann man deine Vorwürfe zum Werk (das Private zum Author außen vor) rein objektiv direkt auch darauf anwenden, hätte die Geschichte rein in England stattgefunden? Also äußerst lokal und eben ohne erwähnte Farbige. Ich bin verwirrt und weiß nicht damit umzugehen. Das Spiel klang für mich äußerst interessant, aber ich muss zugeben dass ich niemals an Nicht-Weiße gedacht habe bei einer Geschichte über Böhmen. Bin ich auch schon so stark voreingenommen?
    Zu einem anderen Punkt: Ich lese gerne Historienromane. Ich frage mich, ob die Menschen wirklich Interesse daran haben die Geschichte von Kingdome Come als Frau zu spielen. Ohne die Geschichte des Spiels zu kennen, kann ich mir vorstellen (sofern man dem historischen Kontext gerecht werden möchte), dass ein Leben als Frau im Mittelalter, sei es auch noch so fern von der Norm ( es ist ja Fiktion), geprägt ist von Entbehrungen und Last. Ich weiß nicht, ob es Spielern wirklich gefallen würde sich mit dieser harten Realität, mit der Frauen damals konfrontiert wurden, außeinander zu setzen. Am Ende soll es doch Spaß machen oder? Gottseidank und nicht ohne Grund hat sich ja bis heute alles geändert. Und am Ende vom Tag ist es eben eine Geschichte, in einem Buch kann ich mir es auch nicht aussuchen, ob die Hauptperson Männlich oder Weiblich ist. Aber ich suche mir aus, ob ich daran Interesse habe oder nicht.

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    1. Hallo Robert,
      Danke für Deine Frage(n)!

      Der Mythos vom exklusiv „weißen“ Mittelalter hält sich leider sehr hartnäckig in der Geschichtskultur. Das drückt sich auch in vielen Beiträgen zur Debatte um KCD aus: „Hab noch nie was von Schwarzen [wobei PoC halt viel mehr ist] im Mittelalter in Europa gehört oder gesehen. Gab also keine, weiß man doch.“ Das ist aber wissenschaftlich nicht haltbar. Nun wird man sicherlich bei jedem Werk genau hinschauen müssen – und das wird man auch bei KCD, wenn es denn gepublished ist – wie was warum dargestellt wird. Es würde, denke ich, niemand sagen, dass es absolut unplausibel ist, dass auf diesen 16 km² nun keine PoC gezeigt werden. Pikant wird es aber in Kombination mit Vávras Äußerungen in dieser Hinsicht. Das sollte jede*r im Hinterkopf haben, wenn er*sie KCD spielt – und darum muss auch über diesen Komplex gesprochen und debattiert werden. Darum bin ich froh, dass der Faden aufgenommen wurde und nun viele Spielemagazine hierüber diskutieren. Das Spiel kann am Ende ja auch ein wirklich gutes Spiel sein und Vávras Positionen durch das große Team abgefedert. Ich sage niemandem, er*sie solle das Spiel nicht spielen. Das liegt mir fern. Aber wir sollten kritischer mit der Art und Weise umgehen, wie Spiele Geschichte darstellen – vor allem, wenn sie sich sehr offensiv als realistisch und authentisch anpreisen. Darum ist KCD ein so anschauliches Beispiel.

      Auch mit der Rolle bzw. wohl besser den Rollen von Frauen* sollte viel differenzierter umgegangen werden, als es der dominante Diskurs tut. Geschichte kein statisches Konstrukt von Konventionen, sondern kontingent und als Möglichkeitsgeschichte zu begreifen. Darum würde ich nicht sagen, dass ein Abweichen vom ewig gleichen männlichen Heldentopos langweilig wäre. Zumal ein nicht zu unterschlagener Teil der Spielenden heute auch Frauen* sind.

      Beste Grüße

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  6. Ich denke nicht, dass es rassistisch ist, Inhalte zu gestalten, egal ob für Werbung, Spiele, Filme oder Kunst, die nur Menschen mit einer Hautfarbe zeigen. Vavra mag ein rechter Denker sein und sein Spiel machen, das keine anderen Ethnien repräsentiert – das macht das Spiel keineswegs rassistisch.
    Wie hier mehrfach von beiden Seiten betont wird, kann ein Spiel niemals realistisch sein. Wie jeder Film oder jedes Kunstwerk auch. Die inkludierten Inhalte sind immer unabhängig vom Gestalter zu betrachten, so hart das auch klingt.
    Man wird abwarten müssen, ob das Spiel dem Spieler wirklich rassistisches Gedankengut vermittelt. Außerdem gab es natürlich schon immer nicht-Weiße in Europa oder Böhmen, aber auch diese waren nicht immer willkommen. Selbst wenn sich in Kingdom Come NPCs über Farbige auslassen oder beschweren würden, würde das das Spiel nicht sofort rassistisch machen, sondern nur zeigen, dass es damals auch Rassismus, Vorurteile und Ablehnung gegenüber anderes Farbigen gab. Allerdings sollten sie dann aber auch zeigen, dass Einhemische damals auch farbige Menschen durchaus respektiert und in die Geselsschaft eingebunden haben.
    Die Beschwerde, nur einen männlichen Protagonisten zu haben sei sexistisch, ist in keinster Weise tragbar. Obwohl man einen guten Chraktereditor hat, muss man nicht 5 unterschiedlcihe Protagonisten anbieten. Wenn die Story von dem Sohn eines einhemischen Schmieds handelt, dann ist es halt so. Es gibt ja auch nicht immer zwei Filme mit einer weiblichen und einem männlichen Protagonisten. Story ist Story.

