Das „authentischste“ Historienspiel aller Zeiten?! Die gewaltige Schräglage von „Kingdom Come: Deliverance“

Der 13. Februar lässt das Herz von Historygamer*innen und Mittelalterfans höher schlagen. Heute in einem Monat erscheint das vermeintlich „realistischste“ Historienspiel, das jemals über digitale Bildschirme flimmerte. Doch das Spiel hat ein massives Problem: seine „Macher“.

Die „realistischste“ Mittelaltersimulation ever!!!1!elf

Seit dem Start der Crowdfunding-Kampagne 2014 wird Kingdom Come: Deliverance von Fans und Gamingpresse als authentischstes Historygame seit Langem, wenn nicht überhaupt, gefeiert. Wie Skyrim, nur schöner und ohne Drachen. Mit dem realistischsten Kampfsystem, das ein Spiel jemals hatte. [1] Die Spielfigur muss essen, trinken und schlafen und wird bei häufiger Nutzung der Schnellspeicherfunktion betrunken. Eine „realistische Mittelalter-Simulation“, die gar „schöner als die Realität“ sei. [2] Das Spiel ist angeblich sogar „So Historically Accurate Historians Are Consulting The Dev Team“ [3]. Und auch die Entwickler*innen halten sich mit derartigen Zuschreibungen natürlich nicht zurück. Auf der Homepage des Spiels wird „Realism“ als wichtigstes Gamefeature genannt.

Zugegeben: Das Spiel sieht dank der CryEngine wirklich schick aus. Die komplexe Interaktionsmechanik des Spiels, auf deren Grundlage KI-Charaktere auf Entscheidungen des Spielers und Situationen in der Spielwelt reagieren scheint wegweisend zu sein. Vor allem, dass Fantasy-Elemente gänzlich fehlen, reizt auch mich. Realistisch ist es deswegen aber noch lange nicht.

Der irrige Traum von historischer Wahrhaftigkeit

Ich kann bei diesem Authentizitäts-Taumel nur den Kopf schütteln. Vor allem, weil er in der Regel fernab aller geschichtswissenschaftlichen Forschungsergebnisse oder -diskussionen verläuft, sondern sich stattdessen auf verbreitete Vorstellungen von Geschichte stützt, die als absolute Wahrheit gesetzt werden. Debatten um die Authentizität der Geschichtsdarstellung in digitalen Spielen, Filmen oder anderen Medien führen darum häufig unmittelbar zu energisch geführten Identitätsdebatten. [4] Multiperspektivität und Widersprüche werden von den Teilnehmer*innen schnell als Angriff auf die eigene nationale, sexuelle, ethnische oder sonst irgendeine Identität gewertet.

Interessanterweise ist dieses Phänomen bei Kingdom Come: Deliverance so deutlich wie selten an ganz prominenter Stelle zu beobachten. Doch dazu kommen wir noch.

Sorry für den Immersionskiller, aber die Vorstellung, dass Schwertkämpfe im hochmittelalterlichen Böhmen oder sonst wo nach den Regeln des Talhoffer Fechtbuches, einem Handbuch der Fechtkunst, ausgetragen wurden, ist doch reichlich amüsant. Dass Veränderung des Geländes (Schrumpfung) für kürzere Wege von Dorf zu Dorf vorgenommen wurden, ein Großteil der dargestellten historischen Gebäude gar nicht und über die Feldzüge Sigismunds nach Böhmen kaum etwas überliefert ist, das dürfte bekannt sein. Aber das ist okay. Denn in Wahrheit will kein Mensch ein realistisches Spiel spielen! Es würde schlicht keinen Spaß machen. [5] Es muss sich nur gut anfühlen, glaubhaft sein. So muss auch Tobias Stolz-Zwilling, der PR-Manager von Warhorse Studios, feststellen: „Man wird niemals ein absolut realistisches Spiel machen können. Es ist nicht einmal eine mittelalterliche Simulation. Es ist ’nur ein Spiel‘ und wir verstehen das.“ [6]

Eines ist klar: Jedes Werk (so auch jedes Spiel) sagt nichts über die historische Wirklichkeit aus, die es abzubilden behauptet, aber alles darüber, wie seine Autor*innen oder Entwickler*innen diese sehen – oder sehen wollen.

Er(n)ste Bedenken und das Schweigen der Gamingpresse

Daniel Vávra bei Game Two auf der gamescon 2017 (YouTube)

Alles beginnt mit Daniel Vávra. Als Entwickler war er an der Produktion von Mafia: The City of Lost Heaven und Mafia II beteiligt. 2011 gründete er Warhorse Studios, wo er seither als Lead Designer an Kingdom Come: Deliverance arbeitet. Doch Vávra ist eine zwielichtige Erscheinung.

Im deutschsprachigen Raum gab es erstmals im Kontext der Gamescom 2017, als der Entwickler bei einem Gespräch mit Game Two (ein YouTube-Format von funk, also in Trägerschaft von ARD und ZDF, in dem u.a. die Rocket Beans als Redakteur*innen auftreten) ein T-Shirt der Band „Burzum“ trug, eine sehr begrenzte Debatte über dessen politische Einstellungen. [7] In Reaktion auf die Hinweise der Zuschauer*innen prüfte funk dann Vávras Twitter Account, entschied sich jedoch dafür, das Video unverändert online zu belassen: „Damit ergreifen wir weder Partei für Daniel Vávra geschweige denn für Burzum. Aber der Sachverhalt ist zu komplex, um basierend auf etwaiger Antipathie ein Spielestudio mit unserem Boykott zu strafen. Das obligt dann den Käuferinnen und Käufern.“ [8]

Tja, leider doch. Ich komme später wieder darauf zurück.

Geschichtsdeutung als nationales Vorrecht

Eine intensivere Recherche wäre sinnvoll gewesen. Wobei diese eigentlich gar nicht nötig ist. Die Suchmaschinen bewerfen eine*n quasi mit eindeutigen „Hinweisen“. Schauen wir uns ein Mal systematisch um.

Auf Vávras YouTube-Account wird schnell klar, wo die Präferenzen des Entwicklers liegen: Ihm gefallen hauptsächlich abstruse Metal-Videos, noch abstrusere historische Verschwörungstheorien über „unterirdische Zivilisationen“, sowie Videos, in denen Verstöße gegen Genderrichtlinien gefeiert werden oder „white supremacy“ als Mythos bezeichnet und als gesellschaftliches Phänomen in Abrede gestellt wird.

Und auch bei Twitter scheint die ideologische Prägung Vávras immer wieder durch. Offenbar hat funk sich nicht die Mühe gemacht, hier genauer hinzuschauen. 2015 beispielsweise reagierte Vávra auf ein Witcher 3 Review von Arthur Gies auf Polygon, in dem jener konstatierte: „in my 70+ hours spent within it, I don’t recall a single non-white humanoid anywhere — not in Skellige, Novograd, Oxenfurt or anywhere else. Once I realized this I couldn’t stop looking for any example of a person of color anywhere, and I never found it, unless you count naked monster women sitting at the feet of a boss like a slightly more awkward tribute to a Frank Frazetta painting“. [9] Vávra empörte sich, ob Europäer*innen denn kein Recht auf ihre eigene Geschichte hätten.

Bereits in dieser Frage impliziert der Entwickler ein eurozentristisches und gleichsam rassistisches, weil exklusiv „weiß“ gedachtes Geschichtsbild. Im Laufe der Diskussion brachte er diese Überzeugung immer deutlicher zum Ausdruck:

Schließlich begründete er seine Position mit einer nationalistischen Haltung mit anti-imperialistischem Reflex. Er sei schließlich in der fraglichen Region geboren, darum wisse er über die Geschichte der Region, die er als seine Geschichte zu empfinden scheint, doch mehr als irgendwelche dahergelaufenen Historiker*innen. Die Deutungshoheit über Geschichte wird in seiner Vorstellung zum Geburtsrecht. Entgegen allen historischen Befunden.

Schon früher war Vávra durch rassistische Ausfälle aufgefallen. Das tumblr-Blog People of Color in Medieval European Art History, das von einer Geschichtsaktivistin betrieben wird, die sich zum Ziel gesetzt hat, dem verbreiteten Bild vom „weißen Mittelalter“ mit wissenschaftlichen Fakten entgegen zu treten, hatte sich mit dem Umstand beschäftigt, dass es in Kingdom Come: Deliverance keine nicht-weißen Menschen geben wird. [10] Diese Beiträge haben eine gewisse Aufmerksamkeit erhalten, nachdem The Daily Dot [11], Kotaku [12] und vor kurzem PacificStandard [13] berichteten.

Vávras Reaktion:

Von GamerGate…

Aufmerksamkeit erntete People of Color in Medieval European Art History aber vor allem von einer Seite: Das Postfach der Historikerin wurde von Hassmails geflutet. Die selbsternannte „Bewegung“ GamerGate stand mit Fackeln und Forken vor der Tür und rannte Sturm gegen die so genannten „Social Justice Warriors“ („SJW“). GamerGate, das sind jene, die sich zu einem Kreuzzug gegen die von ihnen als links-elitär begriffene Spielepresse verschworen haben. Unter Adaption nationalsozialistischer Symbolik und Rhetorik streiten sie gegen Gutmenschentum und Lügenpresse und dafür, in Ruhe den sexistischen, rassistischen, ableistischen und anderen diskriminierenden Darstellungen in digitalen Spielen frönen zu können. Sie sind das PEGIDA der Gaming-Community und spammen unliebsame Berichte mit Hasskommentaren.

Daniel Vávra ist einer von ihnen. Und das sagt er auch ganz öffentlich. In den verschiedenen Interviews, die er GamerGate nahen Blogs wie TechRaptor [14] oder The escapist, aber auch der rechtspopulistischen Medienplattform Breitbart gegeben hat, relativiert er ganz freimütig Sexismus, Rassismus und andere Diskriminierungsformen und vollzieht eine Täter-Opfer-Umkehr, indem er sich und seine künstlerische Freiheit und Redefreiheit als durch den Mainstreamjournalismus bedrängt inszeniert:

Over the last decade, media were taken over by people who think that their ideals, opinions and way of life are superior to others and so they have the mission to tell others how to live, what to think and what to do. Those people have learned that there is a very easy way of manipulating others with guilt and fake goodwill. They will tell you that you should be ashamed, because you are privileged. You are white, you are healthy, you are rich and it’s your fault that there are others who are not as lucky as you. So you must redeem those crimes by doing what those social justice warriors think will please those who are not privileged enough. And if you don’t, they will jump on you and give you a hard time. Nobody wants to be called sexist, misogynistic, rape culture supporter, and everybody kind of agrees that it’s great to help people who were not as lucky as them, so for some time this works.

The problem is that this is not enough. At the same time, these people persuade those that are not so lucky that they are victims. They make enemies out of people.“ [15]

Anlässlich eines Vortrags der Historikerin Victoria Cooper, die eine Dissertation zu „Fantasies of the North: Medievalism and Identity in Skyrim“ [16] vorgelegt hat, und darauf hinweist, dass rechte Aktivist*innen zunehmend historische Felder mit nationalen und rassischen Konstruktionen besetzen und reproduzieren [17] – sprach Vávra mit Breitbart über Kingdom Come: Deliverance: „I am making a game about the history of my country… all of a sudden there are people telling me that I should not make it as it really was, or how I as an author feel it should be, but as it should have been according to their political views.“ Hinsichtlich der bösen Mainstreammedien aka. Lügenpresse freut er sich ganz im Sinne GamerGates darüber, dass „people just found that they are often being manipulated by the media and they also found how to avoid this. Social media like Reddit, YouTube, or various ranking sites are changing the way we get trustworthy information. People are starting to believe collective wisdom of other users more than media, and if media will not change, they will get obsolete very soon.“ [18]

Auch Ondrej Malota, ebenfalls Entwickler bei Warhorse Studios, hat sich im subreddit KotakuInAction als Unterstützer von GamerGate geoutet. [19] Ein*e Schelm*in, welche*r denkt, es könne sich um ein strukturelles Problem bei Warhorse Studios handeln. Auch wenn das wohl nicht auf alle Mitglieder zutrifft. Vielleicht alles nur arme kleine beleidigte Jungs, denen niemand wirklich zuhört, was sie Tolles zu sagen haben, die selber aber auch keiner*m zuhören mögen, die*der diese Ideen hinterfragt. [20]

Kingdom Come: Deliverance wird von GamerGate übrigens auch für seine revisionistische Maskulinität gefeiert: „It is definitely a game for men, about men, set in a time where men were men were men and women appreciated them.“ Schließlich kann Mann in die Rolle eines „hero with options for seducing the local girls“ schlüpfen. [21] Und tatsächlich wird es – entgegen einem früheren Ziel der Kickstarter-Kampagne – nicht die Möglichkeit geben, eine*n nicht-männlichen Charakter*in als Hauptfigur in Kingdom Come: Deliverance zu spielen. Schließlich spielt es ja im Mittelalter, der guten alten Zeit, in der Männer noch Männer sein konnten und sie keine*r ihres patriarchalischen savoir-vivre zu schelten wagte.

… und Neo-Nazis

Zurück zu dem besagten T-Shirt. „Burzum“ ist der Projektname des norwegischen Solo-Metal-Musikers Varg Vikernes, einem Neonazi, der 14 Jahre wegen Mordes und wiederholter Brandstiftung (brannte drei Kirchen nieder) im Gefängnis saß und noch heute über seinen YouTube-Kanal eine paganistisch und nationalsozialistisch inspirierte Blut-und-Boden-Ideologie verbreitet.

Und somit fügt sich ein Bild zusammen, das abgrundtief blicken lässt. Schließlich bewirbt Vávra durch das Tragen des „Burzum“-Shirts (mindestens) Vikernes‘ Liedtexte, wohl aber auch das, wofür Vikernes als Person steht. Hier müssen sich Gamescom und funk eindeutig vorwerfen lassen, tatenlos zugesehen und rechtem Gedankengut (wenn auch indirekt) unkommentiert eine Plattform geboten zu haben. Statt einer kritischen Auseinandersetzung erntete Kingdom Come: Deliverance obendrein noch den Best PC Game Award der Gamescom 2017… [22]

Das alles zu übersehen, gelingt wohl nur, wenn mensch sich die Augen zuhält, wie die Person in der ikonischen Conceptart, die ich oben als Beitragsbild verwende. Warum die Presse und vor allem der Gamingjournalismus bisher kein Wort über diese Verstrickungen der Entwickler*innen von Warhorse Studios verliert, ist mir völlig unverständlich.

Alles „nur ein Spiel“

Warum schweigt die Spielepresse? Ist es Angst vor den GamerGate-Kreuzritter*innen? Ist es die ökonomische Notwendigkeit, ein gehyptes Spiel ebenfalls zu hypen? Oder ist es die mir unbegreifliche Vorstellung, dass die politische Haltung der Entwickler*innen sich nicht in deren Spiel niederschlagen würde?! Doch, das tut sie. Vávra hat es ja immer wieder selbst gesagt, mit jeder Äußerung, mit der er „begründete“, warum es keine nicht-weißen Personen in Kingdom Come: Deliverance geben wird. Ein Spiel ist eben nicht „nur ein Spiel“! Daniel Vávra ist ein Rassist und Sexist mit revisionistischen Geschichtsvorstellungen – und diese Vorstellungen finden Eingang in sein Spiel. Kingdom Come: Deliverance stellt das Mittelalter so dar, wie Vávra es für authentisch hält.

Die Historikerin, die hinter People of Color in Medieval European Art History steht, bringt das Verhältnis zwischen geschichtswissenschaftlichen Erkenntnissen und unreflektierten „Durchschnittsgamer*innen“ auf den Punkt:

None of this is relevant to the point that creators are responsible for what they have created. Game developers are accountable for their choice of setting, what their characters look like, and how they choose to tell a story.

The bottom line is that education is not a cure for racism. Individuals choose what stories they think are interesting, that they believe are worth telling, that are a reflection of themselves and how they see others. It doesn’t matter what I post here when the reader has already made up their mind. People will easily ignore facts and evidence when it opposes their fundamental belief systems.