    Dass Vavra fragwürdige und extreme Ansichten hat, sich der GamerGate Bewegung anschlossen hat und er wahrscheinlich nicht der einzige im Studio ist, sind keine positiven Dinge. Ich aber hoffe er reitet Warhorse Studios jetzt nicht ins Verderben und, dass sie es mehr als Spiel bezeichnen würden und nicht Simulation nennen würden.
    Das Spiel mag einen simulationslastigeren Ansatz wagen, aber es bleibt ein Spiel. Und ein Spiel unkludiert und assoziiert immer nur einen Teil der Realität.

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  7. Sehr geehrter Herr Heinemann,

    gewagte Thesen zu einem Spiel, das noch nicht einmal entschieden ist.

    Vorneweg: Wer historische Wahrheit vermittelt sehen will, wird von einem Historiker stets nur Kopfschütteln ernten- in der Forschung sucht man nicht nach Fakten, sondern bewertet zeitgenössische Quellen in Bezug auf Perspektive, Wahrnehmungsfeld, Lebenswelt usw. Dies ermöglicht dann bestenfalls thesenhafte Tendenz-Bewertungen. Insbesondere das Mittelalter ist eine historisch kontroverse Epoche, das fängt schon bei der Klassifizierung an.

    Sie fordern eine „korrekte“ Abbildung Ihrer historischen Wirklichkeit. Ohne diese inhaltlich bewerten zu wollen möchte ich die Frage stellen, inwiefern Sie dies dann von dem unterscheiden, was Sie Vavra/Warehouse vorwerfen- nämlich Geschichtsklitterei. Gesetzt die These ‚Kingdome Come‘ würde tatsächlich gesellschaftsgefährdende und/oder allgemein fragwürdige Inhalte propagieren, wäre es natürlich durchaus vertretbar, eine Korrektur derselbigen zu fordern. Allein- weswegen glauben Sie, dies wäre der Fall?
    Ihr -erster inhaltlich auf das Spiel bezogene- Vorwurf, ist die mangelnde Diversität. Haben Sie einen konkreten Beleg, dass diese regional ausgerpägter war, als in einem Spiel, das noch nicht einmal veröffentlicht ist, dargestellt? Sollte dies der Fall sein, wäre das zwar bedauerlich für den historischen Anspruch des Spieles (den Sie im Übrigen überbewerten- bei allen Versuchen des historischen Realitätsbezuges, sollte jedem klar sein, dass ein Spiel eine individuelle Geschichte in einem individuell selektiven Rahmen erzählt und darüber hinaus durch künstlerische und technische Aspekte geprägt wird), nichtsdestotrotz nicht mehr als eine Randnotiz. Weder ist ein Unterhaltungsmedium geignet zur detaillierten Wissensvermittlung oder Recherche, noch hat es je solchen Anspruch gehabt. Man mag die Beinflussung kritisieren, hierin unterschiede sich ‚Kingdome Come‘ jedoch nicht im Geringsten von einem Großteil der Literatur, Filme, Spiele usw. unserer Zeit. Medien mögen ein Spiegel der Gesellschaft sein, aber haben keinerlei Anspruch diese zu reformieren.
    Persönlich fände ich es übrigens wesentlich bedauerlicher, wenn das kulturelle tägliche Leben der Individuen inkorrekt dargestellt wäre, als eine mangelnde ethnische Diversität. Ersteres lässt sich nicht durch eine eigene tolerante Haltung kompensieren.
    Der zweite Vorwurf kritisiert das Nichtvorhandensein einer weiblichen Hauptfigur. Hier möchte ich ihren Gender-Asterisken aufgreifen (den ich sprachlich furchtbar, weil kommunikationsstörend finde- eine lobenswerte Absicht, die ihr Ziel meilenweit verfehlt): Kritisieren Sie ebenso das Fehlen einer pansexuellen, ungeschlechtlichen Hauptperson..? Es mag mir gefallen oder nicht, wenn ich im Spiel nicht mein/e (spieltechnisch oder persönlich) favorisierte/s Geschlecht/Ethnizität/seuelle Orientierung spielen kann. Und das ist ein legitimer Grund ein Spiel zu mögen oder eben nicht, zu kaufen oder eben nicht. Aber noch einmal: Auch ein historisch korrektes [sic!] Spiel, hat keinerlei derartige Ansprüche. Das in der Kickstarter-Kampagne ein weiblicher Charakter geplant war, der es, aus welchen Gründen auch immer, nicht ins Spiel geschafft hat, ist kein Indiz für ein unhistorisches, rassistisches oder sexistisches Spiel.

    Der Rest des Textes kritisiert Entwickler David Vavra. Inwieweit dies inhaltlich gerechtfertigt ist oder nicht, kann und will ich hier nicht bewerten. Aber selbst wenn Vavra eine durch und durch unmögliche Person wäre, stünde er damit nicht exempelhaft, weder für ein Computerspiel noch für die über hundert daran beteiligten Mitarbeiter.