And society will applaud this when it adheres to the status quo. The belief that ‚there were no people of color back then‘ is so entrenched in Western culture that any assumption that supports it will stand on that premise to the casual onlooker. Based as it is in white entitlement and white supremacy, it will stand against any mountain of evidence to the contrary if the reader is emotionally invested in maintaining those systems.“ [23]

Ich wünsche mir, dass Spielejournalist*innen sich weniger von vermeintlich authentischen Geschichtsdarstellungen in digitalen Spielen blenden ließen und kritischer auf die Darstellung von Geschichte in Spielen schauten, vor allem aber auch die Entwickler*innen kritischer unter die Lupe nähmen, einfach guten Journalismus machten. Denn Spiele sind keine unpolitischen Wohlfühlzonen, wie es die Aktivist*innen von GamerGate gerne hätte, sondern Abbild ihrer Entwickler*innen.

Und schade – Kingdom Come: Deliverance hätte so gut werden können. Aber wohl nur ohne Daniel Vávra als Chefentwickler.

__________________________

Alle Hervorhebungen (fett) in Zitaten stammen von mir.

[1] Vgl. bspw. Halley, Dimitry: Kingdom Come: Deliverance – 5 Dinge, die es von anderen Rollenspielen unterscheidet, Gamestar, 01.12.2017 <http://www.gamestar.de/artikel/kingdom-come-deliverance-5-dinge-die-es-von-anderen-rollenspielen-unterscheidet,3322978.html>.

[2] Philipp, Andreas: Kingdom Come: Deliverance. Schöner als die Realität?, Gameswelt, 08.03.2016 <http://www.gameswelt.de/kingdom-come-deliverance/special/schoener-als-die-realitaet,254237>, abgerufen am 11.01.2018.

[3] Peppiatt, Dom: Kingdom Come: Deliverance Is So Historically Accurate Historians Are Consulting The Dev Team, XBOX Achiements, 01.12.2016 <https://www.xboxachievements.com/news/news-25767-Kingdom-Come–Deliverance-Is-So-Historically-Accurate-Historians-Are-Consulting-The-Dev-Team.html>, abgerufen am 11.01.2018.

[4] Vgl. Pfister, Eugen: „Wie es wirklich war.“ – Wider die Authentizitätsdebatte im digitalen Spiel, AKGWDS, 18.05.2017 <http://gespielt.hypotheses.org/1334>, abgerufen am 11.01.2018.

[5] Vgl. Sigl, Rainer: Quickscope: Das Realismus-Problem – Wir wollen gar keine realistischen Spiele!, Gamestar, 01.12.2017 <http://www.gamestar.de/artikel/quickscope-das-realismus-problem-wir-wollen-gar-keine-realistischen-spiele,3323007.html>, abgerufen am 11.01.2018.

[6] Färberböck, Peter: Interview mit Warhorse Studios zu Kingdom Come: Deliverance – Deutsche Version, Adventure Corner, 18.10.2016 <http://www.adventurecorner.de/pages/617/interview-mit-warhorse-studios-zu-kingdom-come-deliverance-deutsche-version>, abgerufen am 11.01.2018.

[7] Game Two #35 | gamescom 2017 – Die Highlights der Messe, YouTube, 26.08.2017 <https://youtu.be/6ePCqQgcKoE?t=5m19s>.

[8] Der zuständige Redakteur herrfabu im Forum von RocketBeans.TV, 30.08.2017 <https://forum.rocketbeans.tv/t/game-two-35-25-08-2017/26737/85>, abgerufen am 11.01.2018.

[9] Gies, Arthur: The Witcher 3: Wild Hunt Review: Off The Path, Polygon, 13.05.2015 <https://www.polygon.com/2015/5/13/8533059/the-witcher-3-review-wild-hunt-PC-PS4-Xbox-one>, abgerufen am 11.01.2018.

[10] Vgl. Beiträge auf People of Color in European Art History die mit „Kingdom Come. Deliverance“ getaggt sind, medievalpoc.tumblr.com, <http://medievalpoc.tumblr.com/tagged/Kingdom-Come%3ADeliverance/chrono>, abgerufen am 11.01.2018.

[11] Vgl. Baker-Whitelaw, Gavia: Is a medieval video game historically accurate without people of color?, The Daily Dot, 05.02.2014 <http://www.dailydot.com/gaming/reddit-tumblr-medieval-video-game-poc/>, abgerufen am 11.01.2018.

[12] Vgl. Plunkett, Luke: Idiots Fight To Keep A Medieval Game White, Kotaku, 05.20.2014<https://kotaku.com/idiots-fight-to-keep-a-medieval-game-white-1516970808>, abgerufen am 11.01.2018.

[13] Vgl. Perry, David M.: Yes, there were People of Color in Pre-Modern Europe, A conversation with @MedievalPOC, an activist using social media to change how we see color in the past, PacificStandard, 29.12.2017 <https://psmag.com/education/yes-there-were-poc-in-medieval-europe>, abgerufen am 11.01.2018.

[14] Vgl. Otton, Andrew: An interview with Daniel Vavra: GamerGate and the gaming industry, TechRaptor.net, 12.09.2014 <https://techraptor.net/content/interview-daniel-vavra>, abgerufen am 11.01.2018.

[15] Daniel Vavra GamerGate Interview, the escapist, 10.10.2014 <http://www.escapistmagazine.com/articles/view/video-games/gamergate-interviews/12400-Daniel-Vavra-GamerGate-Interview>, abgerufen am 11.01.2018.

[16] Cooper, Victoria E.: Fantasies of the North: Medievalism and Identity in Skyrim, PhD thesis, University of Leeds 2016 <http://etheses.whiterose.ac.uk/16875/>, abgerufen am 11.01.2018.

[17] Vgl. Mrozek, Bodo: Unter falscher Flagge. Rechte “Identitäre” setzen auf Antiken-Pop. Die Geschichte ihrer Symbole dürfte ihnen kaum gefallen, PopHistory, 20.12.2017 <http://pophistory.hypotheses.org/2561>, abgerufen am 11.01.2018; Devega, Chauncey: Alt-right catches knight fever — but medieval scholars strike back, salon, 12.01.2017 <https://www.salon.com/2017/11/30/alt-right-catches-knight-fever-but-medieval-scholars-strike-back/>, abgerufen am 11.01.2018.

[18] Shimshock, Rob: Developer Speaks Out over Claim ‘Historical Accuracy’ Pushes White Supremacy in Games, Breitbart, 28.07.2015 <http://www.breitbart.com/big-hollywood/2015/07/28/developer-speaks-out-over-claim-historical-accuracy-pushes-white-supremacy-in-games/>, abgerufen am 11.01.2018.

[19] User MAATOHA: A thank you from a gamedev, reddit.com, 18.03.2015 <https://www.reddit.com/r/KotakuInAction/comments/2ziice/a_thank_you_from_a_gamedev/>, abgerufen am 11.01.2018.

[20] Vgl. Totilo, Stephen: My E3 Meeting With A Pro-GamerGate Developer, Kotaku, 07.02.2015 <https://kotaku.com/my-e3-meeting-with-a-pro-gamergate-developer-1715511964>, abgerufen am 11.01.2018.

[21] Quatermain, Allan: Will Kingdom Come: Deliverance Be The Most Masculine Game In 2015?, Reaxxion, 22.12.2014 <http://www.reaxxion.com/3294/will-kingdom-come-deliverance-be-the-most-masculine-game-in-2015>, abgerufen am 11.01.2018.

[22] Vgl. Pressemitteilung Nr. 30: gamescom 2017 – Gewinner gamescom Award , gamescom.de, 24.08.2017 <http://www.press1.de/wrapper.cgi/www.press1.de/files/kmeigen_kmpresse_1503596395.pdf>, abgerufen am 11.01.2018.

[23] People of Color in European Art History: Kingdom Come and Related Debacles: Epilogue, medievalpoc.tumblr.com, 2016 <http://medievalpoc.tumblr.com/post/112158952123/kingdom-come-and-related-debacles-epilogue>, abgerufen am 11.01.2018.

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101 Kommentare zu „Das „authentischste“ Historienspiel aller Zeiten?! Die gewaltige Schräglage von „Kingdom Come: Deliverance““

  1. Es gibt in dem Artikel so einige Probleme, leider, die das eigentlich ehrbare Ansinnen untergraben.
    So zu tun, als ob die Gamingpresse die Ansichten Vavras ignoriert, dann aber selbst Artikel zu zitieren, in denen sie diskutiert werden, wie ein Artikel auf Kotaku von 2015(!) ist schon etwas merkwürdig.

    Zum anderen sind leider die verlinkten Artikel zur Präsenz von POC in Europa im Mittelalter nicht weniger grob vereinfachend und wissenschaftlich-handwerklich extrem schwach als Vavras Position. Da wird zum einen eines der Grundwerkzeuge seriöser Wissenschaft, die Statistik, sträflich vernachlässigt. Die Tatsache, dass im Mittelalter z.B. „Schwarze“ in Europa gelebt haben, sagt alleine nichts darüber aus, ob in einer bestimmten Stichprobe ihre Beobachtung zu erwarten gewesen wäre. Nur zum Vergleich – die Ansicht „Es kamen schon Terroristen als Flüchtlinge, daher ist zu erwarten, dass ich, wenn ich auf Flüchtlinge schaue, Terroristen darunter sehen muss“ folgt präzise der gleichen Logik. Dass diese gänzlich ungeeignet ist, gegen Rassismus zu argumentieren, sollte offensichtlich sein.

    Zum anderen wird dann z.T. noch Bildmaterial als Beleg herangeführt, ohne sich damit zu beschäftigen, was überhaupt dargestellt wird. In einem Fall bei MedievalPOC handelt es sich um eine Szene in Äthiopien -spezifisch die Missionierung von Matthäus in Afrika. Was diese daher belegen soll, ausser dass dem Künstler geläufig war, dass die Menschen in Äthiopien eine dunklere Hautfarbe haben, ist das Geheimnis des Autors.
    Und das ist das tragische an der Diskussion. Bei Vavra kann ich sagen „Der Mann ist kein Wissenschaftler und plappert halt Folklore nach“. Bei den verlinkten Artikeln muss ich sagen – von Leuten mit Doktortiteln, von Experten auf ihrem Gebiet, hätte ich besseres erwartet. Wer derart schlampig argumentiert, tut der Debatte keinen Gefallen und untergräbt nur ein eigentlich ehrbares Anliegen.

  2. Sehr geehrter Herr Heinemann,

    ich habe ihren Beitrag zum Thema „historische Authentizität in Kingdom Come: Deliverance“ ausführlich gelesen und möchte meinerseits dazu Stellung beziehen.
    Zu meinem Hintergrund möchte ich zunächst angeben, dass ich einen B.A. in Geschichtswissenschaft im Sommer 2009 absolviert habe mit Schwerpunkt auf Weltgeschichte/Area Studies. In Folge habe ich meine doch sehr kritische Perspektive erweitert und einen weiteren B.A. in Kulturwissenschaften mit Schwerpunkt der Religionswissenschaft im Jahre 2012 erlangt. Weiterführend habe ich einen M.A. in Religionswissenschaft absolviert. Dabei war ich besonders mit kritischen Perspektiven auf sogenannte historische Meistererzählungen, also jene Darstellungen, die grob vereinfachend historische Lebensrealitäten als reale Annäherungen an die historische Wirklichkeit darstellen. Diesbezüglich habe ich viele Arbeiten zur Seidenstraße und Asienwissenschaften im Vergeich zur europäischen Geschichte verfasst. D.h. ich war stets damit beschäftigt eine kritische Perspektive auf Quellen zu pflegen. Diesbezüglich war ich auch mit neueren Perspektiven bzgl. Eurozentrismus oder der Gendertheorie durchgehend vertraut, habe diese kritisch in meine Arbeit einfließen lassen. Insofern bin ich mit einem Großteil des Handwerkszeug mit welchem sie ihre Kritik formulieren durchaus vertraut und wende diese ebenfalls akademisch an. Besonders neuere Forschungen zur Seidenstraße und der aktive Austausch zwischen Kulturen und Menschen entlang verschiedenster Kontinente sind mir sehr vertraute Arbeitsgebiete. Ein anderes Feld sind historische Kamfkünste auf internationaler Ebene und deren Verbindung mit Kultur. Insofern ist die Kampfmechanik um Talhoffer eine andere Baustelle und soll hier kein Thema sein.
    Mein Posting wird eine gewisse Länge und leider auch eine gewisse Schärfe aufweisen, der sie sich allerdings stellen müssen. Ich hoffe daher, dass sie das entsprechende Interesse, Durchhaltevermögen, aber auch die notwendige selbstkritische Haltung pflegen, um meine kritischen Punkte entsprechend wahrnehmen zu können.

    Nun möchte ich aber von einer Selbstdarstellung zum Thema kommen:

    Ihre Kritik ist unsachlich und von subjektiver Natur. Sie versuchen hier eine Debatte, die rein akademischer Natur ist in ein populärkulturellen Kontext zu integrieren. Daher sind ihre Argumente auch nur populärwissenschaftlicher Natur. Computerspiele sind kein Medium, dass man damit beauftragen kann, historische Wirklichkeit abzubilden – auch wenn der Entwickler das vorgibt. Ebensowenig wie Romane, Literatur, Filme oder andere populäre Unterhaltungsmedien. Spieletester oder Zeitschriften sind ebenfalls nicht die Professionen, die sie damit beauftragen können bei einem Spiel eine historisch-kritische Perspektive einzunehmen, weil die Kompetenzen dazu i.d.R. nicht vorhanden sind. Unterhaltungsmedien als Kulturgut bilden lediglich einen subjektiven Bezugsrahmen der Ersteller bzw. der Kultur aus welcher sie stammen ab und dieser muss nicht gerechfertigt werden. Sie sind nicht zu rechtfertigen, da sie auf kogntitive Erfahrungen beruhen, wenngleich diese subjektiv sind. Man kann dieses im privaten kritisch wahrnehmen und damit ist dann auch der Sache Genüge getan. Die eigene subjektive kritische Perspektive auf andere zu übertragen ist vollkommen legitim, aber sollten sie dabei immer im Kopf haben, dass diese gleichermaßen subjektiv ist. Die Kompetenz die Inhalte eines Spieles kritisch zu betrachten obliegt dem Spieler selbst und nicht der subjektiven Kritik von außen, oder gar einer akademischen Kritik von Spieletestern, so wie sie dieses hier fordern. Es ist eine rein akademische Debatte und sollte es auch bleiben.
    Diesbezüglich möchte ich sehr konkret auf ihre Darstellung eingehen, aus welcher sie Kritikpunkte an Herr Vavra und auch das Spiel als solches tragen:

    Ihre Hauptthese ist wenn ich es richtig verstanden habe folgende:
    Vavra sei ein nationalistischer und rassistischer Geschichtsdeuter, der von einem weißen Mittelalter ausginge und eine solche Darstellung als seinen nationale Status Quo darstelle. (Das kann man so vorwerfen – ist aber keine sonderlich große intellektuelle Leistung – ich verwende hier den Konjunktiv, weil ich sie wiedergebe)

    – Das Vavra nur ein populärwissenschaftliches Bild des europäischen Mittelalters hat hätten sie auch vorher wissen können, weil er eben nur ein Software Entwickler ist. Selbst wenn er „Authentizität“ vorgibt – er ist nur ein Softwareentwickler. Wer einem solchen Kompetenzen in Geschichtsdarstellung einräumt ist selbst Schuld. Von Journalisten der Branche gleiches zu verlangen ist ebenfalls unsinnig. Wenngleich Vavra Eurozentristiker ist so ist die Assoziation mit neonzaistischer Propaganda eines „weißen Europa“, oder Frau Coopers These, es gäbe Szenen, die mit Computerspielen aktiv eine supernationalitische „nordische/geramanische“ Welt propgagierten vollkommen unsachlich.

    – Ich empfehle ihnen die Arbeit von Frau Cooper näher zu lesen. Es gibt bereits einige Rezensionen zu ihrer Dissertation und sie ist methodisch mehrfach dafür kritisiert worden keine vergleichende Perspektive einzunehmen und anhand eines Einzelphänomens eine vermeintliche Gesetzmäßgkeit dieser Spielgenres anzunehmen. Zumal sie rein auf literaturwissenschaftliche Methodik zurückgreift und kaum historische Methodik berücksichtigt, ebenso keine weiteren kulturwissenschaftlichen Methoden bezüglich Idenitätsbildung und deren enge Verbindung mit Geschichtsschreibung. Sie argumentiert rein induktiv.