    Abschließend möchte ich Ihnen die thematische Zusammenfassung der von Ihnen ebenfalls kritisierten GameStar ans Herz legen: http://www.gamestar.de/artikel/kingdom-come-deliverance-die-reaktion-auf-die-rassismus-vorwuefe,3324854.html .

    Was auch immer Sie von diesem Spiel halten und welche Kritik Sie weiter äußern mögen: Ich werde ‚Kingdome Come‘ schlicht als das genießen und bewerten was es ist- ein unterhaltsames Computerspiel.

    Mit besten Grüßen,
    B.M.

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    1. Hallo B.M.,
      vielen Dank für diesen umfangreichen Kommentar!
      Ich stimme Ihnen in vielen Punkten zu, möchte aber ein paar Punkte richtig stellen, denn in der bisherigen Debatte wurde sehr viel mehr in meinen Artikel hineininterpretiert, als ich tatsächlich geschrieben habe:

      Ich fordere von dem Spiel gar nichts, weder dass es meine oder irgendeine andere spezifische Vorstellung von der Geschichte abbilden solle, schon gar keine „historische Wirklichkeit“ (weil unmöglich).
      Die pikante Kombination der Einstellungen des Chefdevelopers mit der offensiven Bewerbung damit, ein „realistisches“ Historienspiel zu machen, und gleichzeitig an den verbreiteten Mythos vom „weißen“ Mittelalter anzuknüpfen, hielt ich jedoch für angebracht einmal auf’s Tableau zu bringen. Und weiterhin eine Debatte über die Darstellung von Geschichte in digitalen Spielen anzustoßen, die meiner Meinung nach, bisher zu kurz gekommen ist. Und ja, ich bin der Meinung, dass mehr Diversität in Spielen mehr als überfällig ist und auch hier von der stumpfsinnigen Reproduktion patriarchalischer Weltvorstellungen abzuweichen ist.

      Über diese Punkte kann und sollte debattiert werden und darum habe ich dieses Blog geschrieben. Die differenzierte und gute Auseinandersetzung der Gamestar (insbesondere in dem Video) finde ich sehr gelungen (im Gegensatz zu dem Video von 4players, dass sich in befremdliche Relativierungen verstrickt). Wenn die Debatte in dieser Richtung weiter geführt wird, würde mich das sehr freuen!

      Beste Grüße

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  8. Ehrlich gesagt erschließt sich mir nicht ganz der gegen Ende des Artikel erhobene Vorwurf gegen die bekannten Spielemagazine und -portale. Das Spiel ist noch nicht veröffentlicht, von einem auffälligen Geschichtsrevisionismus ist bislang nichts zu sehen, und dass das Spiel natürlich keine wirklich authentische Mittelaltererfahrung liefern kann, sondern sich vornehmlich im Vergleich zu Fantasy-RPGs durch mehr Realismus auszeichnet, hätte eigentlich jedem klar sein müssen. Auch ist der Chefentwickler keineswegs ein bekannter Nazi, nur wenn man seinen Social Media-Kanälen folgt (und warum sollte man eigentlich?), könnte man argwöhnen, dass der Mensch wohl ein eher libertäres Weltbild hat. Das ist aber für die Berichterstattung eines Spielemagazins nun kaum relevant, insofern frage ich mich, was hier von den Spielejournalisten erwartet wird? Sollte jetzt tatsächlich immer der persönliche Hintergrund der Entwickler bei Previews zu deren Spielen berücksichtigt werden? Wo soll das dann aufhören, bzw. wen soll das interessieren? Inzwischen gibt es übrigens Statements der Entwickler auf Anfrage der GameStar, welche die auf dieser Seite geäußerten Vorwürfe noch unberechtigter erscheinen lassen, sowohl die gegen die Spielemedien als auch die gegen den Entwickler.

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  9. […] Solche Statements haben nichts mit Wortwahl zu tun, oder mit der Kommunikationsform. Wenn ich eine Lüge verbreite, ist es eine Lüge, egal welches Hemd ich ihr anziehe. Ich sehe hier kein klares Statement, dass Vavra faktisch falsch lag. Weder von der Gamestar noch von ihm selbst. Da hilft es nur bedingt die Familiengeschichte zu romantisieren und vom eigentlichen Thema abzulenken. Vavra sagte es habe damals keine Nichtweißen gegeben und korrigiert diese Aussage nicht. Punkt. Stattdessen windet er sich in ein 16 Quadratkilometer großes Gebiet, in dem es vielleicht tatsächlich keine Nichtweißen gab. Und die Gamestar frisst das unreflektiert.
    Wahrscheinlich ist es auch purer Zufall, dass Vavra der braunen Scheiße von Breitbart Interviews gegeben hat. Oder vielleicht wusste er einfach nicht, wofür die Plattform steht. Das aber nur am Rande. […]