    – Wie gut ist eigentlich ihr Kenntnisstand bezüglich historischer Quellen zum Thema „nicht-weiße“ im historischen Mittelalter – konkreter für die Region in welcher das Spiel spielt? Würde es etwa in Katalonien spielen empfände ich es ebenfalls als krassen Unfug hier keine Menschen mit anderer Hautfarbe darzustellen. (gutes Beispiel Hidalgos in der neuen Welt, auch vereinzelte Ex-Sklaven die eben jenen Rang per Privileg erhielten. Oder auch einen dunkelhäutigen, der als Passagier/Schiffsmann in Japan zum Samurai wurde)
    Es ist vollkommen richtig, dass auch im heiligen römischen Reich deutscher Nationen Menschen anderer Hautfarbe lebten. Allerdings waren diese enorm spärlich und in der Region in welcher das Spiel angesiedelt ist wäre das Antreffen einer solchen Person einem 6er im Lotto gleich. Und wenn entgegen jeder Wahrscheinlichkeit doch, dann werden sie ihn nicht als freien Mann dort antreffen, sondern als Sklaven, Leibeigenen oder in sonstiger Funktion. Die Quellenlage ist diesbezüglich relativ eindeutig.
    Einen kontären Anspruch an ein Computerspiel und dessen Entwickler heranzutragen ist unsinnig und entbehrt jegliche Grundlage. Außer der ebenfalls kritischen Perspektive, welche Cooper auch pflegt, man könne daran eine rassistische oder supernationalistische Propaganda ablesen. Da können sie auch der deutschen Mittelalterszene einen latenten Supernationalismus vorwerfen, weil diese Vorzugsweise keine „nicht-weißen“ des Mittelalters n ihre Darstellungen aufnehmen – das wäre gleichermaßen unsachlich.

    Alles in allem kann ich nachvollziehen, dass sie den Anspruch von historischer Authentizität kritisch sehen, aber den riesigen Rattensschwanz, den sie anhand bewusst pointierten Fakten über den Entwickler, unter Zuhilfenahme einer umstrittenen Literaturwissenschaftlerin, konstruieren ist – sie verzeihen mir den Vorwurf – populistischer Unsinn. Anders würde es Aussehen, wenn sie z.b. Informationen hätten, dass rechtsradikale Finanziers Vavra unterstützen würden. Dann wäre alles vollkommen legitim. Ansonsten kann er als Künstler frei darstellen was er will, so lange er dabei nicht gegen die Gesetze seines Landes verstößt. Sie treten damit keine einzige Debatte los, die von Nachaltigkeit geprägt wäre und auch nur den geringsten Einfluss auf diese Geschichtsbilder hätte. Alleine deswegen, weil sie an falscher Stelle ansetzen. Auch findet keine Betrachtung darüber statt warum besonders in den letzten 25 Jahren verstärkt Bestrebungen in Europa zu Nationalismen und Supernationalismen auftauchen und diese auf große Zustimmung stoßen. Das sind sehr komplexe Zusammenhänge, die auch mit einer bestimmten Kontingenzbewältigung einhergehen.

    Was wäre nach dieser scharfen Kritik mein Vorschlag:
    Im Endeffekt stören eben solche Übertragung von akademischen Forschungsfeldern in die Populärkultur die Arbeit von uns Akademikern enorm. Es ist so schon enorm schwierig die Themencluster sorgfältig zu bearbeiten. Wenn neben der faschen Vorstellung von Geschichte dann noch eine zusätzliche, nicht weniger unsachliches Verständnis von Methoden des kritischen Umgangs vorherrschen, ist jegliche Verbreitung guter wissenschaftlicher Arbeiten vergebene Mühe. Den dort wird ein methodischer Fehler zum Standard, dem auch sie anheim gefallen sind: Sie übertragen gegenwärtige soziale Bezugsrahmen in die Vergangenheit. Ich empfehle diesbezüglich Lektüre zur Theorie der Multiperspektivität.

    Wenn ihnen das Thema so viel bedeutet, dann lade ich sie eher ein in akademischen Kreisen tätig zu werden und auch dort ihre Bestrebungen anzubringen. Was Spielezeitschriften oder Spieleentwickler denken ist letztlich egal. Ihre Reichweite ist begrenzt. Nicht aber die akademischer Verbände, welche letztlich erst Wissen erstellen.

    Ansonsten bleibt nur eine Interpretation ihres Blogbeitrages übrig:
    Ein Computerspiel, dass historische Authentizität beansprucht stimmt nicht mit ihrem subjektiven Verständnis von Moral und Geschichtsrealität überein, und um dieser subjektiven Projetion Gehör zu verleihen interpretieren sie eine breitere gesellschaftspolitische Bedeutung hinein, die mit negativ konotierten Phänomenen assoziiert wird.

    Plakativ und in weniger akademischen Worten
    A mag B nicht und prangert A deswegen als Hexe an, weil sich ansonsten keine Sau für B´s Kritik an A interessiert.

    PS: Sie werden sich fragen, warum ein Akademiker sich überhaupt für solche Debatten um Computerspiele und Kritik an solchen interessiert. Die Antwort ist sehr simpel: Ich muss derzeit zwei Bachelor-Arbeiten abnehmen, die unter anderem Kingdom Come: Deliverance als Quelle angeben. In diesem Kontext bin ich auf die von ihnen angestoßene Debatte gestoßen. Sie werden daher hoffentlich Respekt dafür haben, dass ich meinen Namen nicht korrekt angebe und ihnen nicht meine dienstliche E-Mail zur Verfügung stelle, da diese meinen Namen enthält. Allerdings können sie bei Interesse gerne meine hier angegebene private E Mail nutzen.

    1. > Was Spielezeitschriften oder Spieleentwickler denken ist letztlich egal. Ihre Reichweite ist begrenzt. <

      An DER Aussage würde ich zweifeln.
      Gerade heutzutage, wo mittels viraler Aktionen Gedankengänge recht fest im Durchschnittsbewusstsein verankert werden, würde ich behaupten, dass u:U. Spielezeitschriften und Spieleentwickler weit mehr Reichweite entwickeln, als man ihnen im Durchschnitt zuordnen würde.

    2. Liebe*r Anonymous,

      danke für den langen Kommentar (den ich heute Morgen, warum auch immer das System ihn dort abgelegt hat, im Spam-Ordner entdeckt habe). Ihre Entscheidung der Anonymität kann ich trotz der genannten Gründe nicht gänzlich nachvollziehen – respektiere sie aber.

      Sie haben recht, der Beitrag ist polemisch verfasst, es handelt sich aber nicht um einen akademischen Beitrag, sondern eben einen polemischen Kommentar, der eine Debatte anstoßen sollte – was dann ja auch gelungen ist. Hätte es ein wissenschaftlicher Beitrag werden sollen, so hätte ich ihn anders verfasst, anders belegt, auf einer anderen Plattform veröffentlicht.
      Sie haben vollkommen recht, dass digitale Spiele nicht mit einer akkuraten Repräsentation der Vergangenheit beauftragt werden können. Leider werden sie aber noch immer von Entwickler*innen und sehr intensiv auch der Fachpresse, also dem Gamingjournalismus, als „akkurat“, „authentisch“, „realistisch“ beworben. Warum eine Kritik daran akademischer Natur sei und darum, wie Sie sagen, exklusiv in den akademischen Diskurs gehöre, kann ich nicht nachvollziehen. Denn: Digitale Spiele sind DAS Massenmedium des 21. Jhd., haben damit wohl einen wesentlich stärkeren Einfluss auf die Geschichtsbilder ihrer Konsument*innen als populärhistorische Darstellungen in Büchern und Filmen, sie sind Kulturgut und als solches müssen sie auch behandelt und kritisiert werden. So wie auch die politischen Aussagen in Büchern und Filmen analysiert und mit den Haltungen ihrer Autor*innen kontrastiert werden. Nun sind digitale Spiele noch immer ein recht junges Medium, aber das ist doch nur ein Grund mehr, eine intensive Auseinandersetzung damit zu fordern, wie sie die Welt abbilden und vermitteln. Eine Debatte also, die nicht im Elfenbeinturm, sondern in der Öffentlichkeit geführt werden muss.

      Nun ganz so ist die Quellenlage allerdings auch nicht, dass man sich allen ernstes hinstellen und postulieren kann, es habe in ganz Europa im Mittelalter keine POC gegeben, um dann eine quellenbasierte Kritik an dieser Aussage als Überregulierungswahn von Social Justice Warriors abzutun. Das entspricht vielmehr dem noch immer weit verbreiteten Mythos des exklusiv weißen Mittelalters. Dieser Konnex ist es doch, den ich kritisiere. Wenn eine bestimmte Interpretation bzw. Deutung der Vergangenheit vorgenommen wird und sich Entwickler*innen für die eine oder andere entscheiden, dann sollten sie das transparent machen und auch in den Spielen darauf hinweisen, dass es eben auch andere Deutungen gibt – und nicht einfache, aber schwerwiegende historische Wahrheiten postulieren.

      Zu Cooper und MedievalPOC: Ihre Einwände sind mir klar, ich habe diese Verweise angeführt, weil die entsprechenden Publikationen in der Debatte der letzten ca. vier Jahre um/mit Vávra an einschlägigen Stellen eine bedeutende Rolle spielen. Außerdem sind die Phänomene, die Cooper beschrieben hat (ungeachtet der methodischen Kritik), bei GamerGate und anderen Communities durchaus zu beobachten.

      Eine fehlende Auseinandersetzung mit dem Erstarken rechts-nationaler Positionen in der jüngeren Vergangenheit in dem Beitrag zu bemängeln, finde ich fehl am Platze. Eine solche Bandbreite kann ein Blogbeitrag nicht leisten. Nichtsdestotrotz ist dies natürlich ein wichtiges Thema und ich sammle bereits seit einiger Zeit Hinweise und Literatur zu diesem Thema in Bezug auf digitale Spiele. Vielleicht wird ein Beitrag dazu ja demnächst in anderer Form und an anderer Stelle erscheinen.

      Viele Grüße

  3. […] So gut wie jeder Gamer dürfte momentan die Debatte um Kingdom Come: Deliverance mitbekommen haben: Der sehr lesenswerte Artikel von lepetitcapo (wer ihn noch nicht gelesen hat: hier nachholen!) hat auf die, gelinde gesagt, sehr merkwürdigen Ansichten des Chefentwicklers hingewiesen und deshalb hinterfragt, inwiefern das Spiel auch das Bild von einem „weißen Mittelalter“ transportieren soll. Dieses Bild wird gerade von rechten Gruppierungen nämlich immer wieder gerne herangezogen, um eine „Reinheit“ des europäischen Kontinents zu konstruieren, die es (auch heute noch) zu bewahren gelte. […]

  4. Ich habe in meinem Geschichtsunterricht nichts von ausländischen Zuwanderern im mittelalterlichen Polen gelernt. Kann mich bitte jemand mit Quellen versorgen, die mir näher erläutern könnten, warum das Spiel jetzt so schlecht gemacht wird?

  5. Mir ist egal, was dieser Mensch für Ansichten hat, und dieses Recht reklamiere ich für mich nicht weniger als jene, die in ihrem „Kampf gegen Rechts“ geflissentlich die illiberalen Ansichten oder gar Verbrechen ihrer Mitstreiter und Idole ignorieren.

    Was den Inhalt des Spieles angeht, schaltete ich schon während den ersten Zeilen dieses Artikels in den Facepalm-Modus. Er passt freilich gut in eine Zeit, in der sogar „Onkel Tom’s Hütte“ – ein Buch, das sich gegen Rassismus und Sklaverei ausspricht – auf dem Index der Öffentlichkeit landet, weil sich die Antagonisten rassistischer Begriffe bedienen. Man hat es doch ernsthaft geschafft, in Sachen Logik durch 0 zu dividieren und eine diskriminierende Wirkung aus der Realität zu konstruieren.

    Auch Ihr strickt einen Skandal, wo keiner ist und bedient Euch Methoden, die wissenschaftlich fragwürdig und auf kommunikativer Ebene kindisch sind. Die überwältigende Zahl der Einwohner Böhmens im fünfzehnten Jahrhundert waren Weiße. Die überwältigende Zahl der Entscheider und Krieger waren Männer. Daran ändert auch Euer pseudowissenschaftliches „Ja, aber, was ist mit…?“ nichts. Was ist bitte sehr daran verkehrt, diese Fakten korrekt umzusetzen? Und warum muss irgendein Fiktives Werk überhaupt jede demographische Gruppe ansprechen? Werdet Ihr demnächst eine Jazz-Quote in jedem Pop-Song fordern, gewissermaßen als Maßnahme der Inklusion?

    Warum kommt mir beim Schreiben dieser Zeilen eigentlich der Gedanke, Ihr hättet Euch wohl allesamt auch ereifert, wenn exakt 1 weiblicher bzw. farbiger Protagonist vorgekommen wäre, und etwas von Alibi-Versatzstücken dahererzählt? Den Spielemachern Unaufrichtigkeit vorgeworfen?

    Was noch bedeutend schlimmer ist, Ihr tut all dies, bevor irgendjemand das Spiel in seiner Gesamtheit mit all seinen Inhalten zu Gesicht bekommen hat. Mit solch einer Einstellung braucht Ihr Euch nicht zu wundern, dass Ansichten, die Ihr nicht gutheißt, weiter an Kraft gewinnen. Ihr seid es, die an Trump und Co. schuld sind, denn Ihr habt mit Eurem überheblichen Anspruch auf moralische Deutungshoheit und erhobenen Zeigefingern eine Menge Menschen, die einfach nur in Ruhe gelassen werden wollen, in deren Arme getrieben. Seid stolz auf Euch.

    Um dem geistigen Niveau Eures Diskussionsbeitrages zu entsprechen: Ich werde mir „Kingdom Come: Deliverance“ kaufen, und es meinem Bekanntenkreis empfehlen. Da, das war genauso affig.

  6. Dunkelhäutige Menschen gabs hier im MIttelalter Mitteleuropas definitiv nicht im Alltagsleben.
    Auch als Sklaven nicht (man berichtige mich, wenns anders ist).
    Die einzigen „Schwarzen“ waren Leute im Gefolge des Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen, die er mitbrachte, als er seine sehr aufsehenerregenden Besuche hier machte.
    Ansonsten waren diese Leute echte Sensationen und eher Jahrmarktsattraktionen.
    Wenn ich an den „Parzifal“ denke, wo der berühmte Feirefiz mit der Haut einer Elster bekleidet, also schwarz-weiss gefleckt auftaucht, weil er eine dunkelhäutige Mutter hat…das spricht nicht für die Häufigkeit des Farbigen.
    Ich sprach jetzt vom richtigen schokobraun bis schwarzen Menschen.
    Eher gab es „Sarazenen“ oder Mittelmeerraum-Bewohner. Und so könnte man im Spiel als Byzantiner oder moslemischer Diener, Arzt oder Söldner im Gefolge des Herren Kaisers auftreten oder als Söldner des Löwenherz (der hatte Mauren in seinen Reihen).
    Achso, ja, und es gab nachweislich einen moslemischen Ritter…Friedrich II. machts möglich.