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  10. […] Es wäre jetzt möglich, diese Argumentation noch durch Interview-Aussagen von Varg Vikernes zu unterfüttern. Doch das ist hier nicht das Thema: Hier geht es um die Musik, die die Fans so gerne vom Musiker trennen würden. Es zeigt sich jedoch allein in seinen Texten: Sie sind nicht zu trennen. In dem Moment, in dem ein Rechtsextremer diese Zeilen singt, lässt sich auch nichts mehr mit nordischer Mythologie relativieren. Die Gesinnung ist zweifellos drin. Das Werk von Burzum ist spätestens mit dem Album Fallen mit rechtem Gedankengut assoziiert. Der Name Burzum steht also dafür. Jedes T-Shirt mit dem Aufdruck steht dafür. Das ist nicht vermeidbar. […]

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  11. Ich bin tatsächlich verwirrt, worum es in erster Linie geht und wie die Verbindungen hier gezogen werden. Ich habe zuerst den Wikipedia-Artikel zu Burzum und seinem Frontmann gelesen. Der Mann ist ganz offensichtlich ein Knallkopf, aber dem Musikprojekt wird durchaus gehuldigt. Ist die Musik denn selbst fragwürdig? Wird darin klar verbrecherisches oder verfassungswidriges Material verbreitet, oder beruht der Vorwurf in erster Linie auf Interpretation und Projektion des Frontmanns auf die Kunst? Wenn es „nur“ im Subtext der Musik mitschwingt kann man schon Vergleiche ziehen zu anderen kontroversen Musikern ziehen, lass es Rammstein, Böhse Onkelz oder Frei.Wild sein. Dann stellt sich die Frage inwieweit persönliche Ansichten eines Künstlers in ein Produkt einfließen dürfen. Grundsätzlich natürlich im rechtlichen Rahmen, wenn beispielsweise Hetze oder verfasssungswidirges Gendankengut verbereitet wird. Keine Ahnung, ob das hier zutrifft.
    Dann gehst du ja noch den Schritt weiter und verbindest den Designer mit dem Burzum-Frontmann, wegen eines T-Shirts und einiger Aussagen. Wer die Musik hört, wird sich wahrscheinlich auch mit der Person auseinandergesetzt haben, da stimme ich zu. Ob er jetzt die Musik nur als solche feiert, oder ob er alle oder vereinzelte Positionen teilt ist pure Vermutung, aber jeder kennt von sich und seinem Umfeld ähnliche Beispiele. Der Tom Cruise-Vergleich der Gamestar passt ganz gut, ich habe seit er Rihanna gekloppt hat, keinen Song mehr vin Chris Brown gehört (ist auch nicht meine Musik, aber die Entscheidung war davon geprägt 😀 ). Kevin Spacey zu boykottieren ist ein ähnliches Phänomen. Worauf ich hinaus will, ist dass es deine persönliche Meinung ist, wenn du ein Spiel wegen einer Person nicht spielen kannst, das ist für dich natürlich richtig, aber subjektiv.
    Ich weigere mich dann aber doch, von einem führenden Designer in einem Team von 50 Leuten oder so, darauf zu schließen, dass seine eventuell vorhandenen Ansichten einen eklatanten Einfluss auf das Spiel selbst haben. Wir wissen auch schlichtweg zuwenig über das Spiel um irgendwas beurteilen zu können, mechanisch wie optisch sieht es sehr authentisch aus, über die historischen Hintergründe weiß ich recht wenig, aber die Debatte, ob hier genug Diversität abgebildet wurde halte ich für nutzlos, weil wir das Gesamtbild nicht kennen. Wurde hier gar nicht erwähnt bisher, dass die Invasoren in Böhmen einen anderen kulturellen Hintergrund haben, es sind doch Türken?
    In jedem Fall ist es ein weiter argumentativer Weg, von einem Vebrecher und Hetzer, auf ein Musikprojekt zu schließen, von dort auf einen Fan der Musik, weiter auf den Job dieses Mannes, und von dort auf das Produkt der Firma. Selbst wenn das alles der Fall ist, ist die Dosis fraglich, wie auch der Effekt, und dann stellt sich die Frage, was man machen sollte? Darf er nicht Ansichten haben? Jeder von uns hat Standpunkte, die polarisieren; du hast für mich Ansichten, die für mich schwer zu verstehen und zu tragen sind, darf ich dir dann verweigern, diesen Text zu veröffentlich, der für mich belanglos ist? Natürlich nicht. So sehr ich ihn verabscheue, ich kann ja auch nicht Mario Barth sein Recht auf seine Shows abstreiten nur weil er dumm auf Facebook kommentiert.

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  12. Ich verstehe nicht wo das problem liegt, natürlich ist es frag würdig warum in Witcher nur ‚weiße`NPC’s gefunden werden können- Jedoch ist das auch ein fantasy spiel somit wäre es für jenes nicht erzwungen andere Rassen (Wobei Weiß keine Rasse ist es sei den Bildung ist einem Fremd) – Andere Rassen in Südpronvinzen zu finden, Ich denke nicht das es nötig ist jedoch würde es ja keinem Wehtun.- Nun weiter zu Kindom comes, Natürlich gab es auch andere Rassen in Europa oder eher Ethnische Gruppen- Selbst im Heiligen Römischen Reich welches aus Italic, Germanisch und natürlich auch Slawisch besteht – Germanisch sowohl auch Slawisch sollten in der im Spiel gezeigten Königlichen Provinz Böhmens zu finden sein, so wie auch die Ungarn welche von den Hunnen abstammen und somit auch assiatische abstammung haben aber erzwungen zu versuchen ethnische gruppen aus Afrika zu beinhalten kommt mir seltsam vor, da es historisch gesehen einfach keinen Sinn macht. Es sei den wir sprechen vom Hof des Kaisers persönlich welcher vorallem unter den späteren Kaisern sicher auch Afrikaner beinhalte, jedoch waren diese Kaiser dann welche wie Karl V welcher die meiste Zeit in Spanien verbrachte.
    Ich persönlich finde eine solche meinung von einem Spiele entwickler unprofessionel aber keineswegs Rasistisch. Ich kenne ihn nicht persönlich aber von den Posts alleine versage ich ihn als rasisten zu erkennen, er hat teilweise sogar recht im bezug auf Witcher, da der Kontinent in dem Witcher 3 spielt in der Lore wie Europa aufgebaut ist und keine Stark dunkelhäutigen Menschen in jennen gegenden natürlich vorkommen muss dies im Spiel nicht erzwungen werden nur um Politisch korrekt zu sein- Sein Argument ist dennoch lächerlich.

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  13. So sieht man doch schon klarer. Das dies einen sehr gut recherchierten GS Artikel nach sich gezogen ist doch sehr positiv. Und so sollte es auch sein schließlich verfügen solche Redaktionen über Kontakte und Kanäle die nicht jedem zur Verfügung stehen. Warum nicht gleich so, fragt man sich. Wenn man alle 2 Tage News über die Auflösung und FpS bringen kann , kann man doch auch so einer Sache mal nachgehen.

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  14. Lasst uns doch einfach ein Mittelalter erfinden, wie wir es gerne gehabt hätten. Meine güte, man sollte aus der Geschichte lernen und gut, aber sie nicht umformen. Was hier gemacht wird, ist den Boten der schlechten Nachricht(wie es im MIttelalter war) zu köpfen, statt sich zu fragen.
    Vielleicht hat er ja recht, dass das MIttelalter einfach kein schöner Ort war ?

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  15. Interessanter Artikel, doch er beweist ein Problem der menschlichen Wahrnehmung, letzlich ein Problem welches der Wissenschaftstheorie längst bekannt ist: Es gibt keine objekitven Fakten, jeder Aussage über die „Realität“ liegen Wertungen zugrunde. Diesem Problem fällt der Autor leider auch zum Opfer. Er liest die Twitter Aussagen des Entwicklers und sieht das T-Shirt und hat dann eine Vorstellung der „Realität“. Das dem aber eine eigene Wertung zugrunde liegt, die gegebenfalls falsch sein kann, sieht er nicht. Ich will jetzt auch nicht behaupten Vávra wäre Rassist oder er wäre es nicht, dazu hab ich bisher zu wenig recherchiert, aber dass hat der Autor ganz offensichlich auch. Die Beweisführung ist mehr als mangelhaft und es finden sich auch ganz harmlose Interpretationen der Fakten, die Vávra schlechtestenfalls als unüberlegt und zu impulsiv darstellen. Die Gamesstar hat einen interessanten Artikel, der sich gut differenziert zu diesem Themenkomplex darstellt, veröffentlicht; http://www.gamestar.de/artikel/kingdom-come-deliverance-die-reaktion-auf-die-rassismus-vorwuefe,3324854.html#top

    TL;DR: Nicht gleich die große Keule rausholen sondern wenn die eigene Recherche nur dünn ist auch dementsprechend nur vorsichtige Kritik üben. Ein T-Shirt ist noch keine Befürwortung von Rassismus und ein Photo das als genervte Reaktion durchaus verständlich, und in diesem Kontext auch nicht zwangsläufig Rassist ist auch dementsprechend bewerten. Und vorallem den Betroffen zu Wort kommen lassen wenn man harte Vorwürfe vorbringt.

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    1. Nun, ich habe die Hinweise, die schon länger bekannt waren, zusammengetragen, zu den einzelnen Punkten kann sich jeder selber weiter informieren oder halt einfach sagen: Du hast nicht recherchiert. Doch habe ich.
      Ich finde das Video von der GameStar relativ gut gemacht – der Text allerdings ist fast so relativierend wie das Video von 4players. Und dass Vávra so antworten würde, wer hätte das nur gedacht?…

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  16. Aufgrund wiederholter ausfälliger Kommentare habe ich mich veranlasst gesehen, eine Netiquette für das Blog zu erstellen. Ihr könnt sie im Impressum finden. Bitte beachtet sie künftig, damit hier für alle eine sachliche Diskussion möglich ist. Danke!

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  17. Solider Artikel jedoch möchte ich ein paar Sachen anmerken/ fragen. Aber zuerst, Danke für das Anstoßen der Frage nach dem Verständnis von Realismus.

    Die erste Fußnote bezieht sich auf folgendes: „Mit dem realistischsten Kampfsystem, das ein Spiel jemals hatte. [1] “

    Im Gamestar Artikel jedoch wird dies nicht in dieser Art und Weise dargestellt. Es wird als detailliert beschrieben, aber die Schwertkämpfe werden auch als „simuliert“ beschrieben und es wird auch zugegeben dass es beim „Realismus“ auch Zugeständnisse gibt. Aber so wie Sie es schrieben liest es sich als würde der Artikel das Kampfsystem als wirklich komplett realistisch anpreisen, was der Artikel in diesem Sinn nicht tut. Es gibt aber genug Artikel die es tun.