  7. […] Während manche Indie-Games auch mal die heiklen Themen anfassen und spielerisch erfahrbar machen, ist dies in der Breite der Branche viel zu selten der Fall. Und selbst wenn politisch oder gesellschaftlich brisante Aspekte sich in einem Game wiederfinden, wird oft durch Achselzucken auf den Unterhaltungsanspruch und eskapistische Funktion des Mediums verwiesen. Doch wie es bei der im Januar geführten Diskussion (beispielsweise hier https://lepetitcapo.wordpress.com/2018/01/13/das-authentischste-historienspiel-aller-zeiten-die-gewaltige-schraeglage-von-kingdom-come-deliverance/ oder hier http://www.gamestar.de/artikel/kingdom-come-deliverance-die-reaktion-auf-die-rassismus-vorwuefe,3324854.html) um das Rollenspiel „Kongdom Come: Deliverance“, dessen Darstellung eines mittelalterlichen Settings, die Eindimensionalität der Fachpresse und das T-Shirt des Chef-Entwicklers Daniel Vavra beweist, es ist auch hier Bewegung im Diskurs.
    Trotz der Möglichkeit, den Alltag mit allen problembehafteten Diskursen verlassen zu können, sind Games mehr als pure Unterhaltung. Gerade die audiovisuelle Gestaltung und die Interaktivität ermöglichen eine immersive Erfahrung und damit auch eine andersartige Auseinandersetzung mit Rollen, politischen und gesellschaftlichen Themen. Und somit bleibt die Hoffnung, dass sich die Branche ihrer Verantwortung stärker bewusst wird und nicht davor scheut, auch mal anzuecken und klare Haltung zu beziehen. […]

  8. […] Wer im Januar nicht gerade eine Twitter-Pause eingelegt hat und sich für Gaming interessiert, hat diesen guten und wichtigen Artikel des Historikers Jan Heinemann zur Problematik um das Mittelalter-RPG „Kingdom Come: Deliverance“ längst mitbekommen. Das Spiel wird exzessiv als „historisch authentisch“ vermarktet, während sein Lead Designer offenbar Konzepten von einem „rein weißen europäischen Mittelalter“ anhängt, die eine lange rechte Tradition haben. […]
    Die erste Folge des Diskussionsformats des ArchaeoGames-Podcasts benutzt zwar auch die „Kingdom Come“-Debatte als Aufhänger, geht aber einen Schritt weiter, weshalb ich sie hier noch einmal gesondert nennen möchte. Dom Schott diskutiert mit der Politikwissenschaftlerin Carolin Wendt und Jan Heinemann über das Problem von Authentizität, Medienkompetenz und politische Einflüsse und hebt damit denke ich die Debatte ein wenig auf die allgemeinere Ebene, für die „Kingdom Come: Deliverance“ nur ein extremes Beispiel ist. Wenn ihr etwas sucht, womit ihr langfristig etwas aus der Debatte mitnehmen könnt, dann das. […]

  9. […] Insert Moin Free4All heute mit der freien Folge der Woche und unserer Debatte um die Vorwürfe an Kingdom Come Deliverance. Wie jeden Sonntag inklusive unseres kleines Sonntagsbrunches zur Kalenderwoche 4: Was war diese Woche los bei Insert Moin und über welche Themen und Spiele haben wir gesprochen – das alles in der Zusammenfassung mit Micha und Daniel. […]

  10. Ich schwankte übrigens während des Lesens des Artikels die ganze Zeit zwischen Belustigung und Unmut.
    Belustigung deshalb, weil ganz zu Beginn, bei meinem Anschauen des Kickstarter-Trailers zum Zeitpunkt der Finanzierungs-Kampagne meine Menschenkenntnis mit meinem Vorurteils- und Klischee-Pool korrespondierte und Vavra unsympathisch fand. Dies, weil er in einem Teil des Videos eine Jacke mit Tarnmuster und Armee-Schnitt trug, und sowohl sein Bart als auch seine Sprache, Gestik, sein Gang und das, was er wie sagte, mich zu der emotionalen Entscheidung/Einstellung brachte, Vavra wäre eher rechte Hand eines Nah-Ost-Warlords als ein typischer Spieleentwickler, wie man sich ihn normalerweise so vorstellt. Witzigerweise findet sich dieses Vorurteil (oder vielleicht doch unbewusst auf Grund guter Menschenkenntnis fundierter gefälltes Urteil?) ausgerechnet in einem Artikel gestützt/bewahrheitet, in dem es um Vorurteile (Rassismus) Vavras geht. Das war die heitere Seite.

    Der Unmut bezog sich auf den Anspruch des Artikel-Autors, Spiele müssten politisch korrekt sein, und die Behauptung, das Fehlen eines farbigen Charakters im Spiel ließe DIREKT auf übergroßen Einfluss rassistischer Einstellung durch den Chefentwickler schließen. Dem ist aber nicht so. In erster Linie deutet das Fehlen eines farbigen Charakters in einem Spiel lediglich darauf hin, dass der jeweilige Entwickler Farbige einfach nicht auf dem Schirm hat, wenn er an sein Spielthema denkt. Das ist alles.

    Nur hier, im vorliegenden Fall, kann man UMGEKEHRT, also im Rückschluss, mutmaßen, dass das Fehlen farbiger Charaktere Absicht sein könnte. Das ist aber eben nicht das Gleiche.

    1. Nun, Vávra wurde aber immer wieder auf diesen Umstand angesprochen, dass er es nicht auf dem Schirm gehabt haben soll, ist also unsinnig.
      Außerdem verlange ich nicht, dass das Spiel „politisch korrekt“ sein soll – auch ich unterstütze die künstlerische Freiheit im Rahmen einer pluralistischen demokratischen Grundordnung. Das bedeutet aber wiederum nicht, dass Vávra oder die Darstellung der Vergangenheit im Spiel nicht kritisierbar seien – gerade das Gegenteil ist der Fall. Wir müssen mehr darüber sprechen, warum Vergangenheit in digitalen Spielen (Filmen, usw.) wie dargestellt wird und dekonstruieren, welche Gründe das hat: Anknüpfung an geschichtskulturelle Vorstellungen/Geschichtsmythen oder politische Haltung der Entwickler*innen oder beides. Das gehört für mich zu gutem Journalismus dazu.

      1. Naja, Vavra wurde darauf angeprochen, als Story und Konzept des Spiels schon längst fest standen. Da hätte ich persönlich auch nichts mehr eingebaut, was für das Erzählen der Geschichte nicht unbedingt notwendig ist, der Atmosphäre nichts hinzu fügt, dem Spiel insgesamt nicht hilft, dafür aber in der vernünftigen Implementierung Arbeit macht. Zumal dann, wenn die eigenen Recherchen bereits ergeben haben, dass in dem Gebiet, um das die Geschichte kreist, es keine Nicht-Weißen außer den bereits im Spiel vorkommenden gegeben hat.

        >Außerdem verlange ich nicht, dass das Spiel „politisch korrekt“ sein soll Das bedeutet aber wiederum nicht, dass Vávra oder die Darstellung der Vergangenheit im Spiel nicht kritisierbar seien – gerade das Gegenteil ist der Fall. <
        Klar darf man das Spiel kritisieren. Um das aber eben konstruktiv zu tun, war die Formulierung im Artikel viel zu scharf. Das ist, was ich meinte, als ich schrieb, man müsste im fertigen Spiel erst mal sehen, was und wie viel an eventuell Nazi-Gedankengut zurechenbaren Inhalten wirklich darin auftaucht. Die fehlenden Farbigen reichen eben nicht, um so harsch auf's Feld zu springen.

        Wir haben heute allgemein das Problem, dass der mathematisch korrekte Satz "es ist ja nicht alles schlecht …" automatisch, unreflektiert und undifferenziert als unzulässige Relativierung und Lüge abgetan und dem Aussprechenden unterstellt wird, er fänden den nicht guten Rest auch toll. Und dann wird eben nicht weiter über den auslösenden Punkt diskutiert. Im hier vorliegenden Fall bedeutet das, dass Vavra durchaus ein sehr gutes Nicht-Nazi-Spiel machen kann, selbst wenn er selber – kritikwürdig – Sympathisant einer solchen Szene wäre. Es wäre also falsch, das Spiel als schlecht zu bezeichnen (wie im Artikel geschehen), nur weil eine allgemeine vorherrschende Vorstellung des weißen Mittelalters Eingang darin gefunden hat. Das dient der Sache nicht. Denn Ziel soll ja sein, allgemein vorherrschende Vorstellungen, die unzutreffend sind, Stück für Stück (und nur so geht es) zu ändern.

      2. Andererseits hat erst die Polemik des Beitrags dafür gesorgt, dass nun wieder mehr darüber diskutiert wird, wie Vergangenheit in digitalen Spielen dargestellt wird. Und nochmal: Ich habe nie gesagt, dass Vávra ein Nazi sei. Diesen verharmlosenden Wortgebrauch finde ich gefährlich.
        Und dennoch hat die Polemik des Beitrags dazu beigetragen, dass recht breit über die Art und Weise diskutiert wird, in der Vergangenheit in digitalen Spielen dargestellt wird und welche politischen Hintergründe das mitunter haben kann.

      3. >Andererseits hat erst die Polemik des Beitrags dafür gesorgt, ……Ich habe nie gesagt, dass Vávra ein Nazi sei. <
        Nein, direkt nicht.

        Aber mal weg vom Feindbild des Rassisten. Beim Nachdenken über das Thema Rassismus, weißem Mittelalter im Kollektivbewusstsein, dem Stichwort Nicht-Berichterstattung und einem Titel im Radio fiel mir auf: Warum darf eigentlich Peter Fox in seinem Lied "Haus am See" unhinterfragt "..die Mamas kochen" singen. Auch das geht einfach so durch, und kein Radiomoderator merkt irgendetwas dazu an. Es gibt sehr viele Dinge im Kollektivbewusstsein, die nirgends offen in Frage gestellt werden. Was uns dann wieder zurück zu der Frage bringt: Welche Verantwortung haben Medien (hier speziell Spielezeitschriften)? Und welche Möglichkeiten bzw. welchen Rahmen haben sie, eine solche Verantwortung wahrzunehmen? Und wie weit erstreckt sie sich?
        Muss ein Spielzeitungs-Journalist die T-Shirts seiner Interviewpartner googeln? Wer zahlt die dafür notwendigen Kapazitäten? Interessiert das die Leser überhaupt? Oder vergrault es sie, falls öfter irgendwelche kritischen Töne zu Spielemachern auftauchen?

      4. Sehr richtig. Damit kommen wir dann zu sehr allgemeinen Fragestellungen, die die Gesellschaftsform an sich betreffen, bzw. sogar welche Vorstellungen vom guten Leben wir haben. In meinen Augen haben sie die Verantwortung (wie alle journalistischen Formate), kritisch zu hinterfragen und damit Angebote für eine reflektierte Meinungsbildung zu bieten. Die ökonomische Frage ist für mich immer eine nachgeordnete, erst muss geklärt sein, welche Ansprüche es gibt, und dann, wie sie umgesetzt werden können. Andernfalls rutscht die Debatte schnell in essenzialistische Argumentationen und die Gaukelei der neoliberalen Alternativlosigkeit ab.

  11. Würde ein afrikanischer Schwarzer ein Rollenspiel mit Setting Simbabwe im Jahre 1600 machen, käme in dem Spiel wahrscheinlich auch kein Weißer vor. Und mich als (weißer, europäischer) Spieler würde das weder stören, noch käme es mir seltsam vor.. Der Autor wäre schließlich Schwarzer, also würde er für das Spiel die ihn meist prägenden Leute als Vorlage für seine Figuren nehmen. Die dürften alle schwarz sein, davon ginge ich aus. Und wenn tatsächlich ein Weißer vorkäme, wäre das so skurril, dass es schon wieder eher komisch als normal wirken würde, obwohl es recht sicher auch zu der Zeit schon ein paar Weiße dort gab. Aber im Erfahrungshorizont der Leute zu der Zeit kamen sie nicht vor. Es gab sie praktisch nicht. Genau diesen Erfahrungshorizont würde der schwarze zeitgenössische Spielentwickler mit hoher Wahrscheinlichkeit auch seinen Protagonisten unterstellen.
    In einem Interview würde der Entwickler vermutlich, wenn er nicht so furchtbar pfiffig und der scharfen Logik eher abgeneigt wäre, sagen, dass es ja auch gar keine Weißen zu der Zeit im Land gab. Wenn er mehr Bildungsbürger und der scharfen Logik zugetan wäre, würde er sagen, dass es ganz genau genommen sicher auch Weiße zu der Zeit im Land gab, dass das aber für das Spiel und die Story, die da erzählt werden soll, völlig wumpe ist.

    Und genau das würde ich – vorab vor Erscheinen und vor dem Spielen – auch sagen: Es ist mir völlig gleichgültig, ob in dem Spiel nun Farbige vorkommen oder nicht, ob die Frauenrollen nun stark sind oder nicht. Ich erwarte es nicht. Genauso wenig, wie ich in einem chinesischen Karate-Film Europäer erwarten würde. Kommen nicht vor, werden aber auch nicht gebraucht, um die Geschichte zu erzählen. Ein eventuell propagierter Realismus bezieht sich auf die Kampftechnik und die während des Films gezeigten Reissorten und Bauernhüte und -hütten, nicht auf die Ethnien.

    Solange also wirklich sonst nichts sichtbar wird im fertigen Spiel, würde ich sagen, dass der Autor lepetitcapo übertrieben hat, und Vavras Überzeugung nicht im schädlichen Übermaß (und darum geht’s ja) eingeflossen ist. Solche Übertreibung ist schade, unnötig und nervig zu lesen. Letzteres besonders, wenn der/die Schreibende den Anspruch hat, gegen Extrempositionen anzuschreiben und selber gesund neutral zu sein. Wenn dann der Text deutlich zeigt, dass er/sie es nicht ist, dann ist das unprofessionell.

    Also: Das Spiel hätte nicht gut werden können ohne Vavra als Chefentwickler, … bis jetzt sieht es so aus, dass es ein gutes Spiel wird, TROTZ Vavra als Chefentwickler.

    Bleibt noch die moralische Frage für den Käufer, ob er mit seinem Kauf jemandem Gewinn zukommen lassen möchte, der privat Anhänger rechtsextremer Bands ist. Der Punkt ist unstrittig, und jeder muss ihn mit sich selber abmachen. Mit dem Spiel hat er aber nichts zu tun.

  12. I do not speak German, so I had it translated to English, I hope it does not change the context completely.

    I believe the fundamental problem with this post is this: What do you believe was the initial motivation to create this game?

    Did DanVavra wanted to make a game about white men, women with no rights and non-whites being a trash?
    Or did DanVavra wanted to make a game about medieval times in the local, history rich, setting full of drama, where(when) the nation formed?

    If you sincerely believe the first, then you will undoubtedly come to the conclusion that he chose the setting to justify a game reflecting his personal opinions, which in that context seem racist and sexists and whatnot.

    If you believe that he likes historical battles (like his profile suggest) and saw opportunity for this kinda game (realistic combat, no magic, historically accurate locations – like the monastery) then you will realize that bashing a game for absence of non-whites and option for woman protagonist is completely wrong.

    1. These aren’t really two different questions. He might want to make a „realistic“ game about medieval time Bohemia. But making this his imagination of medieval times finds expression in his game. And btw the historical evidence proves his imagination of an exclusively white medieval europe wrong.

  13. […] Diese andauernde, über 40-teilige Serie des Public Medievalist ist als ergänzende Ressource zur aktuell fortlaufenden Debatte um Kingdom Come: Deliverances natiolistisch-ideologische Aufladung unerlässlich. […] Ebenfalls ergänzend zur Kingdom Come-Problematik liefert Andreas Enderlin erneut einen Aufruf zum Abwenden von der ohnehin nie existent gewesenen „historischen Authentizität“ hin zur Akuratesse – zur Annäherung an Geschichtsbilder. […] Kein Weg führt in diesem Monat um die Kingdom Come: Deliverance-Diskussion herum, auch beim Pixeldiskurs-Podcast nicht. Stefan Simond spricht hier mit dem Anstoßenden der ganzen Debatte, Jan Heinemann, der mit seinem Blogpost die Vávra-Problematik gesammelt und ins Rampenlicht gerückt hat. […]

  14. Vielen Dank, für den umfassenden Artikel mit Quellenangabe, auch wenn ich ihre Meinung überhaupt nicht teile.

    In den ersten Absätzen stellen Sie sehr anschaulich dar, dass das Siegel der „historischen“ Authentizität lächerlich sei, aufgrund mangelnder Datenlage der zeitgenössischen Architektur, Vereinfachung der geographischen Gegebenheiten und der falschen zeitlichen Verordnung des Talhoffer Fechtsbuchs ( 1467 ).

    Auch ihre Darstellung der fraglichen Identitätspolitik Varvas war treffend, trotzdem vermisse ich die kritische Hinterfragung der Gegenseite, welche eine genauso fragwürdige Identitätspolitik betreibt und ideologische Ausrichtung besitzt.