    Auch die zweite Fußnote ist problematisch:
    „Eine „realistische Mittelalter-Simulation“, die gar „schöner als die Realität“ sei. [2]“

    Denn in diesem Artikel steht „Schöner als die Realität?“ und meiner Meinung nach sorgt dieses Fragezeichen dafür, dass der Sinn ein anderer ist, als er hier im Artikel dargestellt wird. Ironischerweise jedoch zeigt dieser zweite zitierte Artikel gut die fehlende Auseinandersetzung mit dem Wort „Realismus“, weswegen dieser Artikel sich gut für das Argumet eignet, dass die Presse den „Realismus“ Anspruch nur feiert und nicht hinterfragt. Vor allem dieser Absatz ist interessant:

    „Zwar will Kingdom Come keine Mittelaltersimulation sein, sondern immer noch ein Videospiel, doch wird alles dafür getan, das Mittelalter glaubhaft und realitätsnah auf den Bildschirm zu bringen.“

    Dies ist genau der Punkt auf den Sie eigentlich aufmerksam machen wollen. Die fehlende Auseinandersetzung mit dem Begriff Realität. So ein Satz darf eigentlich nicht in dieser Art geschrieben werden. Dieser Satz passt besser als Argument als dieser Verweis auf „schöner als die Realität“.

    Sie wollen auf das Schweigen der Presse aufmerksam machen, aber machen dies nur sehr ungenau und hastig. Hier wäre es besser gewesen genauer und mit mehr Belegen zu arbeiten.
    So wirkt das „Tja, leider doch. Ich komme später wieder darauf zurück“ einfach nicht gut und suggeriert einen fehlenden Willen sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Vor allem nachdem im Zitat [8] darüber noch über „Boykott“ geredet wird und gleich darunter dieser Satz steht. Das wirkt unprofessionell.

    Dazu kommt folgender Satz:
    “ Warum die Presse und vor allem der Gamingjournalismus bisher kein Wort über diese Verstrickungen der Entwickler*innen von Warhorse Studios verliert, ist mir völlig unverständlich.“

    Dies ist einfach eine falsche Unterstellung. Zu sagen dass „kein Wort“ darüber gesprochen wurde ist polemisch und darf nicht einfach ohne einer Forschung so behauptet werden. Sie müssen auch zwischen deuschsprachiger oder englisch sprachiger Medien unterscheiden. Sie selbst schreiben ja über die Antwort von „Game Two“, deswegen ist die Behauptung dass niemand darüber redet falsch und überspitzt. Stattdessen wäre folgendes wohl richtiger:

    “ Warum die Presse und vor allem der Gamingjournalismus sich bisher kaum über diese Verstrickungen der Entwickler*innen von Warhorse Studios äußert, und wenn höchstens in einem sehr passiven fast schon verharmlosenden Ton, ist mir völlig unverständlich.“

    Das ist natürlich kein schwerer Fehler, der alle Aussagen revidiert. Aber wenn man selber andere wegen mangelnder Genauigkeit kritisiert muss man auch selber genau schreiben. Aber das die Medien das Thema bisher kaum ansprechen ist wahr.

    Kleine Anmerkung zu der Sache mit Youtube : Die Youtube Likes sind nicht mehr einsehbar und deswegen als Argumentation nicht mehr verwendbar, da nicht mehr nachweisbar. Aber es müsste Wege geben um diese auszugraben oder? Ich unterstelle ihnen natürlich keine Lüge, aber ohne Nachweis sollte dieser Absatz umgeschrieben werden.

    Folgender Satz ergibt für mich keinen Sinn, ich verstehe den Sinn nicht ganz:

    „Statt einer kritischen Auseinandersetzung erntete Kingdom Come: Deliverance obendrein noch den Best PC Game Award der Gamescom 2017… [22]“

    Umgekehrt heißt dass, gäbe es eine kritische Auseinandersetzung darf das Spiel keinen Preis erhalten. Aber damit so eine Aussage getätigt werden kann, müssen zuerst die Richtlinien des Preises untersucht werden und obendrein die Frage gestellt werden wie das Verhältnis von „Künstler“ zu „Kunstwerk“ zu bewerten ist. Ebenso werfen sie den Medien vor, absichtlich das Thema zu ignorieren, in dem sie dem Spiel Preise nachwerfen.

    Sind Woody Allen Filme wie „Midnight in Paris“ schlecht weil Woody Allen ein Arsch ist? (sher kompliziertes Thema und für uns hier irrelevant) Nein weil das Werk und der Künstler dahinter voneinander teilweise entfernt sind. Bei diesem Spiel hingegen stellt sich die Frage wie viel der Entwickler von seinen Ansichten in das Spiel hineingebracht hat. Klar es ist falsch von Realismus zu reden, denn das Spiel ist keinesfalls realistisch und historisch akkurat ist es ebenso überhaupt nicht. Hier muss das Spiel kritisiert werden, weil es sich als realistisch ausgibt, obwohl es nicht realistisch ist. Es gab auch schon im europäischen Mittelalter Beziehungen zu afrikanischen und asiatischen Bereichen. Der Islam war im 15. Jahrhundert in Europa nicht unbekannt. Wenn ich mich nicht irre endete erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts die Reconquista in Spanien und die Osmanen eroberten im Verlauf des 15. Jahrhunderts schon große Teile des Balkans. Ebenso waren nachweislich diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen zu einigen afrikanischen Reichen aufgebaut wurde. Klar im ländlichen Böhmen waren die Kontakte sehr gering, aber eben nicht komplett unbekannt. Deswegen muss das Spiel für den fehlenden Realismus kritisiert werden, weil es eben realistisch sein will. Aber hier liegt auch das Problem ihrer vermeintlichen Argumentation. (Natürlich kann ich das Geschriebene auch falsch verstehen) Ihre Argumentation folgend würde das Spiel automatisch gut werden, wenn einfach muslimische und/oder afrikanische Charaktere im Spiel vorkommen würden, weil es dann ihren eigenen Anspruch von „Realismus“ folgen würde. Eine sehr bevormundende Sichtweise.

    Auf der andern Seite, wenn die Entwickler sagen: „Nein wir machen keinen Realismus und sind null realistisch, sondern entwickeln das Spiel nur so wie uns es selbst gefällt.“ bricht ihre gesamte Argumentationslinie komplett zusammen. Weil dann würde sich ihre gesamte Kritik auf einen einzigen Punkt aufbauen: „Keine POC = Spiel scheiße“ Und wenn die Entwickler sagen „Nein wird sind nicht realistisch wir wollen das Spiel nur so machen wie wir wollen“, dann ist das alles ja eigentlich irrelevant.

    Und dass wäre meiner Meinung nach sehr unfair gegenüber POC an sich, weil sie damit nur zu einem Gegenstand auf einer Liste werden. Nach der Art: „Haben wir eine Handlung? Ja! Haben wir POC? Ja! Haben wir einen Twist? Ja! Gut na dann wird ja das automatisch gut!“ POC werden häufig marginalisiert und dies muss auch erwähnt werden, aber wenn es zu einem Wertungspunkt oder einer Quote verkommt, wird nicht Rassismus bekämpft sondern nur das eigene Ego und Moralansehen gelobt. (Ich bin so toll weil ich Sachen ohne POC scheiße finde, erstmal in meinem gentrifizierten Bezirk einen fair-trade Kaffee gönnen und auf Instagram posten) <–(absichtliche Übertreibung) Ein POC Charakter sollte kein Schmuckstück sein, sondern genauso respektvoll wie alle anderen Charaktere behandelt werden. Natürlich heißt das nicht, dass man nicht das Fehlen von POC kritisieren darf. Aber POC Charakter sollten nicht auf ihre Hautfarbe reduziert werden.

    "Kingdom Come" muss absolut und ausführlich für den falschen Realismus kritisiert werden, aber deswegen ist es ja nicht gleich ein schlechtes Spiel. Der Chefentwickler muss wegen seinen falschen und verwerflichen Aussagen kritisiert werden, aber deswegen ist das Spiel nicht gleich schlecht. Oder muss bei jedem Werk ein Lebenslauf des Künstlers angebracht werden nach der Art: "hat am 1.5.88 eine Frau als Schlampe bezeichnet." Auch das ist nicht ihr Punkt, aber der Schreibstil suggeriert es. Was sie sagen wollen ist, das die persönlichen Überzeugungen des Entwicklers im Spiel aufscheinen könnten, aber das wissen wir erst nachdem das Spiel erschienen ist. Wenn im Spiel von den bösen, bösen Osmanen geredet wird, dann muss natürlich erwähnt werden dass dies wohl auf die politische Überzeugung des Entwicklers zurückzuführen ist. Dass im Spiel es keine POC gibt ist auch auf die Einstellung des Entwicklers zurück zu führen und deswegen zu erwähnen. Aber dies alleine macht ja nicht das Spiel automatisch gut oder schlecht.

    Aber nachdem das Spiel noch gar nicht erschienen ist, sie jedoch schon "fordern" dass es keine Preise bekommen darf, weil es schlecht ist, wirkt sehr eigenartig. So wie Sie es schreiben wirkt es befremdlich. Würden sie das Spiel für seine falsche Vorstellung von Realismus kritisieren wenn es ein paar muslimische Händler oder afrikanische Diplomaten hätte? Definitiv weil dies sind ja nicht die einzigen Fehler die das Spiel hinsichtlich der Themen Realismus und historische Genauigkeit macht, aber das kommt nicht wirklich im Artikel raus. Statt sich auf das falsche Verständnis von Realismus und historischer Genauigkeit zu konzentrieren, verläuft sich der Artikel zunehmend in einer Art "Keine POC = scheiß Nazi" Argumentation, was eigentlich nicht der Sinn ihrer Argumentation ist, was ich sehr schade finde weil der Artikel das fasziniernde Thema von Realismus anspricht, was viel zu selten der Fall ist.