    Ihre Darstellung von Gamergate ist stark verkürzt und sie verfallen leider in eine Schwarz-Weiß-Dichtomie.
    Ich stimme damit überein, dass die Gamergate-Affäre von rechtskonservativen Medien oder Politfiguren genutzt wurde, um die Gaming-Community zu politisieren; da greif ich mir selbst immer an den Kopf.
    Dennoch baute Gamergate auf einer legitimen Kritik auf, hinterfragt wurden vor allem die unseriösen Praktiken der Gaming-Magazine wie Kotaku oder Polygon bei der Wertungsvergabe, genauso deren fragliche Deutungshoheit über das gesellschaftliche Narrativ, aber auch der Einzug der „political correctness“ in die Videospielindustrie. Dies als stumpfe, frauenfeindliche Frauenhetze abzutun halte ich für zu einfach.
    Ich halte den ideologischen Bias von Breitbart und Milo Yiannopoulos für gefährlich, aber genauso den ideologischen Bias von Zoey Quinn oder Anita Sarkesian, da beide Menschen auf ihre kollektive Zugehörigkeit reduzieren.
    Besonders problematisch empfinde ich, dass sie mit keinem Punkt darauf eingehen wie diese Skandale um Hate Speech und Meinungsfreiheit seitens Regierungen genutzt wurde, um eine stärkere Netzzensur in breiten Schichten der Bevölkerung tragbar zu machen und in die Gesetzgebung einfließen zu lassen.

    https://motherboard.vice.com/en_us/article/nz7jb7/im-disappointed-zoe-quinn-speaks-out-on-un-cyberviolence-report
    https://arstechnica.com/gaming/2015/10/un-agency-backtracks-expresses-regret-over-cyberviolence-report/.
    https://edri.org/un-withdraws-report-cyber-violence-against-women/

    Seit Jahren wird mir über die bösen Nazi-Trolle berichtet, aber die eigenen Verfehlungen werden entweder aus Ignoranz oder mit Absicht ausgelassen.
    Ich möchte damit nicht die berechtigte Kritik an Hass im Netz relativieren, sondern Ihnen eventuell verständlich machen, weshalb sich vernünftige Menschen mit unhaltbaren Positionen wie denen Varvas solidarisieren, da sie in die gleichen Schwarz-Weiß-Dichtomie verfallen wie Sie.
    Die revisionistischen Positionen von Varva sind Panne, aber die Forderung nach der Implementierung von PoC in klassischen Medien und in Videospielen, welche im mittelalterlichen Mitteleuropa angelegt sind, spiegeln einen genauso bescheuerten Revisionismus wider.
    Ja, eine eurozentrische Sichtweise der Geschichte ist dämmlich, aber das Herbeireden eines multikulturellen Schmelztiegel afrikanischer Prägung im europäischen Mittelalter, um der gegenwärtigen gesellschaftlichen Diversität zu entsprechen halte ich für sehr kontraproduktiv.
    Eine Forderung nach einer Darstellung der wirklichen multikulturellen Dimension des HRRdN hätte ich als hilfreicher empfunden und hätte den Mythos des homogenen Ethnostaates besser entzaubert.
    Mir waren ideologisch eingefärbte Narrative schon in meinem Studium der Geschichtswissenschaften zu wider.

    https://www.insidehighered.com/news/2017/09/19/one-professors-critique-another-divides-medieval-studies

    In gewisser Weise lassen sich die momentanen gesellschaftlichen Makro-Prozesse auf Mikro-Ebene beobachten.

    Ich würde mich über eine Antwort freuen.

    Mit freundliche Grüßen

    1. Danke für den umfangreichen und sachlich vorgetragenen Kommentar!

      Nun, es mag ja sein, dass es in der so genannten „GamerGate-Bewegung“ moderate Aktivist*innen gibt. Auch wenn mir völlig unverständlich ist, wie man gegen Diskriminierungskritik sein und glauben kann, dass die Darstellung der Welt in Spielen unpolitisch sei. Aber wer es verpasst, zu verhindern, dass diese „Bewegung“ von Sexisten, Rassisten und Menschen, die sich nationalsozialistischer Rhetorik und Symbolik bedienen, vereinnahmt wird, die*der muss sich das vorwerfen lassen. Wer sich mit solchen Positionen solidarisiert, nur weil angeblich irgendwelche „Gutmenschen“ Gamer-Culture kritisieren, hat meiner Meinung nach keine Nachsicht zu erwarten.

  15. Ich würde ja mal gerne eine Reaktion auf den ersten Post von Hans lesen. Keine der verlinkten Quellen kann mir nämlich sinnvolle Argumente für eine größere Anzahl an Farbigen Menschen im mittelalterlichen Europa liefern. Die Altarbilder sind natürlich wenig Aussagekräftig, weil man natürlich Szenen aus der Levante zeigen, wo natürlich der eine oder andere Farbige rumgelaufen ist. Das sagt nur über Europa so gar nichts aus… Wenn sie realistisch Farbige einbauen würden, dann wären das Exoten in Rollen, die sofort wieder als rassistisch eingestuft werden, genauso wie wenn man Kleinwüchsige als Hofnarren nehmen würde. Tut mir Leid, aber die Menschen waren damals eventuell noch rassistischer als heute.

    Das ganze erinnert mich an die typische Römische Familie aus Britannien, die die BBC kreiert hat und wo der Vater ein farbiger ist und Mary Beard das als plausibel bezeichnet hat. In der Antik wäre es schon möglich gewesen, aber eher die Ausnahme weil nur ein verschwindend geringer Anteil der Römischen Soldaten Farbig war. Was mich störrt sind die non-sense Argumente. z.B. Septimius Severus kam ja aus Nordafrika.

      1. Okey ich habe mir das jetzt zu großen Teilen durchgelesen. Mein Problem: Ich finde immer noch keine wirklich plausiblen Gründe, dass es eine signifikante Anzahl von PoCs während des Mittelalters in Europa gegeben haben soll. Nimm zu Beispiel diesen: https://www.publicmedievalist.com/uncovering-african/ Der ist sehr gut recherchiert und von einem seriösen Wissenschaftler publiziert. Man spricht hauptsächlich von Schwarzafrikanern und in dem Fall Nubiern. Die hatten ein christlichen Königreich und deshalb gibt es wohl auch eine Gesandschaft nach Konstantinopel. Nicht verwunderlich, auch wenn Konstantinopel damals nicht mehr wirklich zu Europa gezählt wurde. Für Spanien werden dann Nubische Pilger aufgezählt. Mein Problem ist, dass ich keine Hinweise dafür finde, dass die irgendwie für die Europäische Gesellschaft relevant gewesen wären. Letztendlich waren es eben exotische Außenseiter. Oder etwa nicht?

        Mit Spanien und Konstantinopel haben wir auch zwei Schmelztiegel, ich frage mich ob es richtig, dass man im mittelalterliche Böhmen Nubier erwarten sollte. Da kamen auch unterschiedliche Kulturen zueinander, aber eben eher Polen, Böhmen, Sachsen (Deutsche) und Magyaren, wobei letztere wenn es nur irgendwie historisch wäre, wie Monster dargesteltl werden müssten, weil das waren sie für die Menschen aus Böhmen.

      2. Für Prag ist die Anwesenheit von „Farbigen“ belegbar. Für die ländlichen Bereiche wird es aufgrund der Quellenlage tatsächlich generell sehr schwierig sein, stichhaltige Belege dafür oder dagegen zu finden. Mein Kritikpunkt ist ja aber auch nicht, dass es faktisch anders gewesen sei, als KCD es in dieser Hinsicht womöglich darstellt – sondern, dass die Devs um Vávra sich aktiv dazu entschlossen haben, keine „Farbigen“ darzustellen (wie die anderen PoC im Spiel dargestellt werden, muss man sich nach Release mal genau anschauen) und damit den Mythos vom „weißen Mittelalter“ fort zu schreiben. Und das in Kombination mir Vávras wiederholten Aussagen in diese Richtung (die ich nicht als schlichte Trotzreaktion sehe, weil sie eben immer wieder kamen) ist dann doch recht pikant, wie ich finde. Zumal KCD sich eben einen sehr starken Realismusanspruch zueigen macht.

  16. […] Mit einem Artikel über den problematischen Authentizitätsanspruch von Kingdom Come: Deliverance und einer detaillierten Kritik an der politischen Einstellung des Lead Designers Daniel Vávra hat unser Gast Jan Heinemann von Let’s Play History in der letzten Woche für einige Diskussionen gesorgt. Inwiefern schreibt sich die politische Position eines Entwicklers in dessen Werk ein? Und wie können wir als Spieler und Journalisten damit umgehen? […]

  17. Lieber Jan,

    Ich bezweifle nicht, dass es im mittelalterlichen Europa people of color gegeben hat, auch nördlich der Alpen. Allerdings finde ich die Herleitung im Blog medievalPOC, den du auch zitierst ein wenig problematisch. In meinem Studium habe ich gelernt vorsichtig mit mittelalterlichen Bildquellen umzugehen. Die Darstellung des heiligen Mauritius mit dunkler Hautfarbe, von einem böhmischen Maler, ist noch lange kein Beweis dafür, dass man in der böhmischen Landbefölkerung des 15. Jahrhunderts einer Person of Color über den Weg laufen würde. In großen Universitätsstädten wie Prag, wo eine große Bandbreite an Nationalitäten vertreten war (wie man unter anderem aus schriflichen Quellen über die Verteilung Universitätsnationen ablesen könnte) und wo hohe Fluktuation und Mobilität durch Frenhandel gegeben zu sein schien, macht diese Vermutung wieder mehr Sinn und hier können Bildquellen im richtigen Kontext als Indiz zählen.
    Es ist aber auch Konsens in der Forschung, dass sich in Böhmen in der Zeit von Jan Hus und des Hussitismus ein aufbegehren der Tschechisch sprechenden Bevölkerung gegen die von den Luxemburgern dort angesiedelte deutschsprachigen Bevölkerung stattfand. Auch wenn das Spiel noch gar nicht erschienen ist, in den beriets Spielbaren Teilen, wird diese Thematik immer wieder aufgegriffen, es scheint mitunter ein Aufhänger des Storytellings zu sein. Ich verstehe also nicht warum die Abwesenheit von PoC in einem klar ländlichen Stetting in Böhmen nun zeigen soll wie geschichtsrevisionistisch und rassistisch Danial Vavra angeblich ist und wie sehr sich dies auf das Spiel übertrage.
    Mir ist selbstverständlich bewusst wie falsch der Mythos von „weißen Mittelalter“ ist, trotzdem ist der Forschungsstand bezüglich des Themas PoC im Mittelalter meiner Meinung nach noch nicht so weit fortgeschritten, um ein klares Bild für die Region Böhmen zeichnen zu können und somit die Darstellung im Spiel als „falsch“ kennzeichnen zu dürfen.

    mit Besten Grüßen

    1. Danke für deinen Kommentar! Da stimme ich dir zu. MedievalPOC habe ich zitiert, weil auch dort ja schon diese Debatte vor Jahren geführt wurde. Es gibt aber zB von von The Public Medievalist zwei interessante Serien zum Themenkomplex. Und es geht ja auch gar nicht so sehr darum, ob auf den 16 km² historisch belegbar POC gelebt haben, sondern um den pikanten Zusammenhang mit Vávras wiederholten eindeutigen Äußerungen zu diesem Thema.

      1. Aber dieser vermeintlich pikante Zusammenhang ist ja gerade eben nur ein sehr schwacher, ich möchte gar sagen, konstruierter. Ein paar fragwürdige Aussagen und ein Bandshirt belegen weder, noch dementieren sie irgendetwas. Und zu seinen „eindeutigen“ Äußerungen muss ich konstatieren, sind diese keineswegs so eindeutig, wie du denkst. Es ist schwer, über sein eigenes Vorverständnis hinaus, die Kommunikation anderer objektiv zu betrachten (das gilt natürlich auch für mich). Soll aber letztlich nur sagen „eindeutig“ ist da recht wenig. Nehmen wir zum Beispiel das Bild mit Martin Lawrence. Eine eindeutig rassistische Aussage lässt sich darin lesen (die entsprechenden Vorannahmen vorausgesetzt) aber ebenso eine geschmacklose Antwort ( mit anderen Vorannahmen) oder eben eine zynisch-entnervte Antwort ( so würde ich es interpretieren). Da sind wir aber bei dem Punkt. Stellt man bestimmte Sachen als eindeutige Beweise für etwas dar, ohne kritisch die eigene Interpretation zu hinterfragen, so zeigt man das eigene Unvermögen zu erkennen, das es eben genau das ist: eine Interpretation (von vielen). Und ich möchte betonen, dass dies umso mehr gilt, wenn man schwerwiegende Vorwürfe gegen andere erhebt.

  18. […] Ist Kingdom Come: Deliverance nun ein ideologisch gefärbtes Spiel und transportiert es das mutmaßlich rechte Gedankengut des Chef-Entwicklers? Hat die deutsche Spielepresse es verpasst, im Vorfeld vor dem Release des Rollenspiels genauer auf den Entwickler zu blicken? Im Podcast rollen Daniel und Manu die Ereignisse, Anschuldigungen und Themen der letzten Woche auf und diskutieren über Trennung zwischen Kunst und Künstler und journalistische Verantwortung. […]

  19. Mich würde doch mal interessieren, an welcher Quellenlage hier gearbeitet wurde. Es wurden ja scheinbar nur Interviews, Blogbeiträge und eine einzige Doktorarbeit zu Rate gezogen. Keine Primärquellen, welche die Behauptung stützen, die hier dem ganzen Zugrunde liegt, sondern nur Sekundärliteratur. Das ist ziemlich dürftig, um nicht zu sagen grob unwissenschaftlich. Aber das ist eigentlich nebensächlich, da hier ja keine wissenschaftliche Arbeit geschrieben wurde. Dennoch wäre es sinnvoll gewesen, wenn man sich schon für ein, sagen wir mal ethnisch diversifiziertes Bild des Mittelalters einsetzt, konkrete Beispiele zu nennen, anhand denen belegt werden kann, dass Vavras Aussagen falsch sind. Ich kenne keine. Nun bin ich zwar auch kein Mediävist (Schwepunkt liegt auf Neuerer Geschichte), aber ich wage doch zu behaupten, dass es schwierig wird solchen Quellen habhaft zu werden. Schlimmer als das aber ist, dass man den Entwickler ob seiner potentiell vorhandenen politischen Agenda kritisiert und mangelhafte Recherche der Presse vorwirft, sich selbst jedoch auf die offensichtlich politisch gefärbten Erzeugnisse von Aktivististen auf Blogs stützt. Das ein Blog mit dem Namen „People of Color in European Art History“ die Rolle farbiger in der Geschichte eher überhöhen wird, wird wohl glaube ich niemand verwundern. Abgesehen davon geht es bei dem Blog scheinbar primär um Kunstgeschichte, was ein ganz eigenes Betätigungsfeld ist und mit der „richtigen“ Geschichte nicht direkt gleichgesetzt werden darf. Was die Doktorarbeit von Dr. Cooper angeht, könnte man als (wenn man kleinlich ist) kritisieren, dass die gute Frau eigentlich keine Geschichtswissenschaftlerin ist. Sie hat ihren MA in English Literature und ihren PhD in Englisch gemacht. (zu sehen hier: https://victoriacooper.co.uk/research/). Das diskreditiert nicht ihre Arbeit, ist aber gut zu bedenken, da ihr Hintergrund dadurch ein etwas anderer ist als bei einem als solcher ausgebildetem Historiker.

  20. Auch möchte ich noch was zur Darstellung von schwarzen im Mittelalter sagen.

    Gut, das Mittelalter ist ein breite Spanne, aber im Spiel dürft es sich ja irgendwas um 1378 auf Grund des Todes von Karl IV. handeln.

    Nicht zu leugnen ist, dass es damals sicher auch schwarze Leute in Europa gegeben hat. Vor allem in den großen Handelsstädten und den Seestädten wird man immer mit Händlern aus Fernost oder Afrika in Kontakt gekommen sein.

    Man wird also davon in gewusst haben. Aber wie sehr gewusst? Und wie haben das Leute abseits der großen Städte im Landesinneren wahr genommen?

    Zumindest knapp 200 Jahre davor, schrieb Wolfram von Eschenbach seinen Parzival-Roman nieder.
    Darin vorgekommen, ist eine gewisse Figur namens Feirefiz.
    Der Name leitet sich aus dem französischen ab und bedeutet so viel wie „bunter Sohn“.
    Der Name ist nicht unbedacht so gewählt, dachte der damalige Autor doch tatsächlich, dass die Verbindung aus einer Schwarzen und einem Weißen zu einem gescheckten Kind führt.
    Und genauso wird auch Feirefiz dargestellt. Als Person mit gescheckter Hautfarbe.

    Wolfram von Eschenbach stamt aus der Region Franken. Viel Umgang mit anders ethnischen Personen dürftens dort anscheinend nicht gehabt haben.

  21. Hallo zusammen!
    Ich finde die kritische Auseinandersetzung mit Leute wie Vavra völlig in Ordnung, auch muss das tragen eines solchen T-Shirts zumindest kritisiert werden, die Band hat offensichtlich einen Bezug zur rechten Szene, auch wenn dies unterschiedlich gesehen wird.
    Ich finde aber, jemanden als sexistisch zu bezeichnen, weil es im Spiel keine Möglichkeit gibt einen weiblichen Charakter zu steuern und man damit wirbt das man „Frauen verführen“ kann ziemlich lächerlich. Come on! Dann sind alle Spieleentwickler, die ein ernsthaftes Spiel entwickeln, wo man NUR einen Mann oder NUR eine Frau spielen kann sexistisch? Oder nur die, wo man NUR einen Mann spielen kann weil es zu wenig Frauen in Videospielen gibt?
    Diese Sexismus Debatte in Videospielen wird immer lächerlicher, manches geht zu weit, klar aber wenn ein Entwickler ein Mittelalter Spiel programmiert, in der es nur einen männlichen Protagonisten gibt, weil es die Story oder einfach dem gewünschten Setting entspricht. Soll er doch!
    Bei GTA hat sich auch noch keiner beschwert und da waren alle Hauptdarsteller männlich.

    1. Ich habe ihn nicht explizit deswegen kritisiert, weil es im Spiel nicht möglich sein wird. Sondern auch hier in der pikanten Kombination mit seinen Äußerungen, die er seit Jahren (so viel zu „das war unüberlegt“) in verschiedenen Interviews getätigt hat, in denen er Sexismus als gesellschaftliches Phänomen in Abrede stellt und Menschen, die sich diskriminiert fühlen, stigmatisiert.

      1. Jetzt müsste man aber eigentlich berechtigterweise Fragen, wo die Kritik zu den anderen Spielen zum europäischen Mittelalter sind in denen nur Weiße vorkommen oder wieso es zu den anderen Spielen keine gleichberechtigte Kritik gab?

        Wieso trägt man hier eine angeblich rechte Gesinnung des Entwicklers ins Spiel bzw. meint, dass Spiel sei ein Abbild der rechten Gesinnung?

      2. Tja, das müsste man fragen – das ist ja mein Punkt.
        KCD habe ich für den Beitrag gewählt, weil es in der Konstellation mit Vávra besonders anschaulich ist.

  22. Bezüglich Burzum darf ich einmal folgende Kritik hier posten:

    „Burzum, ‚Filosofem‘ (1996)

    Despite Burzum’s obviously unfavorable politics and world view, this, for me, is the best album black metal has to offer. The production is outstanding, and the vocals are perfect. It’s one of the few albums that instantly gives me a certain mood. It’s an absolute classic. “

    Von welchem Magazin kam diese „Ehrung“? Nichts geringerem als dem Rolling Stone Magazin.
    https://www.rollingstone.com/music/lists/deafheavens-george-clarke-my-10-favorite-metal-albums-w489400/burzum-filosofem-1996-w489405

    Also wieso schafft es so ein renomiertes Magazin die Kunst und die Künstler zu trennen? Es wird hier wohl auch keiner der Meinung sein, dass das Magazin rechte Herausgeber hat oder?

    Die einzige berechtigte Kritik wäre somit, dass Vavra in der Öffentlichkeit ein Shirt trägt, das man trotz aller Liebe zur Musik nicht tragen sollte. Weil es eben Missverstanden werden könnte.

  23. Ich kenne mich mit dem Thema zu wenig aus, finde aber was Gamestar gemacht hat richtig gut. Richtig schlecht ist jedoch das Thema im Blog. Warum? Es ist so gut wie unmöglich über das Internet einen richtigen und objektiven Urteil über Menschen zu bilden und es ist auch ziemlich falsch. In der Realität habe ich auch Menschen kennen gelernt die zwar von Kopf bis Fuß durch tätowiert sind, aber eben auch liebevolle Menschen sind und keine Drogen Junkies oder ähnliches, was ihr Äußeres erstmal suggeriert. Schon in der Bibel steht, das man andere nicht beurteilen und verurteilen sollte. Das hat einen guten Grund.

    Tja und weitere Verlangen, wie spielbare Frauen Rollen oder mehrere Völker unterschiedlicher Hautfarbe, kann man nur eines sagen: Verlangen kann man nur von sich selbst etwas, andere kann man lediglich um nur bitten.

    Es ist Projekt der Entwickler und sie sollten es so machen, wie sie es wollen. Das zu akzeptieren gehört auch zu der geforderten Toleranz.

  24. Zunächst danke für deine Antwort. Du benutzt die Formulierung relativieren als sei dies etwas Negatives, relativieren bedeutet aber eben auch alle Seiten zu zeigen und Fakten in Relation zueinander zu setzen, denn Fakten sind nichts absolutes. Ich möchte auch meine eigene Aussage relativieren, da sie wohl etwas zu weitgehend war; Ich wollte nicht behaupten Sie hätten nicht recherchiert, aber das bloße zusammentragen recht dünner Onlinequellen ist eine schwache Recherche.
    Es ist natürlich auch richtig das Vávra, erwartungsgemäß, die Vorwürfe zurück weist. Er tut dies aber auch auf eine durchaus plausible Art, das muss man ihm auch zugute halten.

    Disclaimer: Keine Kritik am Autor, generelle Feststellung:
    Mich erinnert die Art des Umgangs mit bestimmten Themen im Online-Bereich (nicht nur auf die Gaming-Welt beschränkt) an den Rudeljournalismus zum Beginn der 2000er; Nur hat sich der Prozess demokratisiert, die Masse folgt der Narrative die von einigen wenigen gesetzt wurde a.k.a Shitstorm.

    1. Entschuldigung, merke ich habe zwischen „du“ und „Sie“ geswitcht, das hat man davon wenn man um 10 Uhr abends nocht schreibt ohne ordentliches Schreibprogram. Ich bleib in Zukunft beim „du“. Soll nicht despektierlich sein sondern entspricht meiner Gewöhnung.

  25. Solider Artikel jedoch möchte ich ein paar Sachen anmerken/ fragen. Aber zuerst, Danke für das Anstoßen der Frage nach dem Verständnis von Realismus.

    Die erste Fußnote bezieht sich auf folgendes: „Mit dem realistischsten Kampfsystem, das ein Spiel jemals hatte. [1] “

    Im Gamestar Artikel jedoch wird dies nicht in dieser Art und Weise dargestellt. Es wird als detailliert beschrieben, aber die Schwertkämpfe werden auch als „simuliert“ beschrieben und es wird auch zugegeben dass es beim „Realismus“ auch Zugeständnisse gibt. Aber so wie Sie es schrieben liest es sich als würde der Artikel das Kampfsystem als wirklich komplett realistisch anpreisen, was der Artikel in diesem Sinn nicht tut. Es gibt aber genug Artikel die es tun.

    Auch die zweite Fußnote ist problematisch:
    „Eine „realistische Mittelalter-Simulation“, die gar „schöner als die Realität“ sei. [2]“

    Denn in diesem Artikel steht „Schöner als die Realität?“ und meiner Meinung nach sorgt dieses Fragezeichen dafür, dass der Sinn ein anderer ist, als er hier im Artikel dargestellt wird. Ironischerweise jedoch zeigt dieser zweite zitierte Artikel gut die fehlende Auseinandersetzung mit dem Wort „Realismus“, weswegen dieser Artikel sich gut für das Argumet eignet, dass die Presse den „Realismus“ Anspruch nur feiert und nicht hinterfragt. Vor allem dieser Absatz ist interessant:

    „Zwar will Kingdom Come keine Mittelaltersimulation sein, sondern immer noch ein Videospiel, doch wird alles dafür getan, das Mittelalter glaubhaft und realitätsnah auf den Bildschirm zu bringen.“

    Dies ist genau der Punkt auf den Sie eigentlich aufmerksam machen wollen. Die fehlende Auseinandersetzung mit dem Begriff Realität. So ein Satz darf eigentlich nicht in dieser Art geschrieben werden. Dieser Satz passt besser als Argument als dieser Verweis auf „schöner als die Realität“.

    Sie wollen auf das Schweigen der Presse aufmerksam machen, aber machen dies nur sehr ungenau und hastig. Hier wäre es besser gewesen genauer und mit mehr Belegen zu arbeiten.
    So wirkt das „Tja, leider doch. Ich komme später wieder darauf zurück“ einfach nicht gut und suggeriert einen fehlenden Willen sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Vor allem nachdem im Zitat [8] darüber noch über „Boykott“ geredet wird und gleich darunter dieser Satz steht. Das wirkt unprofessionell.

    Dazu kommt folgender Satz:
    “ Warum die Presse und vor allem der Gamingjournalismus bisher kein Wort über diese Verstrickungen der Entwickler*innen von Warhorse Studios verliert, ist mir völlig unverständlich.“

    Dies ist einfach eine falsche Unterstellung. Zu sagen dass „kein Wort“ darüber gesprochen wurde ist polemisch und darf nicht einfach ohne einer Forschung so behauptet werden. Sie müssen auch zwischen deuschsprachiger oder englisch sprachiger Medien unterscheiden. Sie selbst schreiben ja über die Antwort von „Game Two“, deswegen ist die Behauptung dass niemand darüber redet falsch und überspitzt. Stattdessen wäre folgendes wohl richtiger:

    “ Warum die Presse und vor allem der Gamingjournalismus sich bisher kaum über diese Verstrickungen der Entwickler*innen von Warhorse Studios äußert, und wenn höchstens in einem sehr passiven fast schon verharmlosenden Ton, ist mir völlig unverständlich.“

    Das ist natürlich kein schwerer Fehler, der alle Aussagen revidiert. Aber wenn man selber andere wegen mangelnder Genauigkeit kritisiert muss man auch selber genau schreiben. Aber das die Medien das Thema bisher kaum ansprechen ist wahr.

    Kleine Anmerkung zu der Sache mit Youtube : Die Youtube Likes sind nicht mehr einsehbar und deswegen als Argumentation nicht mehr verwendbar, da nicht mehr nachweisbar. Aber es müsste Wege geben um diese auszugraben oder? Ich unterstelle ihnen natürlich keine Lüge, aber ohne Nachweis sollte dieser Absatz umgeschrieben werden.

    Folgender Satz ergibt für mich keinen Sinn, ich verstehe den Sinn nicht ganz:

    „Statt einer kritischen Auseinandersetzung erntete Kingdom Come: Deliverance obendrein noch den Best PC Game Award der Gamescom 2017… [22]“

    Umgekehrt heißt dass, gäbe es eine kritische Auseinandersetzung darf das Spiel keinen Preis erhalten. Aber damit so eine Aussage getätigt werden kann, müssen zuerst die Richtlinien des Preises untersucht werden und obendrein die Frage gestellt werden wie das Verhältnis von „Künstler“ zu „Kunstwerk“ zu bewerten ist. Ebenso werfen sie den Medien vor, absichtlich das Thema zu ignorieren, in dem sie dem Spiel Preise nachwerfen.

    Sind Woody Allen Filme wie „Midnight in Paris“ schlecht weil Woody Allen ein Arsch ist? (sher kompliziertes Thema und für uns hier irrelevant) Nein weil das Werk und der Künstler dahinter voneinander teilweise entfernt sind. Bei diesem Spiel hingegen stellt sich die Frage wie viel der Entwickler von seinen Ansichten in das Spiel hineingebracht hat. Klar es ist falsch von Realismus zu reden, denn das Spiel ist keinesfalls realistisch und historisch akkurat ist es ebenso überhaupt nicht. Hier muss das Spiel kritisiert werden, weil es sich als realistisch ausgibt, obwohl es nicht realistisch ist. Es gab auch schon im europäischen Mittelalter Beziehungen zu afrikanischen und asiatischen Bereichen. Der Islam war im 15. Jahrhundert in Europa nicht unbekannt. Wenn ich mich nicht irre endete erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts die Reconquista in Spanien und die Osmanen eroberten im Verlauf des 15. Jahrhunderts schon große Teile des Balkans. Ebenso waren nachweislich diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen zu einigen afrikanischen Reichen aufgebaut wurde. Klar im ländlichen Böhmen waren die Kontakte sehr gering, aber eben nicht komplett unbekannt. Deswegen muss das Spiel für den fehlenden Realismus kritisiert werden, weil es eben realistisch sein will. Aber hier liegt auch das Problem ihrer vermeintlichen Argumentation. (Natürlich kann ich das Geschriebene auch falsch verstehen) Ihre Argumentation folgend würde das Spiel automatisch gut werden, wenn einfach muslimische und/oder afrikanische Charaktere im Spiel vorkommen würden, weil es dann ihren eigenen Anspruch von „Realismus“ folgen würde. Eine sehr bevormundende Sichtweise.

    Auf der andern Seite, wenn die Entwickler sagen: „Nein wir machen keinen Realismus und sind null realistisch, sondern entwickeln das Spiel nur so wie uns es selbst gefällt.“ bricht ihre gesamte Argumentationslinie komplett zusammen. Weil dann würde sich ihre gesamte Kritik auf einen einzigen Punkt aufbauen: „Keine POC = Spiel scheiße“ Und wenn die Entwickler sagen „Nein wird sind nicht realistisch wir wollen das Spiel nur so machen wie wir wollen“, dann ist das alles ja eigentlich irrelevant.

    Und dass wäre meiner Meinung nach sehr unfair gegenüber POC an sich, weil sie damit nur zu einem Gegenstand auf einer Liste werden. Nach der Art: „Haben wir eine Handlung? Ja! Haben wir POC? Ja! Haben wir einen Twist? Ja! Gut na dann wird ja das automatisch gut!“ POC werden häufig marginalisiert und dies muss auch erwähnt werden, aber wenn es zu einem Wertungspunkt oder einer Quote verkommt, wird nicht Rassismus bekämpft sondern nur das eigene Ego und Moralansehen gelobt. (Ich bin so toll weil ich Sachen ohne POC scheiße finde, erstmal in meinem gentrifizierten Bezirk einen fair-trade Kaffee gönnen und auf Instagram posten) <–(absichtliche Übertreibung) Ein POC Charakter sollte kein Schmuckstück sein, sondern genauso respektvoll wie alle anderen Charaktere behandelt werden. Natürlich heißt das nicht, dass man nicht das Fehlen von POC kritisieren darf. Aber POC Charakter sollten nicht auf ihre Hautfarbe reduziert werden.

    "Kingdom Come" muss absolut und ausführlich für den falschen Realismus kritisiert werden, aber deswegen ist es ja nicht gleich ein schlechtes Spiel. Der Chefentwickler muss wegen seinen falschen und verwerflichen Aussagen kritisiert werden, aber deswegen ist das Spiel nicht gleich schlecht. Oder muss bei jedem Werk ein Lebenslauf des Künstlers angebracht werden nach der Art: "hat am 1.5.88 eine Frau als Schlampe bezeichnet." Auch das ist nicht ihr Punkt, aber der Schreibstil suggeriert es. Was sie sagen wollen ist, das die persönlichen Überzeugungen des Entwicklers im Spiel aufscheinen könnten, aber das wissen wir erst nachdem das Spiel erschienen ist. Wenn im Spiel von den bösen, bösen Osmanen geredet wird, dann muss natürlich erwähnt werden dass dies wohl auf die politische Überzeugung des Entwicklers zurückzuführen ist. Dass im Spiel es keine POC gibt ist auch auf die Einstellung des Entwicklers zurück zu führen und deswegen zu erwähnen. Aber dies alleine macht ja nicht das Spiel automatisch gut oder schlecht.

    Aber nachdem das Spiel noch gar nicht erschienen ist, sie jedoch schon "fordern" dass es keine Preise bekommen darf, weil es schlecht ist, wirkt sehr eigenartig. So wie Sie es schreiben wirkt es befremdlich. Würden sie das Spiel für seine falsche Vorstellung von Realismus kritisieren wenn es ein paar muslimische Händler oder afrikanische Diplomaten hätte? Definitiv weil dies sind ja nicht die einzigen Fehler die das Spiel hinsichtlich der Themen Realismus und historische Genauigkeit macht, aber das kommt nicht wirklich im Artikel raus. Statt sich auf das falsche Verständnis von Realismus und historischer Genauigkeit zu konzentrieren, verläuft sich der Artikel zunehmend in einer Art "Keine POC = scheiß Nazi" Argumentation, was eigentlich nicht der Sinn ihrer Argumentation ist, was ich sehr schade finde weil der Artikel das fasziniernde Thema von Realismus anspricht, was viel zu selten der Fall ist.