    Der Sinn ist das Vavra absichtlich die Begriffe "Realismus" und "historische Genauigkeit" missbraucht um seine eigene falsche Interpretation des Mittelalters zu legitimieren und um absichtlich POC aus Europa raus zu löschen. Das ist der wichtigste Kern ihres Artikels und auch definitiv korrekt.
    Was Sie sagen wollen ist meiner Meinung nach: "Die politische Haltung des Entwicklers spielt eine große Rolle in der Entwicklung des Spiels selbst, da es "realistisch" sein will, und deswegen sollte man sich damit auseinandersetzten. Er versteckt sich hinter einem falschen Verständnis des Begriffes "Realität" um bewusst eine Phantasie als realistisch darzustellen."
    Was Sie mit dieser Aussage aber eher aussagen ist: "Wegen der politischen Haltung des Entwicklers, darf das Spiel keinen Preis bekommen, weil ich Vavra doof finde und deswegen das Spiel scheiße sein muss"
    Persönlich werde ich das Spiel wahrscheinlich mir irgendwann kaufen (sofern die Kommentare etc. positiv ausfallen hinsichtlich Spielspaß usw.). Aber natürlich wusste ich schon im Vorfeld dass es nicht realistisch sein kann weil nichts ist realistisch. Aber danke für das aufmerksam machen der Ansichten der Entwickler dahinter, warum das Spiel so wird wie es ist. Es wird interessant sein, wie stark die politischen Ansichten im Spiel sichtbar sein werden. Fehlen "nur" POC oder werden auch klare politische Botschaften vermittelt? Wird sicher sehr viel zum Untersuchen geben.

    Jedoch muss auch eins gesagt werden. Spiele bleiben Spiele, und haben so wie viele andere Dinge im Leben nur einen begrenzten Rahmen und Einfluss. Manche Spielen wohl einfach nur Spiele um sich die Zeit zu vertreiben und innerhalb des Spiels Sachen auszuprobieren und denken über all dieses null nach.

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  18. Zunächst danke für deine Antwort. Du benutzt die Formulierung relativieren als sei dies etwas Negatives, relativieren bedeutet aber eben auch alle Seiten zu zeigen und Fakten in Relation zueinander zu setzen, denn Fakten sind nichts absolutes. Ich möchte auch meine eigene Aussage relativieren, da sie wohl etwas zu weitgehend war; Ich wollte nicht behaupten Sie hätten nicht recherchiert, aber das bloße zusammentragen recht dünner Onlinequellen ist eine schwache Recherche.
    Es ist natürlich auch richtig das Vávra, erwartungsgemäß, die Vorwürfe zurück weist. Er tut dies aber auch auf eine durchaus plausible Art, das muss man ihm auch zugute halten.

    Disclaimer: Keine Kritik am Autor, generelle Feststellung:
    Mich erinnert die Art des Umgangs mit bestimmten Themen im Online-Bereich (nicht nur auf die Gaming-Welt beschränkt) an den Rudeljournalismus zum Beginn der 2000er; Nur hat sich der Prozess demokratisiert, die Masse folgt der Narrative die von einigen wenigen gesetzt wurde a.k.a Shitstorm.

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    1. Entschuldigung, merke ich habe zwischen „du“ und „Sie“ geswitcht, das hat man davon wenn man um 10 Uhr abends nocht schreibt ohne ordentliches Schreibprogram. Ich bleib in Zukunft beim „du“. Soll nicht despektierlich sein sondern entspricht meiner Gewöhnung.

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  19. Ich kenne mich mit dem Thema zu wenig aus, finde aber was Gamestar gemacht hat richtig gut. Richtig schlecht ist jedoch das Thema im Blog. Warum? Es ist so gut wie unmöglich über das Internet einen richtigen und objektiven Urteil über Menschen zu bilden und es ist auch ziemlich falsch. In der Realität habe ich auch Menschen kennen gelernt die zwar von Kopf bis Fuß durch tätowiert sind, aber eben auch liebevolle Menschen sind und keine Drogen Junkies oder ähnliches, was ihr Äußeres erstmal suggeriert. Schon in der Bibel steht, das man andere nicht beurteilen und verurteilen sollte. Das hat einen guten Grund.

    Tja und weitere Verlangen, wie spielbare Frauen Rollen oder mehrere Völker unterschiedlicher Hautfarbe, kann man nur eines sagen: Verlangen kann man nur von sich selbst etwas, andere kann man lediglich um nur bitten.

    Es ist Projekt der Entwickler und sie sollten es so machen, wie sie es wollen. Das zu akzeptieren gehört auch zu der geforderten Toleranz.

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  20. Bezüglich Burzum darf ich einmal folgende Kritik hier posten:

    „Burzum, ‚Filosofem‘ (1996)

    Despite Burzum’s obviously unfavorable politics and world view, this, for me, is the best album black metal has to offer. The production is outstanding, and the vocals are perfect. It’s one of the few albums that instantly gives me a certain mood. It’s an absolute classic. “

    Von welchem Magazin kam diese „Ehrung“? Nichts geringerem als dem Rolling Stone Magazin.
    https://www.rollingstone.com/music/lists/deafheavens-george-clarke-my-10-favorite-metal-albums-w489400/burzum-filosofem-1996-w489405

    Also wieso schafft es so ein renomiertes Magazin die Kunst und die Künstler zu trennen? Es wird hier wohl auch keiner der Meinung sein, dass das Magazin rechte Herausgeber hat oder?

    Die einzige berechtigte Kritik wäre somit, dass Vavra in der Öffentlichkeit ein Shirt trägt, das man trotz aller Liebe zur Musik nicht tragen sollte. Weil es eben Missverstanden werden könnte.

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