    Der Sinn ist das Vavra absichtlich die Begriffe "Realismus" und "historische Genauigkeit" missbraucht um seine eigene falsche Interpretation des Mittelalters zu legitimieren und um absichtlich POC aus Europa raus zu löschen. Das ist der wichtigste Kern ihres Artikels und auch definitiv korrekt.
    Was Sie sagen wollen ist meiner Meinung nach: "Die politische Haltung des Entwicklers spielt eine große Rolle in der Entwicklung des Spiels selbst, da es "realistisch" sein will, und deswegen sollte man sich damit auseinandersetzten. Er versteckt sich hinter einem falschen Verständnis des Begriffes "Realität" um bewusst eine Phantasie als realistisch darzustellen."
    Was Sie mit dieser Aussage aber eher aussagen ist: "Wegen der politischen Haltung des Entwicklers, darf das Spiel keinen Preis bekommen, weil ich Vavra doof finde und deswegen das Spiel scheiße sein muss"
    Persönlich werde ich das Spiel wahrscheinlich mir irgendwann kaufen (sofern die Kommentare etc. positiv ausfallen hinsichtlich Spielspaß usw.). Aber natürlich wusste ich schon im Vorfeld dass es nicht realistisch sein kann weil nichts ist realistisch. Aber danke für das aufmerksam machen der Ansichten der Entwickler dahinter, warum das Spiel so wird wie es ist. Es wird interessant sein, wie stark die politischen Ansichten im Spiel sichtbar sein werden. Fehlen "nur" POC oder werden auch klare politische Botschaften vermittelt? Wird sicher sehr viel zum Untersuchen geben.

    Jedoch muss auch eins gesagt werden. Spiele bleiben Spiele, und haben so wie viele andere Dinge im Leben nur einen begrenzten Rahmen und Einfluss. Manche Spielen wohl einfach nur Spiele um sich die Zeit zu vertreiben und innerhalb des Spiels Sachen auszuprobieren und denken über all dieses null nach.

  26. Aufgrund wiederholter ausfälliger Kommentare habe ich mich veranlasst gesehen, eine Netiquette für das Blog zu erstellen. Ihr könnt sie im Impressum finden. Bitte beachtet sie künftig, damit hier für alle eine sachliche Diskussion möglich ist. Danke!

  27. Interessanter Artikel, doch er beweist ein Problem der menschlichen Wahrnehmung, letzlich ein Problem welches der Wissenschaftstheorie längst bekannt ist: Es gibt keine objekitven Fakten, jeder Aussage über die „Realität“ liegen Wertungen zugrunde. Diesem Problem fällt der Autor leider auch zum Opfer. Er liest die Twitter Aussagen des Entwicklers und sieht das T-Shirt und hat dann eine Vorstellung der „Realität“. Das dem aber eine eigene Wertung zugrunde liegt, die gegebenfalls falsch sein kann, sieht er nicht. Ich will jetzt auch nicht behaupten Vávra wäre Rassist oder er wäre es nicht, dazu hab ich bisher zu wenig recherchiert, aber dass hat der Autor ganz offensichlich auch. Die Beweisführung ist mehr als mangelhaft und es finden sich auch ganz harmlose Interpretationen der Fakten, die Vávra schlechtestenfalls als unüberlegt und zu impulsiv darstellen. Die Gamesstar hat einen interessanten Artikel, der sich gut differenziert zu diesem Themenkomplex darstellt, veröffentlicht; http://www.gamestar.de/artikel/kingdom-come-deliverance-die-reaktion-auf-die-rassismus-vorwuefe,3324854.html#top

    TL;DR: Nicht gleich die große Keule rausholen sondern wenn die eigene Recherche nur dünn ist auch dementsprechend nur vorsichtige Kritik üben. Ein T-Shirt ist noch keine Befürwortung von Rassismus und ein Photo das als genervte Reaktion durchaus verständlich, und in diesem Kontext auch nicht zwangsläufig Rassist ist auch dementsprechend bewerten. Und vorallem den Betroffen zu Wort kommen lassen wenn man harte Vorwürfe vorbringt.

    1. Nun, ich habe die Hinweise, die schon länger bekannt waren, zusammengetragen, zu den einzelnen Punkten kann sich jeder selber weiter informieren oder halt einfach sagen: Du hast nicht recherchiert. Doch habe ich.
      Ich finde das Video von der GameStar relativ gut gemacht – der Text allerdings ist fast so relativierend wie das Video von 4players. Und dass Vávra so antworten würde, wer hätte das nur gedacht?…

  28. Lasst uns doch einfach ein Mittelalter erfinden, wie wir es gerne gehabt hätten. Meine güte, man sollte aus der Geschichte lernen und gut, aber sie nicht umformen. Was hier gemacht wird, ist den Boten der schlechten Nachricht(wie es im MIttelalter war) zu köpfen, statt sich zu fragen.
    Vielleicht hat er ja recht, dass das MIttelalter einfach kein schöner Ort war ?

  29. So sieht man doch schon klarer. Das dies einen sehr gut recherchierten GS Artikel nach sich gezogen ist doch sehr positiv. Und so sollte es auch sein schließlich verfügen solche Redaktionen über Kontakte und Kanäle die nicht jedem zur Verfügung stehen. Warum nicht gleich so, fragt man sich. Wenn man alle 2 Tage News über die Auflösung und FpS bringen kann , kann man doch auch so einer Sache mal nachgehen.

  30. Ich verstehe nicht wo das problem liegt, natürlich ist es frag würdig warum in Witcher nur ‚weiße`NPC’s gefunden werden können- Jedoch ist das auch ein fantasy spiel somit wäre es für jenes nicht erzwungen andere Rassen (Wobei Weiß keine Rasse ist es sei den Bildung ist einem Fremd) – Andere Rassen in Südpronvinzen zu finden, Ich denke nicht das es nötig ist jedoch würde es ja keinem Wehtun.- Nun weiter zu Kindom comes, Natürlich gab es auch andere Rassen in Europa oder eher Ethnische Gruppen- Selbst im Heiligen Römischen Reich welches aus Italic, Germanisch und natürlich auch Slawisch besteht – Germanisch sowohl auch Slawisch sollten in der im Spiel gezeigten Königlichen Provinz Böhmens zu finden sein, so wie auch die Ungarn welche von den Hunnen abstammen und somit auch assiatische abstammung haben aber erzwungen zu versuchen ethnische gruppen aus Afrika zu beinhalten kommt mir seltsam vor, da es historisch gesehen einfach keinen Sinn macht. Es sei den wir sprechen vom Hof des Kaisers persönlich welcher vorallem unter den späteren Kaisern sicher auch Afrikaner beinhalte, jedoch waren diese Kaiser dann welche wie Karl V welcher die meiste Zeit in Spanien verbrachte.
    Ich persönlich finde eine solche meinung von einem Spiele entwickler unprofessionel aber keineswegs Rasistisch. Ich kenne ihn nicht persönlich aber von den Posts alleine versage ich ihn als rasisten zu erkennen, er hat teilweise sogar recht im bezug auf Witcher, da der Kontinent in dem Witcher 3 spielt in der Lore wie Europa aufgebaut ist und keine Stark dunkelhäutigen Menschen in jennen gegenden natürlich vorkommen muss dies im Spiel nicht erzwungen werden nur um Politisch korrekt zu sein- Sein Argument ist dennoch lächerlich.

  31. Ich bin tatsächlich verwirrt, worum es in erster Linie geht und wie die Verbindungen hier gezogen werden. Ich habe zuerst den Wikipedia-Artikel zu Burzum und seinem Frontmann gelesen. Der Mann ist ganz offensichtlich ein Knallkopf, aber dem Musikprojekt wird durchaus gehuldigt. Ist die Musik denn selbst fragwürdig? Wird darin klar verbrecherisches oder verfassungswidriges Material verbreitet, oder beruht der Vorwurf in erster Linie auf Interpretation und Projektion des Frontmanns auf die Kunst? Wenn es „nur“ im Subtext der Musik mitschwingt kann man schon Vergleiche ziehen zu anderen kontroversen Musikern ziehen, lass es Rammstein, Böhse Onkelz oder Frei.Wild sein. Dann stellt sich die Frage inwieweit persönliche Ansichten eines Künstlers in ein Produkt einfließen dürfen. Grundsätzlich natürlich im rechtlichen Rahmen, wenn beispielsweise Hetze oder verfasssungswidirges Gendankengut verbereitet wird. Keine Ahnung, ob das hier zutrifft.
    Dann gehst du ja noch den Schritt weiter und verbindest den Designer mit dem Burzum-Frontmann, wegen eines T-Shirts und einiger Aussagen. Wer die Musik hört, wird sich wahrscheinlich auch mit der Person auseinandergesetzt haben, da stimme ich zu. Ob er jetzt die Musik nur als solche feiert, oder ob er alle oder vereinzelte Positionen teilt ist pure Vermutung, aber jeder kennt von sich und seinem Umfeld ähnliche Beispiele. Der Tom Cruise-Vergleich der Gamestar passt ganz gut, ich habe seit er Rihanna gekloppt hat, keinen Song mehr vin Chris Brown gehört (ist auch nicht meine Musik, aber die Entscheidung war davon geprägt 😀 ). Kevin Spacey zu boykottieren ist ein ähnliches Phänomen. Worauf ich hinaus will, ist dass es deine persönliche Meinung ist, wenn du ein Spiel wegen einer Person nicht spielen kannst, das ist für dich natürlich richtig, aber subjektiv.
    Ich weigere mich dann aber doch, von einem führenden Designer in einem Team von 50 Leuten oder so, darauf zu schließen, dass seine eventuell vorhandenen Ansichten einen eklatanten Einfluss auf das Spiel selbst haben. Wir wissen auch schlichtweg zuwenig über das Spiel um irgendwas beurteilen zu können, mechanisch wie optisch sieht es sehr authentisch aus, über die historischen Hintergründe weiß ich recht wenig, aber die Debatte, ob hier genug Diversität abgebildet wurde halte ich für nutzlos, weil wir das Gesamtbild nicht kennen. Wurde hier gar nicht erwähnt bisher, dass die Invasoren in Böhmen einen anderen kulturellen Hintergrund haben, es sind doch Türken?
    In jedem Fall ist es ein weiter argumentativer Weg, von einem Vebrecher und Hetzer, auf ein Musikprojekt zu schließen, von dort auf einen Fan der Musik, weiter auf den Job dieses Mannes, und von dort auf das Produkt der Firma. Selbst wenn das alles der Fall ist, ist die Dosis fraglich, wie auch der Effekt, und dann stellt sich die Frage, was man machen sollte? Darf er nicht Ansichten haben? Jeder von uns hat Standpunkte, die polarisieren; du hast für mich Ansichten, die für mich schwer zu verstehen und zu tragen sind, darf ich dir dann verweigern, diesen Text zu veröffentlich, der für mich belanglos ist? Natürlich nicht. So sehr ich ihn verabscheue, ich kann ja auch nicht Mario Barth sein Recht auf seine Shows abstreiten nur weil er dumm auf Facebook kommentiert.

  32. […] Es wäre jetzt möglich, diese Argumentation noch durch Interview-Aussagen von Varg Vikernes zu unterfüttern. Doch das ist hier nicht das Thema: Hier geht es um die Musik, die die Fans so gerne vom Musiker trennen würden. Es zeigt sich jedoch allein in seinen Texten: Sie sind nicht zu trennen. In dem Moment, in dem ein Rechtsextremer diese Zeilen singt, lässt sich auch nichts mehr mit nordischer Mythologie relativieren. Die Gesinnung ist zweifellos drin. Das Werk von Burzum ist spätestens mit dem Album Fallen mit rechtem Gedankengut assoziiert. Der Name Burzum steht also dafür. Jedes T-Shirt mit dem Aufdruck steht dafür. Das ist nicht vermeidbar. […]

  33. […] Solche Statements haben nichts mit Wortwahl zu tun, oder mit der Kommunikationsform. Wenn ich eine Lüge verbreite, ist es eine Lüge, egal welches Hemd ich ihr anziehe. Ich sehe hier kein klares Statement, dass Vavra faktisch falsch lag. Weder von der Gamestar noch von ihm selbst. Da hilft es nur bedingt die Familiengeschichte zu romantisieren und vom eigentlichen Thema abzulenken. Vavra sagte es habe damals keine Nichtweißen gegeben und korrigiert diese Aussage nicht. Punkt. Stattdessen windet er sich in ein 16 Quadratkilometer großes Gebiet, in dem es vielleicht tatsächlich keine Nichtweißen gab. Und die Gamestar frisst das unreflektiert.
    Wahrscheinlich ist es auch purer Zufall, dass Vavra der braunen Scheiße von Breitbart Interviews gegeben hat. Oder vielleicht wusste er einfach nicht, wofür die Plattform steht. Das aber nur am Rande. […]

  34. Ehrlich gesagt erschließt sich mir nicht ganz der gegen Ende des Artikel erhobene Vorwurf gegen die bekannten Spielemagazine und -portale. Das Spiel ist noch nicht veröffentlicht, von einem auffälligen Geschichtsrevisionismus ist bislang nichts zu sehen, und dass das Spiel natürlich keine wirklich authentische Mittelaltererfahrung liefern kann, sondern sich vornehmlich im Vergleich zu Fantasy-RPGs durch mehr Realismus auszeichnet, hätte eigentlich jedem klar sein müssen. Auch ist der Chefentwickler keineswegs ein bekannter Nazi, nur wenn man seinen Social Media-Kanälen folgt (und warum sollte man eigentlich?), könnte man argwöhnen, dass der Mensch wohl ein eher libertäres Weltbild hat. Das ist aber für die Berichterstattung eines Spielemagazins nun kaum relevant, insofern frage ich mich, was hier von den Spielejournalisten erwartet wird? Sollte jetzt tatsächlich immer der persönliche Hintergrund der Entwickler bei Previews zu deren Spielen berücksichtigt werden? Wo soll das dann aufhören, bzw. wen soll das interessieren? Inzwischen gibt es übrigens Statements der Entwickler auf Anfrage der GameStar, welche die auf dieser Seite geäußerten Vorwürfe noch unberechtigter erscheinen lassen, sowohl die gegen die Spielemedien als auch die gegen den Entwickler.

  35. Sehr geehrter Herr Heinemann,

    gewagte Thesen zu einem Spiel, das noch nicht einmal entschieden ist.

    Vorneweg: Wer historische Wahrheit vermittelt sehen will, wird von einem Historiker stets nur Kopfschütteln ernten- in der Forschung sucht man nicht nach Fakten, sondern bewertet zeitgenössische Quellen in Bezug auf Perspektive, Wahrnehmungsfeld, Lebenswelt usw. Dies ermöglicht dann bestenfalls thesenhafte Tendenz-Bewertungen. Insbesondere das Mittelalter ist eine historisch kontroverse Epoche, das fängt schon bei der Klassifizierung an.

    Sie fordern eine „korrekte“ Abbildung Ihrer historischen Wirklichkeit. Ohne diese inhaltlich bewerten zu wollen möchte ich die Frage stellen, inwiefern Sie dies dann von dem unterscheiden, was Sie Vavra/Warehouse vorwerfen- nämlich Geschichtsklitterei. Gesetzt die These ‚Kingdome Come‘ würde tatsächlich gesellschaftsgefährdende und/oder allgemein fragwürdige Inhalte propagieren, wäre es natürlich durchaus vertretbar, eine Korrektur derselbigen zu fordern. Allein- weswegen glauben Sie, dies wäre der Fall?
    Ihr -erster inhaltlich auf das Spiel bezogene- Vorwurf, ist die mangelnde Diversität. Haben Sie einen konkreten Beleg, dass diese regional ausgerpägter war, als in einem Spiel, das noch nicht einmal veröffentlicht ist, dargestellt? Sollte dies der Fall sein, wäre das zwar bedauerlich für den historischen Anspruch des Spieles (den Sie im Übrigen überbewerten- bei allen Versuchen des historischen Realitätsbezuges, sollte jedem klar sein, dass ein Spiel eine individuelle Geschichte in einem individuell selektiven Rahmen erzählt und darüber hinaus durch künstlerische und technische Aspekte geprägt wird), nichtsdestotrotz nicht mehr als eine Randnotiz. Weder ist ein Unterhaltungsmedium geignet zur detaillierten Wissensvermittlung oder Recherche, noch hat es je solchen Anspruch gehabt. Man mag die Beinflussung kritisieren, hierin unterschiede sich ‚Kingdome Come‘ jedoch nicht im Geringsten von einem Großteil der Literatur, Filme, Spiele usw. unserer Zeit. Medien mögen ein Spiegel der Gesellschaft sein, aber haben keinerlei Anspruch diese zu reformieren.
    Persönlich fände ich es übrigens wesentlich bedauerlicher, wenn das kulturelle tägliche Leben der Individuen inkorrekt dargestellt wäre, als eine mangelnde ethnische Diversität. Ersteres lässt sich nicht durch eine eigene tolerante Haltung kompensieren.
    Der zweite Vorwurf kritisiert das Nichtvorhandensein einer weiblichen Hauptfigur. Hier möchte ich ihren Gender-Asterisken aufgreifen (den ich sprachlich furchtbar, weil kommunikationsstörend finde- eine lobenswerte Absicht, die ihr Ziel meilenweit verfehlt): Kritisieren Sie ebenso das Fehlen einer pansexuellen, ungeschlechtlichen Hauptperson..? Es mag mir gefallen oder nicht, wenn ich im Spiel nicht mein/e (spieltechnisch oder persönlich) favorisierte/s Geschlecht/Ethnizität/seuelle Orientierung spielen kann. Und das ist ein legitimer Grund ein Spiel zu mögen oder eben nicht, zu kaufen oder eben nicht. Aber noch einmal: Auch ein historisch korrektes [sic!] Spiel, hat keinerlei derartige Ansprüche. Das in der Kickstarter-Kampagne ein weiblicher Charakter geplant war, der es, aus welchen Gründen auch immer, nicht ins Spiel geschafft hat, ist kein Indiz für ein unhistorisches, rassistisches oder sexistisches Spiel.

    Der Rest des Textes kritisiert Entwickler David Vavra. Inwieweit dies inhaltlich gerechtfertigt ist oder nicht, kann und will ich hier nicht bewerten. Aber selbst wenn Vavra eine durch und durch unmögliche Person wäre, stünde er damit nicht exempelhaft, weder für ein Computerspiel noch für die über hundert daran beteiligten Mitarbeiter.

    Abschließend möchte ich Ihnen die thematische Zusammenfassung der von Ihnen ebenfalls kritisierten GameStar ans Herz legen: http://www.gamestar.de/artikel/kingdom-come-deliverance-die-reaktion-auf-die-rassismus-vorwuefe,3324854.html .

    Was auch immer Sie von diesem Spiel halten und welche Kritik Sie weiter äußern mögen: Ich werde ‚Kingdome Come‘ schlicht als das genießen und bewerten was es ist- ein unterhaltsames Computerspiel.

    Mit besten Grüßen,
    B.M.

    1. Hallo B.M.,
      vielen Dank für diesen umfangreichen Kommentar!
      Ich stimme Ihnen in vielen Punkten zu, möchte aber ein paar Punkte richtig stellen, denn in der bisherigen Debatte wurde sehr viel mehr in meinen Artikel hineininterpretiert, als ich tatsächlich geschrieben habe:

      Ich fordere von dem Spiel gar nichts, weder dass es meine oder irgendeine andere spezifische Vorstellung von der Geschichte abbilden solle, schon gar keine „historische Wirklichkeit“ (weil unmöglich).
      Die pikante Kombination der Einstellungen des Chefdevelopers mit der offensiven Bewerbung damit, ein „realistisches“ Historienspiel zu machen, und gleichzeitig an den verbreiteten Mythos vom „weißen“ Mittelalter anzuknüpfen, hielt ich jedoch für angebracht einmal auf’s Tableau zu bringen. Und weiterhin eine Debatte über die Darstellung von Geschichte in digitalen Spielen anzustoßen, die meiner Meinung nach, bisher zu kurz gekommen ist. Und ja, ich bin der Meinung, dass mehr Diversität in Spielen mehr als überfällig ist und auch hier von der stumpfsinnigen Reproduktion patriarchalischer Weltvorstellungen abzuweichen ist.

      Über diese Punkte kann und sollte debattiert werden und darum habe ich dieses Blog geschrieben. Die differenzierte und gute Auseinandersetzung der Gamestar (insbesondere in dem Video) finde ich sehr gelungen (im Gegensatz zu dem Video von 4players, dass sich in befremdliche Relativierungen verstrickt). Wenn die Debatte in dieser Richtung weiter geführt wird, würde mich das sehr freuen!

      Beste Grüße

  36. Ich denke nicht, dass es rassistisch ist, Inhalte zu gestalten, egal ob für Werbung, Spiele, Filme oder Kunst, die nur Menschen mit einer Hautfarbe zeigen. Vavra mag ein rechter Denker sein und sein Spiel machen, das keine anderen Ethnien repräsentiert – das macht das Spiel keineswegs rassistisch.
    Wie hier mehrfach von beiden Seiten betont wird, kann ein Spiel niemals realistisch sein. Wie jeder Film oder jedes Kunstwerk auch. Die inkludierten Inhalte sind immer unabhängig vom Gestalter zu betrachten, so hart das auch klingt.
    Man wird abwarten müssen, ob das Spiel dem Spieler wirklich rassistisches Gedankengut vermittelt. Außerdem gab es natürlich schon immer nicht-Weiße in Europa oder Böhmen, aber auch diese waren nicht immer willkommen. Selbst wenn sich in Kingdom Come NPCs über Farbige auslassen oder beschweren würden, würde das das Spiel nicht sofort rassistisch machen, sondern nur zeigen, dass es damals auch Rassismus, Vorurteile und Ablehnung gegenüber anderes Farbigen gab. Allerdings sollten sie dann aber auch zeigen, dass Einhemische damals auch farbige Menschen durchaus respektiert und in die Geselsschaft eingebunden haben.
    Die Beschwerde, nur einen männlichen Protagonisten zu haben sei sexistisch, ist in keinster Weise tragbar. Obwohl man einen guten Chraktereditor hat, muss man nicht 5 unterschiedlcihe Protagonisten anbieten. Wenn die Story von dem Sohn eines einhemischen Schmieds handelt, dann ist es halt so. Es gibt ja auch nicht immer zwei Filme mit einer weiblichen und einem männlichen Protagonisten. Story ist Story.

    Dass Vavra fragwürdige und extreme Ansichten hat, sich der GamerGate Bewegung anschlossen hat und er wahrscheinlich nicht der einzige im Studio ist, sind keine positiven Dinge. Ich aber hoffe er reitet Warhorse Studios jetzt nicht ins Verderben und, dass sie es mehr als Spiel bezeichnen würden und nicht Simulation nennen würden.
    Das Spiel mag einen simulationslastigeren Ansatz wagen, aber es bleibt ein Spiel. Und ein Spiel unkludiert und assoziiert immer nur einen Teil der Realität.

  37. In „Die Tore der Welt“ von Ken Follet findet 90% der Geshichte in England statt. Dort werden keine Schwarzen erwähnt und sind nicht teil der Handlung. In einem kurzen Abschnitt reißt die Hauptperson weit weg, trifft arabische Völker. Ist dieses Buch nun durch diesen Handlungsabschnitt akzeptabler geworden? Kann man deine Vorwürfe zum Werk (das Private zum Author außen vor) rein objektiv direkt auch darauf anwenden, hätte die Geschichte rein in England stattgefunden? Also äußerst lokal und eben ohne erwähnte Farbige. Ich bin verwirrt und weiß nicht damit umzugehen. Das Spiel klang für mich äußerst interessant, aber ich muss zugeben dass ich niemals an Nicht-Weiße gedacht habe bei einer Geschichte über Böhmen. Bin ich auch schon so stark voreingenommen?
    Zu einem anderen Punkt: Ich lese gerne Historienromane. Ich frage mich, ob die Menschen wirklich Interesse daran haben die Geschichte von Kingdome Come als Frau zu spielen. Ohne die Geschichte des Spiels zu kennen, kann ich mir vorstellen (sofern man dem historischen Kontext gerecht werden möchte), dass ein Leben als Frau im Mittelalter, sei es auch noch so fern von der Norm ( es ist ja Fiktion), geprägt ist von Entbehrungen und Last. Ich weiß nicht, ob es Spielern wirklich gefallen würde sich mit dieser harten Realität, mit der Frauen damals konfrontiert wurden, außeinander zu setzen. Am Ende soll es doch Spaß machen oder? Gottseidank und nicht ohne Grund hat sich ja bis heute alles geändert. Und am Ende vom Tag ist es eben eine Geschichte, in einem Buch kann ich mir es auch nicht aussuchen, ob die Hauptperson Männlich oder Weiblich ist. Aber ich suche mir aus, ob ich daran Interesse habe oder nicht.

    1. Hallo Robert,
      Danke für Deine Frage(n)!

      Der Mythos vom exklusiv „weißen“ Mittelalter hält sich leider sehr hartnäckig in der Geschichtskultur. Das drückt sich auch in vielen Beiträgen zur Debatte um KCD aus: „Hab noch nie was von Schwarzen [wobei PoC halt viel mehr ist] im Mittelalter in Europa gehört oder gesehen. Gab also keine, weiß man doch.“ Das ist aber wissenschaftlich nicht haltbar. Nun wird man sicherlich bei jedem Werk genau hinschauen müssen – und das wird man auch bei KCD, wenn es denn gepublished ist – wie was warum dargestellt wird. Es würde, denke ich, niemand sagen, dass es absolut unplausibel ist, dass auf diesen 16 km² nun keine PoC gezeigt werden. Pikant wird es aber in Kombination mit Vávras Äußerungen in dieser Hinsicht. Das sollte jede*r im Hinterkopf haben, wenn er*sie KCD spielt – und darum muss auch über diesen Komplex gesprochen und debattiert werden. Darum bin ich froh, dass der Faden aufgenommen wurde und nun viele Spielemagazine hierüber diskutieren. Das Spiel kann am Ende ja auch ein wirklich gutes Spiel sein und Vávras Positionen durch das große Team abgefedert. Ich sage niemandem, er*sie solle das Spiel nicht spielen. Das liegt mir fern. Aber wir sollten kritischer mit der Art und Weise umgehen, wie Spiele Geschichte darstellen – vor allem, wenn sie sich sehr offensiv als realistisch und authentisch anpreisen. Darum ist KCD ein so anschauliches Beispiel.

      Auch mit der Rolle bzw. wohl besser den Rollen von Frauen* sollte viel differenzierter umgegangen werden, als es der dominante Diskurs tut. Geschichte kein statisches Konstrukt von Konventionen, sondern kontingent und als Möglichkeitsgeschichte zu begreifen. Darum würde ich nicht sagen, dass ein Abweichen vom ewig gleichen männlichen Heldentopos langweilig wäre. Zumal ein nicht zu unterschlagener Teil der Spielenden heute auch Frauen* sind.

      Beste Grüße

  38. Ein nahezu uneingeschränkt guter Beitrag, danke dafür, das alles so gebündelt zu sehen.

    Nur den Absatz über Burzum würde ich … nicht so schreiben, weil er das etwas verdreht. Der Mord & die Kirchenbrände waren ja nicht nationalistisch motiviert. „Richtig“ rechts wurde Vikernes ja dann erst, wenn ich das alles richtig im Kopf habe, im Knast & dann kam sein Neo-Pagan-Geschwurbel dazu. WUsste gar nicht, dass er das auf yt immernoch raus lässt,d achte immer, er redet da über sein Pen ’n‘ Paper RPG. Die Musik ist jetzt auch nicht wirklich von der rechten Ideologie gefärbt, aber die Band gilt generell in der Metalszene als das, was man euphemisch „Grauzone“ nennt, also Bands, hinter denen rechte Leute stecken, aber das in der Musik nicht rauslassen.
    Das jetzt aber als Indiz ihm anzukreiden – in Polen trägt man auch gerne ganz andere Kaliber rechter (deutscher) Bands; Burzum kann man ja sogar auf amazon und normalen deutschen Mailorders bestellen … würde mich da eher auf die bestechende restliche Faktenlage stürzen.

  39. Hallo, ich bin ehrlich gesagt nicht sooo tief in der Thematik, aber mich würde tatsächlich mal die Faktenlage interessieren: Ich habe mal ein paar Links durchgeklickt, und bis auf die Aussage, dass auch böhmische Künstler im Mittelalter schon mal einen Schwarzen gemalt haben (z.B. die Königin von Saba) sehe ich da einfach keine historische Rechtfertigung. Oder habe ich was übersehen?
    Soll heißen: Natürlich wäre es möglich gewesen, Schwarze in die Story miteinzubeziehen oder eben auch einen weiblichen Helden. Aber nur, weil das eben nicht getan wird (mit der Realismus-Begründung) ist das doch meiner Meinung nach weder rassistisch noch sexistisch.

  40. Danke für den Artikel. In der deutschen Mainstream Spielepresse bekommt man ja wie immer nur branchenfreundliche Hochglanztrailer. Tja man will weder die Hersteller noch die doch angeblich „erwachsene“ Zielgruppe mit solchen Themen „vor den Kopf stoßen“ . Eine überreichende Suppe ist das. Ich werde Abstand nehmen und sowas keinesfalls unterstützen. Obwohl ich mich ursprünglich drauf gefreut hatte.
    Es wäre auch interessant wie das restliche Team dazu steht. Alles Mitläufer? Wenn nicht sollen die ihm einen Maulkorb verpassen und klarstellen das eine solche Ideologie nichts mit dem Spiel zu tun hat.
    Aber da wir nicht gerade in emanzipatorischen Zeiten leben und rechte Weltbilder populär sind würden sie sich dabei am ende noch eine wichtige Zielgruppe verprellen.

  41. […] Warum macht es nun mehr Sinn, von historischer Akkuratesse zu sprechen anstelle von der historischen Authentizität? Die akkurate Wiedergabe eines spezifischen Geschichtsbildes, sprich die Reproduktion von als “historisch wahr” etablierten Vorstellungen von Klasse, Ethnie, Gender, Nationalität, aber auch Raum und Zeit oder Körper und Geist, erzeugt durch die Anbindung an kollektive (Geschichts-)Erinnerungen den makabren Zombie-Elefanten Authentizität.
    Dieser Zugang zwingt uns zudem, die eigene Profession noch kritischer zu betrachten. Denn es sind die Forschungen unserer “Historikerahnen”, auf die sich diese Geschichtsbilder begründen. Im Falle der höchst problematischen nationalen Geschichtsschreibung ist das besonders deutlich. Denn wie in den bisherigen Diskussionen hervorgeht, steht Authentizität häufig in Verbindung mit der akkuraten Implementation von Nationalitätsvorstellungen. […]

    1. Die Tatsache, dass Kingdom Come Delvierance eine „authentische Abbildung“ des europäischen Mittelalters zeigen will, fand ich schon immer etwas seltsam, habe sie aber stets beiseite geschoben, schließlich prägen auch heute noch viele Filme, Serien und andere Werke das Bild eines „weißen Europas“ im Mittelalter. Tatsächlich waren mir diese ganzen idelogisch geprägten Hintergründe der Entwickler vor dem Lesen deines Beitrags aber nicht bewusst. Zwar habe ich seit jeher ein gewisses Interesse an Kingdome Come Deliverance, die Entwicklung und Zusammenhänge verfolge ich allerdings eher sporadisch, auch weil ich mittlerweile bei Spielen, die für mich in irgendeiner Art und Weise interessant erscheinen, lieber „unbefleckt“ und ohne großes Wissen vorab herangehen will und daher im Vorfeld Diskussionen in Foren u.ä. eher meide. Daher Danke für die gute wie tief gehende Recherche!

      Nun vertrete ich eigentlich die Meinung, dass man Werk und Erschaffer voneinander trennen sollte, sofern man dies mit sich selbst vereinbaren kann, denn auch hinter anderen Spielen, Filmen, Serien, Musik etc. stecken durchaus zweifelhafte Gestalten, mit deren Ansichten ich alles andere als komform gehe. Ich konsumiere also durchaus auch andere Werke, von deren Erschaffern ich persönlich wenig halte, ja sie sogar für große Arschlöcher halte. Im vorliegenden Fall muss ich nun wirklich in mich gehen, denn die persönliche Haltung der Entwickler scheint das vom Spiel vermittelte Weltbild ja doch sehr zu prägen. Sollte ich Kingdom Come Delvierance spielen, so werde ich nun in jeden Fall sehr hellhörig sein.

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